Kolumne: Der Koran

Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. Der Flaneur hat zwei muslimische Freunde, die er außerordentlich schätzt. Beide sind Flüchtlinge, einer aus Somalia, einer aus Syrien, Beide haben Zuflucht bei uns in Deutschland gesucht und gefunden, und sind dankbar dafür. Über beide hat er in seiner Wochenblattkolumne geschrieben: am 20. September („Ahmed“) und am 1. November („Ein Flüchtlingsschicksal“) des vergangenen Jahres.
Gewiss sind beide Menschen, so wie wir. Aber es gibt Unterschiede. Während nämlich bei uns die Menschen immer und immer weniger an Gott glauben, sind diese zwei gestandenen Männer – einer ist Ingenieur, einer Geschäftsmann – tiefgläubig. Kommt Ahmed zu ihm in seine kleine, ärmliche Wohnung und naht die Gebetszeit, dann macht sein Gast höflich darauf aufmerksam. Der Flaneur geht selbstverständlich klaglos zehn Minuten spazieren, und Ahmed richtet sein Gebet in der Wohnung des Flaneurs. Ja, liebe Leser, obwohl euer Flaneur alles andere als ein religiöser Mensch ist, trotzdem fühlt er sich geehrt, dass Ahmed seine Wohnung als würdig erachtet, darin das vorgeschriebene muslimische Gebet zu verrichten.
Einmal in der Woche trifft sich der Flaneur mit Ahmed. Ihr Treffpunkt ist der Vorplatz des Harburger Bahnhofs. Ahmed kommt immer zu spät. Der Flaneur verliert nie ein Wort darüber, da er vermutet, das habe kulturelle Gründe. Sie wandern beide angewidert durch das Phönix Center und suchen sich ein nicht zu teures Cafe. Zum Beispiel die Einkehr für ältere Menschen gegenüber dem Eingang der Harburger Bücherei (Kaffee 60 Cent, Käsebrötchen 80 Cent, nette mütterliche Bedienung. Was will man mehr?).
Jetzt geht das Gespräch los. Es gibt nur zwei Themen: die Frauen und die Religion. Der Flaneur erzählt von seiner immer noch erfolglosen Frauensuche, und erhält von Ahmed archaische Weisheiten über die Frauen, ihre Bedürfnisse und wie man sie am besten rumkriegt. (Hat bisher leider nicht sehr gefruchtet. Leservorschläge sind dem Flaneur herzlich willkommen. Er verzweifelt fast.)
Bei dem zweiten Thema erzählt Ahmed, des Flaneurs Herzen tief bewegend, von den wunderbaren Weisheiten des Korans: „the knowledge of God (Ahmed spricht kaum Deutsch) brings tranquillity to the soul“. Vielleicht kommt man ohne Frau aus, wenn man diese Erkenntnis gefunden hat. Der Flaneur nimmt sich vor, dies zu beherzigen.
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