Klein, aber teuer

Noch Platz für das Sofa? Viele Menschen können sich nur Wohnungen mit ein oder zwei Zimmen leisten. Foto: panthermedia

Warum günstige Wohnungen mit ein oder zwei Zimmern gebraucht werden

Carsten Vitt, Harburg

Ein kleines Stück Hamburg kann ganz schön teuer sein. Wer in der Hansestadt Wohnungen mit ein oder eineinhalb Zimmern mietet, muss häufig tief in die Tasche greifen. Quadratmeterpreise von bis zu 20 Euro sind bei Neubauten keine Seltenheit. Zum Vergleich: Laut Mietenstudie des Gymnasiums Ohmoor liegt die durchschnittliche Angebotsmiete in Hamburg bei knapp 13 Euro (das Elbe Wochenblatt berichtete). „Es gilt hier: Je kleiner die Wohnung,
desto höher die Miete“, sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg.
Ein zunehmendes Problem, das vor allem Studenten, Geringverdiener oder Senioren mit niedriger Rente zu spüren bekommen. Denn diese Gruppen können sich meist nur kleine Wohnungen leisten, die verhältnismäßig teuer sind. „Es gibt da einen extremen Verdrängungswettbewerb“, beobachtet Chychla.
Verantwortlich für die hohen Preise ist nicht allein das Profitstreben von Grundeigentümern. Beim Bau von kleinen Wohnungen kostet ein Bad oder eine Mini-Küche anteilig viel mehr als zum Beispiel bei einer Vier-Zimmer-Wohnung. „Es herrscht hier nicht Wildwest“, so Chychla.
Dennoch rät er, Preise überprüfen zu lassen. Bei Wohnungen unter 25 Quadratmetern greift der Mietenspiegel als Maßstab nicht. Aber es gebe auch für kleine Wohnungen eine ortsübliche Vergleichsmiete, die notfalls per Gutachter oder anhand von Vergleichsobjekten ermittelt werden müsse.
Dass kleinere Wohnungen immer gefragter sind, zeichnet sich bereits seit einigen Jahren ab: In fast 60 Prozent der Haushalte in Hamburg lebe heute nur eine Person, so Chychla, in begehrten Vierteln wie Eimsbüttel, der Schanze oder in Altona sei der Anteil noch höher.
Hinzu kommt: Viele Hamburger verbringen mehr Zeit draußen oder bei der Arbeit, in der Wohnung wird dann häufig nur noch geschlafen. Warum dafür noch 50 oder mehr Quadratmeter mieten? Langfristig werde die Nachfrage nach großen Wohnungen sinken, vermutet Chychla. Auch, weil sich nachwachsende Generationen nicht mehr so viel werden leisten können wie heutige Berufstätige oder Rentner. Die Bauwirtschaft und Vermieter sind offenbar bereits dabei, sich auf die Verhältnisse einzustellen. Lag vor zehn Jahren die Durchschnittsgröße einer Hamburger Neubauwohnung noch über 110 Quadratmeter, sind es heute etwa 80.

Nachgefragt beim EBV
O.Zimmermann, Hamburg-Süd

Gibt’s beim Eisenbahnbauverein Harburg (EBV) kleine Wohnungen? Nachgefragt bei EBV-Vorstand Joachim Bode.
Seine Antwort: „Wir haben 254 Einzimmerwohnungen, 58 Eineinhalb-Zimmer-Wohnungen und 1.128 Zweizimmerwohnungen – zusammen 1.440 Wohnungen, das sind rund 45 Prozent des Bestandes. Das ist eine ausreichende Anzahl. Die Nachfrage ist weiterhin anhaltend hoch. Die durchschnittliche Wohnungsgröße über alle 3.217 Wohnungen des EBV liegt bei 63 m². Unsere Durchschnittmiete beträgt 6,08 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Unsere beiden Bauvorhaben Roseggerstraße 8 und Schumannstraße 43 bestehen aus Zwei- bis Vier-Zimmerwohnungen mit Größen von 63 bis 120 m². Die Schumannstraße ist schon „überbucht“, in der Roseggerstraße gibt es noch freie Wohnungen.“


Zahlen

Anzahl der Wohnungen mit ein / zwei Zimmern nach Stadtteilen (in Klammern: Anteil am Gesamtbestand)

Eißendorf:
542 (4,5%) / 914 (7,6%)

Francop:
13 (4,0%) / 15 (4,6%)

Harburg:
974 (8,0%) / 1.876 (15,4%)

Hausbruch:
378 (5,3%) / 296 (4,1%)

Heimfeld:
411 (3,9%) / 1.074 (10,2%)

Marmstorf:
151 (3,5%) / 144 (3,4%)

Neuenfelde:
32 (1,7%) / 97 (5,0%)

Neugraben-Fischbek:
533 (4,3%) / 584 (4,8%)

Neuland/Gut Moor:
4 (0,7%) / 18 (3,2%)

Rönneburg:
9 (0,6%) / 124 (8,9%)

Sinstorf:
11 (0,8%) / 60 (4,1%)

Veddel:
126 (6,2%) / 165 (8,1%)

Waltershof/Finkenwerder:
139 (2,4%) / 156 (2,7%)

Wilhelmsburg:
1.617 (7,2%) / 1.715 (7,6%)

Wilstorf:
290 (3,4%) / 1.284 (15,1%)

Statistikamt Nord/Ende 2015
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