Hinter den Kulissen des Shopping-Centers

Das Phoenix-Center bei Nacht: Kaum einer ahnt, wie viele Menschen nach Ladenschluss dort noch arbeiten. Foto: sl
 
Die Mitarbeiter des Wachdienstes sind dafür zuständig, dass abends die Türen auch sicher verschlossen sind. Foto: sl

Saubermachen, umbauen oder dekorieren: Wenn die Kunden abends nach Hause gehen, beginnt die Arbeit in der Einkaufsmall erst richtig

Von Sabine Langner. Es ist 20 Uhr. Im Harburger Phoenix-Center ertönt eine Durchsage, dass das Center jetzt geschlossen wird. Während die Kunden langsam zu den Ausgängen schlendern, beginnt für viele Menschen im Phoenix-Center der Arbeitstag erst richtig.
In den Geschäften werden die Kassen abgerechnet, die Blumen hereingeholt, Pullover und T-Shirts wieder in Regale geräumt und alte Tageszeitungen gebündelt. Alle Bereiche, die Lebensmittel präsentieren, werden jetzt auf Hochglanz geputzt. Viele Ladeninhaber haben dafür Reinigungskräfte eingestellt, die die Böden schrubben, die Tische abwischen, die Glasscheiben wienern und die Lebensmittelreste entsorgen. Erst wenn hier alles für den nächsten Tag glänzt, ist – bis zu zwei Stunden nach Geschäftsschluss – tatsächlich Feierabend.
Die Haustechniker müssen ebenfalls regelmäßig noch mal ran, wenn die Kunden weg sind. Sind alle Lampen okay? Wenn nicht, reichen normale Leitern hier nicht aus. Ausladende Hubsteiger kommen zum Einsatz.
Die Brunnen im Center werden regelmäßig gesäubert und gewartet. Erst wenn diese Arbeiten auch alle erledigt sind, herrscht für ein paar Stunden Ruhe im Phoenix-Center. Dann laufen nur noch die Mitarbeiter vom Wachdienst regelmäßig durch das Center, um zu sehen, ob wirklich alles in Ordnung ist.

Drei Nächte für den Aufbau des Weihnachtsbaums

Aber das war in den vergangenen Wochen die Ausnahme. Derzeit wird das Shopping-Center im Untergeschoss um zwei Achsen erweitert. Dort, wo bisher im untersten Parkdeck Autos standen, wird es bis zum Frühling nächsten Jahres 40 neue Geschäfte geben. Dafür muss der Asphalt des Parkhauses herausgerissen werden, neue Böden kommen rein, Wände werden aufgebaut, Versorgungsleitungen für Strom, Wasser und Belüftung werden gelegt – alles Arbeiten, die nicht lautlos machbar sind.
Damit die Kunden und die Mitarbeiter des Phoenix-Centers durch den monatelang andauernden Baulärm nicht gestört werden, sind die Bauarbeiten in die Nacht verlegt worden. So ist nächtens auf der Baustelle fast ebenso viel Betrieb wie tagsüber im Center!
Kürzlich kamen neben den Bauarbeiten noch die Weih-nachtsvorbereitungen hinzu. Mehrere voll beladene Sattelschlepper waren nötig, die vielen Kilometer Lichterketten, die glänzenden Kugeln und vor allem den gigantischen Tannenbaum anzuliefern. Bis geprüft war, ob die Lampen ihren Aufenthalt im Außenlager heil überstanden hatten und tatsächlich auch alle leuchten, vergingen Wochen. Allein der Aufbau des Tannenbaums hatte im vergangenen Jahr drei komplette Nächte gedauert. Bis zu acht Mitarbeiter einer Messebaufirma kletterten dafür – gesichert mit Seilen und Helmen – am Baum herum, verschraubten die einzelnen Teile und hängten die Lampen hinein. In diesem Jahr dauerten die Arbeiten noch länger, weil der riesige Baum um eine ganze Etage höher ausgefallen ist.

Spezielle Maschinen für die Reinigung der Rolltreppen

Auch außerhalb des Weih-nachtsgeschäftes sind technische Innovationen nach Ladenschluss zu bestaunen: Zwei bis drei Mal im Jahr kommt eine Firma, die die Rolltreppen reinigt. Dazu wurden Maschinen entwickelt, die mit rotierenden Bürsten und einem
Reinigungsmittel die Zwischenräume in den einzelnen Stufen schrubben. „Wir brauchen für jede Treppe mindestens drei Durchgänge à rund 40 Minuten, bis die einzelnen Stufen tatsächlich wieder wie neu glänzen“, berichtet der Mitarbeiter. „Bei den vielen Rolltreppen hier im Center sind wir mit 14 Mitarbeitern zwei Nächte gut beschäftigt.“
Jeden Morgen gegen vier Uhr rücken die Reinigungskräfte an, die das Center außerhalb der einzelnen Geschäftsbereiche mit großen Maschinen putzen.
Wenig später wird es laut in der Anlieferzone. Die ersten Laster rollen an und liefern palettenweise Nachschub an Waren. Zwar kommen den ganzen Tag über Lieferungen an, aber die großen Paletten sind zu sperrig, um sie durch den laufenden Betrieb zu schieben. Das bedeutet für viele Mitarbeiter, schon Stunden vor der eigentlichen Öffnung des Centers mit der Arbeit zu beginnen.
Wenn der erste Kunde um acht Uhr morgens das Center betritt, um bei einem der vielen Bäcker zu frühstücken, sind die Kartons schon weggeräumt, die Auslagen appetitlich gestaltet und liegen die Tageszeitungen an Ort und Stelle aus.
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