Im Einsatz gegen „Nachtarbeiter“

Ausweis? Sozialversicherungsnummer? Lohnzettel? Die Beamten prüfen genau nach. Fotos: cvs
 
Schwarzarbeit wird in Deutschland gerne als Kavaliersdelikt abgetan. Wer erwischt wird, muss allerdings mit hohen Geld- oder sogar Gefängnisstrafen rechnen. Foto: Karl-Heinz Laube / pixelio

Auf Streife mit den Beamten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit.

Von Christopher von Savigny. Der Handwerker mit dem grauen Sweater wirkt nervös. „Geschäft“, stammelt er nur, als er nach seinem Arbeitgeber gefragt wird. Dabei deutet er in eine unbestimmte Richtung. Soso, der Chef ist also gerade einkaufen gegangen. Die Beamten sind skeptisch, fragen nach den Papieren des Arbeiters. Immerhin – einen Ausweis kann der Mann vorzeigen. Aus Polen kommt er. Wo er denn wohne? „Ulica Hamburg?“, kramt ein Kontrolleur seine Polnischkenntnisse hervor. Endlich klappt die Verständigung. Kugelschreiber kritzeln über Papier. Arbeitsstunden, Lohnabrechnung, Sozialversicherungsnummer – es gibt nichts, was die Beamten nicht wissen wollen. Plötzlich hört man auf der Straße, nur wenige Meter entfernt, einen Transporter wegfahren. Die Uniformträger fluchen. „Den hätten wir uns gerne noch vorgeknöpft“, schimpfen sie.

Unterwegs mit den Beamten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) auf einer Baustelle in St. Georg: Das kleine Hotel in einer Nebenstraße – ein schmucker Altbau mit sechs Stockwerken – wird derzeit aufwendig saniert. Neue Wasser- und Stromleitungen werden gelegt, Wände gedämmt und gefliest, jedes Zimmer bekommt ein eigenes Bad. „Überall, wo gearbeitet wird, stecken wir unsere Nase rein“, erklärt Gruppenleiter Peter Reimann. Die Namen der Kontrolleure in diesem Artikel sind erfunden, auch ihre Gesichter dürfen nicht von vorne zu sehen sein. Sie wollen nicht erkannt werden in ihrem Job, der zuweilen recht ungemütlich sein kann – tätliche Angriffe nicht ausgeschlossen. Deshalb ist jeder Zollbeamte mit Pfefferspray und Handschellen ausgestattet. Am Gürtel trägt er eine „P30“ von Heckler & Koch – die übliche Dienstwaffe der Polizei. Vor zehn Jahren hat Reimann bei der FKS angefangen. „Toitoitoi“, sagt er und tätschelt sein Pistolenhalfter. „Seitdem hat noch niemand von uns schießen müssen!“

Schwarzarbeit – ein Begriff, der aus dem Rotwelschen stammt („etwas bei Nacht tun“) – gilt bei vielen in Deutschland als Kavaliersdelikt: Nach Schätzungen des Bundesfinanzmi-nisteriums wird jeder sechste bis siebte Euro am Fiskus vorbei erwirtschaftet. Hauptsächlich betroffen ist die Baubranche. Aber auch wer als Privatmann Handwerker, Babysitter oder Putzdienste beschäftigt, ohne das Finanzamt einzuweihen, handelt illegal. Wer erwischt wird, muss mit saftigen Geldbußen oder sogar Freiheitsstrafen rechnen: Bis zu 300.000 Euro werden im Fall einer Ordnungswidrigkeit fällig. Zudem drohen Geld- oder Gefängnisstrafen wegen Steuerhinterziehung.

Zurück nach St. Georg: Stock-werk für Stockwerk haben sich die Kontrolleure nach oben durchgearbeitet. Rund eine Stunde hat die Razzia gedauert. Zu beanstanden gibt es in diesem Fall nichts: 18 Personen habe man kontrolliert, die Mehrheit von ihnen aus Polen, einer aus Chile, eine weiterer aus dem Kosovo. „Keine Auffälligkeiten“, berichtet Olaf Schadewaldt, der ebenso wie sein Kollege Reimann groß und kräftig gebaut ist. Mindestens 36 Sporteinheiten pro Jahr müssen die FKSler ihrem Arbeitgeber, dem Hauptzollamt Hamburg-Stadt, nachweisen. Ihre Fitness kommt den Beamten etwa zugute, wenn sie mal einem Flüchtigen nachlaufen müssen. Apropos: Der vermeintliche Ausbüxer von vorhin ist inzwischen wieder da. Und siehe da: Auch bei ihm ist alles in bester Ordnung.

Täglich ist die Zoll-Fahndungsgruppe im Raum Hamburg unterwegs – oft auch in Zivil, etwa in Läden oder Gaststätten. Die Ausreden der ertappten Sünder sind vielfältig: Man bekäme kein Geld für die Arbeit oder helfe nur aus Gefälligkeit, heißt es dann zum Beispiel. Immer häufiger in letzter Zeit treffen die Zollbeamten auf Scheinselbständige, die weder renten- noch krankenversichert sind. Oft sind es Osteuropäer, die noch nicht einmal einen Mindestlohn beziehen. Fälle, in denen der Zoll hellhörig wird. „Viele vergessen, dass wir als Zollbeamte nicht nur kontrollieren, sondern auch etwas gegen Ausbeutung und Lohndumping tun“, sagt Zollamtssprecherin Bianka Gülck.
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