Immer schön synchron bleiben!

Immer schön synchron bleiben: Beim Bühnentanz kommt es auf den Gesamteindruck an. Fotos: cvs
 
Tanzen ist hartes Training: „Vergleichbar mit Vokabeln lernen“, sagt Trainerin Ani Bellgrau. „Je öfter man es macht, desto besser.“

In der Hiphop Academy Hamburg lernt man nicht nur tanzen.

Von Christopher von Savigny. Als Sophia fünf Jahre alt war, kletterte sie bei einer Party auf den Tisch und fing an zu tanzen. Ganz schön mutig. „Heute würde ich das nicht mehr machen“, lacht das Mädchen mit den stahlblauen Augen. Ihre Begeisterung fürs Tanzen ist jedoch geblieben: Zweimal pro Woche trifft sich die inzwischen Zwölfjährige mit einer Gruppe Gleichaltriger im Musikraum der Stadtteilschule (STS) Rahlstedt, um Choreografien einzuüben. Getanzt wird nach fetziger Hiphop-Mucke. Das Training ist kostenlos und wird von der Hiphop Academy Hamburg angeboten. Auch in Harburg, Wilhelmsburg und Neugraben finden Kurse statt.
Tanzen ist eine schweißtreibende Angelegenheit. „Ein Tänzer, der morgens beim Aufwachen keine Schmerzen hat, ist tot“, sagt Ani Bellgrau, Trainerin und ausgebildete Bühnentänzerin. Bei Anfängerinnen sieht man das natürlich nicht so verbissen. Obwohl die Kursleiterin heute keinen besonders zufriedenen Eindruck macht. „Stopp, nochmal auf Position eins“, ruft sie und zeigt mit den Armen, wie sich die Mädchen bewegen sollen. Schön synchron soll es aussehen. „Und bitte keine Grimassen ziehen“, fügt sie hinzu. Das gilt ganz besonders, wenn Fotos gemacht werden.
Eine bestimmte Fußdrehung der neuen „Choreo“ bereitet Schwierigkeiten. „Wir sehen aus wie verkrüppelte Enten“, ruft jemand. Und plötzlich haben sie den Bogen raus: „Hey, guck' mal. Ich kanns!“
Tanzen ist in: Selbsternannte Talentshows im Fernsehen zeigen Woche für Woche durchtrainierte Background-Tänzer, die sich mit beeindruckender Präzision bewegen. Und spätestens seit Shakiras Hüftschwung zum Vorbild für Millionen tanzwütiger Jugendlicher wurde, können sich Tanzschulen vor Anmeldungen kaum retten. Grundgedanke der vor vier Jahren gegründeten Hiphop Academy Hamburg ist die Talent- und Persönlichkeitsförderung: „Wir geben dem Hiphop eine Bühne“, sagt Pressesprecherin Yvonne Woltersdorf. Neben dem Hiphoptanz, der bei der Academy „Newstyle“ heißt, weil er Elemente von Ballett und Jazztanz integriert, werden Kurse für Breakdance, Graffiti, DJing, Rap, Beatbox und Producing angeboten. Zentraler Veranstaltungsort ist der Kulturpalast in Billstedt. Zurzeit nehmen 520 Jugendliche an insgesamt 63 Kursen teil. Die Altersspanne reicht von elf bis 25 Jahren. Rund 80 Prozent der Jugendlichen haben ausländische Wurzeln. Unterstützt wird die Hiphop Academy von der Kulturbehörde sowie von einigen Unternehmen und privaten Stiftungen.
Der Spaßfaktor spielt im Training eine wichtige Rolle – daneben geht es aber um weitaus mehr: „Wir bieten unseren Teilnehmern die Möglichkeit, sich weiterzuqualifizieren“, so Woltersdorf. „In Form eines vierstufigen Ausbildungsprogramms erhalten die Jugendlichen eine systematische Förderung, um sich kontinuierlich von Level 1 über Level 2 bis hin zur Masterclass entwickeln zu können.“ Das dauert etwa vier Jahre. Wer richtig gut ist, wird im Anschluss ins „Ensemble“ der Academy aufgenommen. Die derzeit 13 Mitglieder werden regelmäßig für Auftritte gebucht, zwei von ihnen haben bereits eine Trainerlizenz erworben.
In der Musikanlage der STS Rahlstedt läuft ein Mix aus den Lieblingsstücken der Kursteilnehmerinnen. Auch sonst dürfen sich die Mädchen einbringen und zum Beispiel eigene Tanzschritte kreieren. „Das entwickeln wir gemeinsam“, sagt Trainerin Bellgrau. Ein halbes Jahr hatte es gedauert, bis die erste – vier Minuten lange – Choreografie der Gruppe bühnenreif war. Aufgetreten sind sie damit beim „Hiphop Day“ der Academy, wo die Schüler regelmäßig zusammenkommen, um sich gegenseitig ihr eigenes Können zu präsentieren. „Wir waren ganz schön aufgeregt, aber es hat alles gut geklappt“, erzählt Mandy (13).
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