Keine perfekte Frau – Gott sei Dank

Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. Wir schildern eine Erfahrung, die ein Mann mit Frauen machen kann. Er ist Single und will wieder eine Freundin. Eine, mit der er dieses und jenes unternehmen kann. Aber auch eine – wir wollen nicht prüde sein –, mit der er ins Bett gehen kann. (Bekanntlich ein unausrottbares Bedürfnis des männlichen Geschlechts.)
Er ist „vorzeigbar“, wie es in den Bekanntschaftsannoncen heißt. Er hält die Augen offen. Und siehe da: Ws kommt ihm eine perfekte Frau entgegen. Eine wunderschöne Figur, ein gewinnendes Lächeln, stilvoll angezogen, dezent geschminkt.
Das wird die sein, die ich suche, denkt er. Er nimmt sein Herz in die Hände und spricht sie an. Und sie weist ihn nicht ab, scheint für seine Werbung offen zu sein. Dann aber öffnet sie den Mund. Und redet einen Blödsinn, langweilig, geistlos, ohne Sinn und Witz.
Er wendet sich enttäuscht, desillusionisiert ab. Perfekt, wie sie ist, kann sie ihn nicht interessieren, denn dazu gehört nicht nur ein schöner Körper sondern auch ein helles Köpfchen und ein fühlendes Herz. Und die hat sie eindeutig nicht. Was nützt ihm die ganze Perfektion, die modische Kleidung, die neuste Friseur, der verführerische Körper, wenn er kein vernünftiges Wort mit ihr wechseln kann?
Ein großer Liebender, der irische Dichter William Butler Yeats, hat es in seinem Gedicht „A Prayer for my Daughter“ („Ein Gebet für meine Tochter“) so auf den Punkt gebracht. Seine kleine Tochter, gerade geboren, soll nicht übermäßig schön sein, denn solche unglaublich schöne Frauen „eat a crazy salad with their meat“ (sie essen einen verwirrenden Salat zu ihrem Fleisch). Nein, schreibt Yeats, Herzen werden von Frauen gewonnen, die nicht „entirely beautiful“ – nicht makellos schön – sind.
Dann schreibt er: „And many a poor man that has roved, Loved and thought himself beloved, From a glad kindness cannot take his eyes“
„Manch ein armer Mann, der die Welt durchwandert hat, Geliebt und gemeint hat, geliebt worden zu sein, Kann von einer heiteren Freundlichkeit seine Augen nicht abwenden.“
Gewiss ist eine heitere Freundlchkeit – „a glad kindness“ – nicht das, was wir normalerweise mit weiblicher Perfektion in Zusammenhang bringen. Nichtdestoweniger übt sie auf die Seele eines müden, einsamen Mannes eine große Faszination aus. Gegen die Mode, das Make-up, die Friseure, das Styling ist nichts, gar nichts zu sagen. Die Welt ist halt ein Jahrmarkt der Eitelkeiten („Vanity Fair“).
Wir möchten nur sagen: Sie sind nicht alles.
Eine heitere Freundlichkeit und eine geistreiche und humorvolle Unterhaltung – ja, wenn sie dazu kommen, ist eine Frau tatsächlich unwiderstehlich.
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