Infiziert vom „Jaeger-Virus“

Ein Harburger Künstler: Heino Jaeger im Jahre 1972 mit einem seiner Werke. Foto: realistfilm

Ein großer Humorist aus Harburg: „Heino Jaeger – look before you kuck“ läuft in den Kinos.

Von Sven Taucke.
Er ist ein immer noch ein Geheimtipp unter Deutschlands Humor-Experten: Heino Jaeger, der in den Siebzigern den Alltag der Harburger auf die Schippe nahm und 1997 in einem psychiatrischen Hospital in Bad Oldesloe starb. Nun kommt ein Dokumentarfilm über den großen Humoristen in die Kinos: „Heino Jaeger – look before you kuck“ von Gerd Kroske.
Dokumentarfilmer Kroske hat viele Zeitzeugen befragt, für ihn ist dieser Film der Abschluss seiner Hamburg-Trilogie, zu der außerdem Dokumentationen über den „Boxprinz“ Norbert Grupe sowie den Zuhälter Wolfgang Köhler gehören. Drei Menschen, die man heute wohl als „echte Typen“ bezeichnet,
wodrüber sich Jaeger sicherlich lustig gemacht hätte.
Jaeger parodierte und mimte Spießer und Gelehrte, Politiker und Intellektuelle. Das ungewollt Komische in Sprache und Auftreten hatte es ihm angetan. Menschenbeobachtung betrieb Jaeger unter anderem in der Behördenkantine im Harburger Rathaus. „Als Tatbestand ist diese Kantine unmöglich, aber als Stimmung nicht übel.“ Nach dem Essen ging Jaeger ins Café Vernimb, um die Hausfrauen zu belauschen, die mit ihren Einkäufen vom Markt zurückkehrten. Einige seiner Grafiken sind in einer „Jaeger-Ecke“ im Helms-Museum zu sehen, wo der Künstler in den Siebzigern als Zeichner arbeitete.
Kroskes Film wurde von den Kritikern gelobt. Es bestehe die Gefahr, nach dem Kinobesuch vom „Jaeger-Virus“ infiziert zu sein, und selbst das Alltäglichste noch parodieren zu wollen.
Die Ungerechtigkeit bleibt allerdings: Während Olli Dittrich oder Helge Schneider mit ganz ähnlich angelegten Rollen und Parodien heute Erfolge feiern können, blieb Jaeger zu Lebzeiten ein Außenseiter. Der konservative NDR wollte „Fragen Sie Dr. Jaeger“ und „Das aktuelle Jaegermagazin“ nicht senden. Sie wurden im Saarländischen Rundfunk ausgestrahlt.
Dass Jaegers Humor noch länger ein Geheimtipp bleibt, könnte ausgerechnet einer seiner größten Fans verhindern. Olli Dittrich arbeitet seit Jahren gemeinam mit Rocko Schamoni und Regisseur Lars Jessen an einem abendfüllenden Spielfilm, in dem Dittrich Heino Jaeger spielen wird.

„Heino Jaeger – look before you kuck“
Premiere mit Gästen am Montag, 5. November, um 20 Uhr im Abaton.
Weitere Termine: 10. November um 13 Uhr, 11. und 18. November jeweils um 10.45 Uhr, 24.11. um 12.45 Uhr im Abaton-Kino – Allendeplatz 3, Ecke Grindelhof.
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