Kampf gegen den Hexenwahn

Erforscht die Zeit der Hexenverfolgungen: Jan Vahlenkamp. Foto: stahlpress Medienbüro
 
Dieser Hexen-Gedenkstein erinnert an die Opfer. Foto: vahlenkamp

Jan Vahlenkamp will die Hamburger Opfer der Hexenverfolgung rehabilitieren

Volker Stahl, Hamburg

Das Engagement für zu Unrecht verfolgte oder diskriminierte Minderheiten ist Jan Vahlenkamp in die Wiege gelegt worden: Sein Vater Werner leistete als Landeshistoriker Pionierarbeit bei der Aufarbeitung der Geschichte des Judentums im Oldenburger Land. Jan erkrankte im Alter von sechs Jahren an Alopecia Areata, kreisrundem Haarausfall, und fühlte sich lange als Außenseiter.
„Das ist nicht freiwillig“, sagt Jan Vahlenkamp, als er zu Beginn des Gesprächs in einem Café seine Mütze hochzieht. Als Folge der Autoimmunerkrankung entzünden sich die Haarwurzeln und behindern oder unterbinden das Haarwachstum. Mit seinem Handicap hat er sich mittlerweile arrangiert, die Sensibilität für andere Menschen, die es viel härter getroffen hat, ist geblieben. Schon früh engagierte sich der heute 34-Jährige in der Politik. 2002 zog er als jüngster Ratsherr in den Oldenburger Stadtrat ein, damals noch für die SPD.
Während seines Studiums der Politologie war er Mitglied im Studentenparlament, später gehörte er zwei Jahre dem Landesvorstand der Hamburger Linken an. Nach Abschluss seines Studiums war Vahlenkamp ein Jahr beschäftigungslos, heute arbeitet er als Anhörer in der Hamburger Außenstelle des Bundesamts für
Migration und Flüchtlinge.
Bei der Beschäftigung mit der Hamburger Stadtgeschichte fiel ihm auf, dass in der Hansestadt mindestens 40 Frauen und Männer dem Hexenwahn des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit zum Opfer gefallen sind. Im Gegensatz zu rund 50 anderen Kommunen deutschlandweit hat Hamburg aber bislang auf eine Rehabilitierung der zwischen 1444 und 1642 Hingerichteten verzichtet.
„Katharina Hanen war die Erste, die hier des Hexenzaubers angeklagt und verbrannt wurde“, sagt Vahlenkamp, der nach seinem Fund eine Petition im Internet mit dem Ziel startete, dass sich die Menschen mit dem blutigen Erbe beschäftigen. 301 Personen unterzeichneten die Eingabe, die Vahlenkamp anschließend an die Bezirksämter verschickte.

Der Scheiterhaufen befand sich in der Hamburger Altstadt

Die Initiative zeigt erste Wirkung. In Altona befasst sich der Kulturausschuss wohlwollend mit dem Thema, und das Bezirksamt Mitte hat bereits beim Staatsarchiv angefragt, um nähere Informationen zu den Hexenverfolgungen zu bekommen. „Der Scheiterhaufen, auf dem Hanen verbrannt wurde, befand sich auf dem Platz ‚Berg‘ in der Altstadt südwestlich der St.-Petri-Kirche“, hat Vahlenkamp mittlerweile herausgefunden. „Das war früher ein zentraler Versammlungsort, der aus dem Bewusstsein der Hamburger verschwunden ist.“
Der Hinrichtungsort lässt sich mit alten Kämmereirechnungen rekonstruieren. Darin ist vermerkt, dass dem „Büttel“ die Kosten für das Brennholz erstattet worden waren. Heute befindet sich dort der HSV-Store. Seeräuber wurden auf dem Grasbrook hingerichtet.

Mindestens 40 Frauen fielen dem Hexenwahn zum Opfer

Wer glaubt, das Thema Hexen sei ein rein historisches, der täusche sich, betont Jan Vahlenkamp: „In Afrika und Indien werden noch heute sogenannte Hexen verbrannt, in den USA schüren Satanisten eine kollektive Hysterie.“ In Europa werde aktuell von einigen dem „Flüchtling“ die Funktion des Sündenbocks zugeschrieben, der als Ventil für Ängste und Irrationales herhalten müsse: „Dann wird eben ein Flüchtlingsheim angezündet, obwohl von dort keine Bedrohung ausgeht.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.