I don’t understand a word

Kolumne: Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf ...

Vom Harburger Flaneur. Unter den vielen Charakterschwächen unseres Flaneurs ist nicht die geringste seine Übellaunigkeit.
Kommt ihm jemand blöd, entbrennt die Wut in seinem Herzen, und er spuckt Beleidigungen aus genau so wie der Abuse-Mitarbeiter in dem herrlichen Monty Python Sketch „Argument Clinic“ (nur ein Klick entfernt, auf You Tube, verehrter Leser, aber gehen Sie weit weg von Ihren Mitmenschen, wenn Sie’s anschauen, sonst stören Sie ihre Wochenendruhe mit Ihren Lachsalven). Wenn es nicht das Komischste ist, was Sie je gesehen haben, ist Ihnen nicht zu helfen – oh ja, es gibt doch ein Mittel, auch von Monty Python, auch auf You Tube, und es heißt – Sie wissen es schon „The Dead Parrot“.
Ich schweife ab. Die wunderschöne blonde Freundin schenkt mir finstere Blicke. Die Übellaunigkeit hält sie aus, sagt sie, aber dieses Abschweifen! „Gleich setze ich mich ans Laptop und guck in Paarship nach einem Neuen.“ Dieser Engländer ist nicht auszuhalten! Er ...
Wo war ich?
Genau, ich wollte Ihnen von einem gestrigen Vorfall erzählen, über den ich total stolz war. (Lieber Flaneur, Total ist eine Benzinmarke. Bekommen Sie Honorar dafür, dass Sie sie erwähnen? Entfernen Sie das Wort sofort aus Ihrem Wortschatz!)
Also nochmal. Über diesen Vorfall war ich extrem stolz, denn ich legte eine übermenschliche Selbstbeherrschung an den Tag und habe einen eselähnlichen, dicken, hässlichen, rotgesichtigen Pedant nicht angeschrien!!
(Entschuldigen Sie bitte, das regt mich immer noch so auf, ich muss ein Gläschen Sherry trinken – oder zwei. Jetzt geht’s mir besser.)
Das Problem ist, dass wir in unserem maroden Haus in der Heimfelderstraße die Wochenendausgabe Samstagsausgabe des Wochenblattes, wo die genialen Kolumnen des Flaneurs erscheinen, nie geliefert bekommen.
Deshalb musste ich die nötigen sieben Exemplare aus benachbarten Briefkästen stehlen, bis ich entdeckte, dass sowohl Bäcker Weiß wie auch Pflegen und Wohnen zahlreiche Exemplare vorhalten.
ABER – kurze Rede, langer Sinn (!) – diese sieben Exemplare enthalten sieben Mal Werbung. Die musste entfernt werden, und ist nicht die nächste blaue Tonne der richtige Ort dafür?
Nein, meinte der Esel, und fing mit unserem Flaneur übel zu schimpfen an. „Die ist
privat. Ich bezahle Müllgebühren ...“
Und ich? Bin ich explodiert? Keineswegs. Es genügte ein „I´m sorry, I come from England and I don´t understand a word you’re saying“ mehrmals wiederholt, und der Esel zog kopfschüttelnd und sehr frus-triert ab.
Manchmal zahlt es sich aus, ein Gastarbeiter zu sein.
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1 Kommentar
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Hans Koolmann aus Altona | 31.07.2014 | 17:04  
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