Im Advent allein sein

Kolumne: Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. Die Adventssonntage und danach Weihnachten allein zu verbringen, bedeutet keine größere Schwierigkeit. In bestimmter Hinsicht ist der Mensch, der allein ist, während die Anderen in ihren Familien feiern, dem Geist des ersten Weihnachten näher als sie.
Als der evangelische Pfarrer Dietrich Bonhoeffer in Nazihaft in Berlin auf das kommende Weihnacht, seine erstes als Gefangener, blickte, schrieb er an seine Eltern („Widerstand und Ergebung“, Seite 58): „Vom Christlichen her gesehen, kann ein Weih-nachten in der Gefängniszelle ja kein besonderes Problem sein. Wahrscheinlich wird in diesem Hause (er meint das Gefängnis) von Vielen ein echteres und sinnvolleres Weihnachten gefeiert werden als dort, wo man nur noch nur den Namen dieses Festes hat.“
Heute gibt es natürlich weit weniger Menschen, die einen tieferen Sinn mit Weihnachten verbinden. Aber warum soll es nicht berechtigt sein, eine (hoffentlich fröhliche) Familienfeier daraus zu machen und dabei zu versuchen, den Kindern etwas von dem alten Zauber zu vermitteln?
Erfreulich sind in diesem Jahr die zurückhaltenden aber aufwendigen Weihnachtsdekorationen im Phoenix-Center: ein Lob an den Menschen, der das ohne Kitsch hinbekommen hat. Keine lachenden Weihnachtsmänner mit rosigen Wangen oder Sonnenbrillen, kein Versuch in Richtung einer Krippe, der hier nur fehlgehen könnte, kein zermürbender „Stille Nacht“-Terror. Zwar läuft ein Musikkulisse im Hintergrund, aber leise und geschmackvoll. Es lohnt sich durch zu schlendern, auch wenn Sie keinen Kauf tätigen wollen.
Natürlich ist die Lüneburger Straße nicht so schön, nicht nur, weil weniger Geld zu Verfügung stand, sondern auch, weil ein einheitliches Konzept nicht zu verwirklichen war.
Aber es gibt Menschen genug, die Weihnachten alleine und traurig darüber sind, ja regelrecht darunter leiden. Hier bietet Harburg eine Reihe von Möglichkeiten, sich Gesellschaft zu suchen und zu finden. Wir erwähnen als Beispiel das Angebot des hervorragenden Offenen Treffs neben der Volksbank am Lüneburger Tor. Infos unterwww.insel-ev.de oder unter den Telefonnummern 46 00 27 81 oder 76 50 00 91.Alle Menschen sind willkommen. Die Atmosphäre ist völlig zwanglos. Der, der schweigend da sitzen möchte um die Stimmung zu genießen oder weil er doch traurig ist, kann dies genau so tun wie derjenige, der Gespräch und Austausch sucht.
Aber zurück zu dem, der sich mit dem Alleinsein abgefunden hat und weiß, dass einsam oder allein sein zwei Paar Schuhe sind.
Es gibt so vieles, was er tun kann, um in seiner Wohnung Advent und Weihnachten für sich zu erleben. Mit nur fünf Euro kann er ein kleines Adventsgesteck kaufen und sich an dem Kerzenlicht erfreuen. Hat er eine Verbindung zur klassischen Musik kann er im Advent die herrliche Bach Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 140) auflegen und zu Weihnachten selbst natürlich das Weihnachtsoratorium. Wem das nicht gefällt, der kann sich für wenig Geld eine Scheibe mit innigen, zu Herzen gehenden deutschen Weihnachtsliedern besorgen, die soviel gehaltvoller sind als unsere schwungvoller englischen und amerikanischen „Christmas Carols“. Man vergleiche „Ich steh an deiner Krippe hier“ mit „Hark the herald angels“!
Und er kann Päckchen packen und an seine Lieben verschicken, die weit weg wohnen, und somit seine Gedanken von dem Kummer des Alleinseinmüssens ablenken, der in seiner Seele noch geblieben ist.
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