Kirchenaustritt: Hamburg viel teurer als Bremen

An der Elbe zahlt man dafür 31 Euro, an der Weser höchstens 5,50 Euro

Istel/Zimmermann, Altona
In Deutschland gehören immer weniger Menschen einer der beiden großen christlichen Kirchen an. 1990 waren noch 72 Prozent der Deutschen Mitglied der evangelischen oder katholischen Kirche, 2015 nur 56 Prozent. Wer austreten will, wird zur Kasse gebeten – in Hamburg über fünfmal mehr als in Bremen.
Wie viele Gläubige sind in im Jahr 2016 Hamburg ausgetreten?
Im Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein waren es 1.834 Personen. 3.062 Hamburger verließen die katholischen Gemeinden (Stand: 21. Juli).
Wo kann man aus der Kirche austreten?
Für den Kirchenaustritt muss man mindestens 14 Jahre alt sein und braucht seinen Personalausweis oder (ausländischen) Pass. Wo man seinen Austritt erklären kann, regelt in jedem Bundesland das jeweilige Landesgesetz. Wer in Hamburg aus der Kirche austreten möchte, kann das nur beim örtlichen Standesamt tun. Dort gibt’s eine Bestätigung, außerdem wird der jeweiligen Kirchenkreis oder die katholische Gemeinde informiert. Für viele der entscheidende Vorteil: Von diesem Moment an zahlt das ehemalige Gemeindemitglied keine Kirchensteuern mehr.
Anders ist der Austritt im Bremen geregelt, einem Stadtstaat, der mit Hamburg vergleichbar ist. Dort kann man direkt bei der jeweiligen Kirche austreten.
In der Bremer Innenstadt befindet sich dafür sogar ein Kirchenbüro. Zusätzlich ist der Austritt auch an der Weser im Standesamt möglich. 
Wie teuer ist der Kirchenaustritt?
Das hängt vom jeweiligen Bundesland ab. In Bremen ist er bei den Kirchen kostenlos, im Standesamt werden dafür 5,50 Euro in Rechnung gestellt. In Hamburg muss man dafür 31 Euro berappen. Damit sind Hamburg und München die teuerste Großstädte. Eine Spitzenposition hat das kleine baden-württembergische Durmersheim (12.186 Einwohner) inne: Dort werden sogar 55 Euro fällig.
Warum kostet der Kirchenaustritt in Hamburg so viel?
„Das Gesetz legt grundsätzlich fest, dass die Gebühr in etwa dem finanziellen Aufwand entspricht, der dem Staat für die Erbringung der Dienstleistung entsteht“, sagt Senatssprecher Jörg Schmoll. Offenbar arbeiten die zuständigen Beamten in Hamburg deutlich langsamer als in Bremen. Es nutzt aber nichts, nun nach Bremen zu fahren, um preiswert die Kirche zu verlassen: Nur, wer in diesem Bundesland wohnt, kann auch dort austreten.

Mitglieder

Die Evangelisch-lutherische Kirche in Norddeutschland zählte Ende 2016 2.063.904 Mitglieder, ein Jahr zuvor waren es 2.103.379. Im Kirchenkreis Hamburg-West/ Südholstein, zu dem Altona, die Elbvororte, Eidelstedt und Lurup gehören, gibt es 114.486 Mitglieder (Stand: 01.04.2016). Im römisch-katholischen Erzbistum Hamburg, das neben Hamburg auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg umfasst, gehörten in Hamburg im vergangenen Jahr 184.239 Gläubige der Kirche an, das sind 2.064 Personen mehr als im Vorjahr (Stand: 21.7.2017).

Kirchensteuer
In Deutschland beträgt der Kirchensteuersatz derzeit neun Prozent der Lohn- und Einkommensteuer mit Ausnahme der Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. Dort sind es acht Prozent. Der Arbeitgeber behält neben der staatlichen Lohnsteuer auch die Kirchensteuer ein und führt sie an das Finanzamt ab. Das eingezogene Geld bleibt nicht beim Staat, sondern wird vom Finanzamt an die Kirchen weitergegeben. Dafür bekommt das Finanzamt eine Art Bearbeitungsgebühr.
Im Jahr 2015 erhielt die römisch-katholische Kirche in Deutschland etwa 6,09 Milliarden Euro Kirchensteuer, die Evangelische Kirche in Deutschland nahm 5,36 Milliarden Euro ein.
Quellen: wikipedia/ katholisch.de
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