In 23 Stationen um die Alster

Warten auf den Zug: Fahrgäste kurz nach Eröffnung der Ringlinie 1912 – heute die Linie U3.
 
U-Bahn-Fahrt vor 100 Jahren: „Damen mit unverdeckten Hutnadelspitzen sind von der Beförderung ausgeschlossen“ hieß es damals auf einem Hinweisschild.

Die Ringlinie der Hamburger Hochbahn wird 100 Jahre alt.

Von Christopher von Savigny.
Die Reise durch 100 Jahre Hochbahn-Geschichte beginnt an der Haltestelle Landungsbrücken: Auf einer historischen Stahlbrücke mit 38 Stützbögen fährt der Zug an der Elbe entlang. Der etwa 1,5 Kilometer lange Abschnitt bis zum Rödingsmarkt gilt als eine der schönsten U-Bahn-Strecken Europas. Fahrgäste haben freie Sicht auf den Hafen, die Elbphilharmonie und die Museumsschiffe „Cap San Diego“ und „Rickmer Rickmers“. Kurz danach verschwindet die Bahn zwischen den Häusern, macht eine Rechtskurve und taucht quietschend in den dunklen Untergrund ab. Nächste Station ist der Rathausmarkt.
Im Dezember 1906 begann an dieser Stelle der Bau der U-Bahn-Ringlinie mit einem ers-ten Spatenstich am Adolphs-platz. Von 1906 bis 1912 bewegten mehr als 3.000 Arbeiter, Architekten und Ingenieure Millionen Tonnen Erdreich, Stahl und Beton. Sie bauten Hamburgs erste U-Bahn, die 18 Kilometer lange Ringlinie: 23 Haltestellen, 58 Brücken, sieben Kilometer Tunnel, vier Kilometer eiserne sowie anderthalb Kilometer steinerne Viadukte und ein Kraftwerk. Rund zwei Drittel der Strecke verlaufen oberirdisch auf Stahlstelzen und Dämmen, daher der Name der Betreibergesellschaft: Hamburger Hochbahn. Heute gehören auch sämtliche Busse der Hansestadt zur Hochbahn AG, die S-Bahn als eigenständige GmbH jedoch nicht. Verwaltet werden die Verkehrsbetriebe der Hansestadt seit 1965 vom Hamburger Verkehrsverbund (HVV).
Weiter geht die historische U-Bahn-Fahrt: Hinter der Station Berliner Tor kommt der Zug wieder an die Oberfläche, der Blick fällt auf Hinterhöfe und triste Gleisanlagen. Zwischen dem Bahnhof Uhlandstraße und dem Kuhmühlenteich begann am 1. Juni 1906 der Bau der Hamburger Hochbahn – allerdings handelte es sich dabei um eine Grubenbahn, mit der das angefallene Erdreich auf Schuten verladen wurde. Über den Kuhmühlenteich wurde der Aushub abtransportiert.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich Hamburg in eine Metropole verwandelt: Mit der Errichtung des Freihafens 1888, den städtebaulichen Umstrukturierungen nach dem Großen Brand von 1842 und dem starken Zuwachs an Einwohnern, die innerhalb des Stadtgebietes Arbeit und Unterkunft suchten, ergaben sich große infrastrukturelle Probleme. Die eigentümliche Struktur des Hamburger Stadtgebiets mit dem Zentrum im Süden unmittelbar an der Elbe und der Alster als natürlichem Hindernis in der eigentlichen Stadtmitte, führte dazu, dass Zehntausende in die neuen Wohngebiete am damaligen Stadtrand umsiedeln mussten. Zwar existierte schon damals eine Art „Öffentlicher Personennahverkehr“, doch die von Pferden, später von Dampfloks gezogenen Busse und Straßenbahnen reichten längst nicht mehr aus, um des Verkehrsproblems Herr zu werden. In dieser Situation entschloss sich der Hamburger Senat zum Bau einer elektrifizierten Schnellbahn – es sollte nach Berlin deutschlandweit die zweite ober- und unterirdisch geführte Stadtbahn werden. Größte Herausforderung war dabei der Tunnelbau, der mit Handschaufeln und kleinen Dampfbaggern vorangetrieben wurde. Unter dem Hauptbahnhof stießen die Arbeiter auf alte Gebeine und historische Befestigungsanlagen, hinter dem Rathaus drohte ein Wassereinbruch.
Das Leben vieler Menschen veränderte sich durch die neuen U-Bahnen rasch: Hafenarbeiter kamen nun mit dem Zug schneller zur Arbeit und hatten wesentlich mehr Freizeit – allerdings war die Hochbahn für damalige Zeiten ein teures Vergnügen. 15 Pfennige kostete eine Fahrt damals – egal, wie weit.
Über Barmbek, Kellinghusenstraße und Schlump führt die Ringlinie zurück zum Ausgangspunkt. In vier Etappen wurde die Strecke bis zum 29. Juni 1912 fertiggestellt. Schon Ende 1912 zählte man 100.000 Fahrgäste pro Tag, heute sind es etwa eine Million täglich im gesamten Hochbahn-Verkehrsbetrieb.
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