Hinter den Kulissen der Messe

Aufbau vorbereiten, Stände überprüfen, Fluchtwege kontrollieren: Ralph Müther ist einer von acht Hallenmeistern der Messe Hamburg. Foto: Savigny
 
Neu in diesem Jahr: Sandra Coburger, Projektreferentin für die Reisemesse, bietet ihren Besuchern ein originalgetreues Kreuzfahrtdeck zum Chillen und Relaxen an.

Die Verkaufsschau unter dem Fernsehturm feiert ihren 650. Geburtstag.

Von Christopher von Savigny. Handwerker und Aussteller bauen Tresen zusammen, schneiden Teppichränder zurecht und kleben Plakate. Es herrscht geschäftiges Treiben in den elf Hallen der Hamburg Messe an der Karolinenstraße. Auf der „Caravaning-Bühne“ wienern Wohnmobilaussteller kräftig am Lack ihrer Fahrzeuge, damit alles blitzeblank ist, wenn die Besucher kommen. In einer Ecke hat sich ein Stand für Camping-Kochutensilien breit gemacht. „Des isch brutal“, sagt Steffen Rummel in breitem Schwäbisch. Seit drei Tagen sind er und sein Geschäftspartner Oliver Ladenberger aus Balingen in Baden-Württemberg am Werkeln. Eine Mammutaufgabe. Jetzt fehlt nur noch der Herd. „Fertig werden wir auf jeden Fall“, versichern sie. Müssen sie ja auch, möchte man hinzufügen.
Keine 48 Stunden später beginnt schließlich die Messe „Reisen Hamburg“: Etwa 900 Aussteller aus aller Welt haben sich angekündigt, die Veranstalter rechnen mit 75.000 Besuchern. Der Messestandort Hamburg boomt. „Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich unser Umsatz verdoppelt“, sagt Unternehmenssprecher Karsten Broock-mann. Eine Nachricht, die zur derzeitigen Feierstimmung passt: Die Hamburg Messe hat Geburtstag, ihren 650. feiert sie dieses Jahr. Man gedenkt der Verleihung des „Messeprivilegs“ durch Kaiser Karl IV. am 29. Januar 1365 (siehe nebenstehenden Kasten). Ein schönes Datum, dem man aber nicht allzuviel Bedeutung beimessen sollte. Denn richtig durchgesetzt hat sich die Messe erst im späteren 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Erst mit einer großen Landwirtschaftsschau, später mit Hamburgs allererstem Zoo auf dem heutigen Gelände von Planten un Blomen. Allerdings war die Konkurrenz durch Hagenbeck zu stark. Also wurden Zusatzveranstaltungen ins Programm aufgenommen – von denen sich einige nach und nach zu Zugpferden entwickelten: Die 1921 (damals noch unter anderem Namen) erstmals ausgerichtete Hotellerieschau „Internorga“ zählt noch heute zu den Glanzlichtern der Hamburger Messe. „Im Grunde kann man den Versuch, den Zoo zu retten, als Initialzündung für die moderne Messe betrachten“, sagt Broockmann.

Der „Wind-Streit“ mit Husum wurde beigelegt

Nach dem letzten Umbau im Jahr 2004 verfügt die Hamburg Messe aktuell über 87.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Die mit der Ausdehnung des Geländes in Richtung Schanzenviertel einhergehenden Veränderungen wurden nicht von jedem begrüßt. Gegen den Bau des Mövenpick-Hotels im ehemaligen Wasserturm gab es Widerstand aus dem Viertel. Die Vier-Sterne-Herberge liegt im alternativen Schanzenpark und wirbt mit dem direkten Zugang zum Messegelände um betuchte Geschäftsleute. Beigelegt wurde immerhin die als „Windstreit“ berühmt gewordene Auseinandersetzung mit Husum um den Standort der jährlich stattfindenden Windmesse. Der Kompromiss: In Husum findet an ungeraden Jahren eine Messe lokaler Anbieter statt, während die internationale „WindEnergy“ alle zwölf Monate in Hamburg steigt.

Mehr als eine Million Besucher pro Jahr

In den Hallen unter dem Fernsehturm sind 310 Mitarbeiter beschäftigt: Sie teilen sich Aufgaben wie Finanzplanung, Vermietung und Gästebetreuung. Sandra Coburger zum Beispiel ist als Projektreferentin für die Organisation und Konzeption der Reisemesse zuständig. Als Reisefachfrau hat sie ihr Ohr immer am Puls der Zeit. Auf dem originalgetreu gestalteten Kreuzfahrtdeck konntenBesucher im Liegestuhl am Pool sitzen und ihren Urlaubsträumen nachhängen. Ralph Müther ist als Hallenmeister dafür zuständig, dass alles ordnungsgemäß auf- und abgebaut wird. „Ich gucke zum Beispiel, ob die Anmessungen eingehalten wurden und ob alles ordentlich befestigt ist“, sagt er.
Pro Jahr zählen die Hamburg Messe und das dazugehörige Congress Center Hamburg (CCH) mehr als eine Million Besucher. Zu den wichtigsten Verkaufsausstellungen gehören neben der „Internorga“ die „Hanseboot“, die Schiffbaumesse „SMM“ und die im vergangenen Jahr gestartete „WindEnergy Hamburg“.

Die Geschichte der Hamburger Messe

Die Verleihung des Messeprivilegs durch Kaiser Karl IV. im Jahr 1365 gilt als die Geburtsstunde der Hamburger Messe. Durch den Erlass sollten die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und der damaligen Kaiserstadt Prag gestärkt werden. Jeweils drei Wochen um
Pfingsten herum konnten Händler und Handwerker hier Rohstoffe und Luxuswaren aus aller Welt wie Gewürze, Schmuck und Tuchware kaufen. Dank des Hafens florierte der Handel: Rund 2.000 Schiffe fuhren die Hansestadt jährlich an.
Nachdem der Messebetrieb im 17. und 18. Jahrhundert aufgrund rigoroser Zollbestimmungen beinahe zum Erliegen gekommen war, startete die Patriotische Gesellschaft im Jahr 1790 einen Neuanfang. Ihren Durchbruch erlebte die Messe allerdings erst mit einer internationalen Landwirtschaftsausstellung 1863 auf dem Heiligengeistfeld, die rund 200.000 Besucher zählte. Initiator war Ernst Freiherr von Merck, Namensgeber der späteren Messehalle, die Ende der 1980er-Jahre abgerissen wurde.Pro Jahr werden etwa 40 Messen abgehalten. CVS
www.hamburg-messe.de/
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