Kleider machen Leute

Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. In Harburg gibt es einen deutlichen Mangel an Zuhältern. Jedem, der mit offenen Augen durch unseren Stadtteil läuft, fällt dies auf. Harburgs Tugendhaftigkeit hat erschre-ckende Ausmaße erreicht, das direkte Ergebnis des eklatanten Zuhältermangels.
Nun ist der Flaneur immer bereit alles zu tun, was Harburg voranbringen könnte. Aber in diesen uralten Beruf einsteigen, kann er nicht. Er versteht zu wenig von dem, was sich zwischen Frauen und Männern abspielt. (Wie er zu vier Kindern kam, weiß Gott alleine.)
Tatenlos muss er allerdings nicht bleiben, denn er hat eine Zuhälterkluft, die er aus Solidarität mit dem verpönten Beruf anziehen kann. Nicht jeden Tag, denn er hat andere Aufmachungen, die getragen werden wollen: als englischer Landedelmann, zum Beispiel, oder als Alt-68er verlotterter Sonderschullehrer. Aber wenigstens an einem Tag von dreien …
So sieht sie aus, die Zuhälterkluft: ein rotes Jackett, ein schwarzes Hemd, eine schreiend gelbe Krawatte, schwarze Lederhosen und spitze Lackschuhe. Im Harburger Winter ist die Sonnenbrille freiwillig. Die Kippe im Mundwinkel ebenso. Die Stimme muss eine starke ausländische Färbung annehmen, fast unverständlich aber nichtdestoweniger bedrohlich.
Liebe Leser, Sie mögen es glauben oder nicht, aber diese Kleidung wirkt. Kleine alte Damen im Bus, ihre Handtaschen fest umklammernd, zischen unserem Flaneur zu, „Gehen Sie nach St Pauli zurück, Sie …“ und dann folgt ein Wort, das der Flaneur bisher nie aus dem Mund einer wohlerzogenen Heimfelder Dame gehört hat.
Rentner, die fast Rollatorbedürftigkeit aufweisen, treten ihm ans Schienenbein. Sie sind gewiss neidisch.
Schulkinder dagegen verstehen den Witz und lachen mit dem Flaneur.
Natürlich ist der Flaneur kein Zuhälter. Höchstens ein mittelmäßiger Schauspieler.
Aber wie lautet der alte Spruch? „Kleider machen Leute.“
So ist es in der Tat.
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