Hier wurden die Häuser verlost

1932 wurden die Siedlungshäuser in Bostelbek gebaut. Foto: pr

Ein Blick in die Chronik der Siedlergemeinschaft

Siegmund Borstel, Harburg
In einer Chronik hat die Siedlergemeinschaft Am Radeland ihre Vergangenheit festgehalten. Das Wochenblatt veröffentlicht einen Auszug.Gegründet wurde die Siedlungsgemeinschaft Am Radeland in Bostelbek in den Jahren 1929 bis 1932. Eine weltweite Wirtschaftskrise erschütterte die Weimarer Republik. Per Notverordnung wurden 1931 die Voraussetzungen für vorstädtische Kleinsiedlungen geschaffen. Durch Selbsthilfe am Bau sollten Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen in die Lage versetzt werden, sich ein eigenes Heim zu bauen und Eigentum an Grund und Boden zu erwerben. Der damalige Oberbürgermeister Walter Dudek und der damalige Bauamtsleiter boten erwerbslosen Bauarbeitern in einem Rundschreiben die Beteiligung am Bau eines Einfamilienhauses mit Garten an.
Die Stadt stellte das Bauland zur Verfügung und bezahlte das Baumaterial, das durch die Erwerber der Heimstätte langfristig durch eine Hypothek zu tilgen war. Durch die Bearbeitung des Gartens konnte jeder Siedler seine wirtschaftliche Lage wesentlich verbessern und war dadurch vor der größten Not geschützt.
Als Baubeginn der Siedlung kann der 24. März 1932 gelten. An diesem Tage versammelten sich 200 erwerbslose Bürger – zumeist Handwerker - mit ihren Ehefrauen zu einer ersten Baubesprechung. Nach Abschluss der Verträge konnte jetzt unter der Leitung des Stadtbauamtes zügig mit dem Siedlungsbau begonnen werden.
Bostelbek lag damals ganz am Stadtrand Harburgs, zwischen der Haake und den Moorburger Wiesen. Einen Bahnhof „Tempowerk“ gab es noch nicht, die Straßenbahn fuhr nur bis zur Moorburger Straße. Kaum jemand war in der Lage, ein Fahrgeld von seiner Wohlfahrtsunterstützung zu zahlen. So blieb den meisten Siedlern nur der Fußmarsch, wenn nicht der eine oder der andere glücklicher Besitzer eines Fahrrades war.
Zunächst musste das Gelände für die entstehenden 250 Wohnstellen vorbereitet werden: Bäume wurden gefällt und Schlackenwege als Zufahrtsstraßen gebaut. Die Schlacke, ein Abfallprodukt, stellte den Siedlern die angrenzende Eisengießerei Niemeyer zur Verfügung. Selbst nach 50 Jahren stoßen Siedler bei der Gartenarbeit noch auf die Reste der Schlacke.
Jeder baute an jedem Haus nach seinen Fähigkeiten mit. Um die Motivation für den Arbeitseinsatz zu erhöhen, wurden die Häuser nach Fertigstellung per Los unter den Handwerkern vergeben. Bereits im Sommer 1932 prangte auf den ersten Häusern der Richtkranz. Im Frühjahr 1933 wohnte auch die letzte Familie in ihrem eigenen Haus. Es waren anfangs einfache Häuser, ohne Bad und WC, aber in solider Handwerksarbeit erstellt. Obstbäume und Kleintiere gehörten zur Erstausstattung dazu. Die Siedlerstelle wurde mit einem Reichsdarlehen von 2.462,75 Reichsmark zur Tilgung der Baukosten belastet.
Das Gelände am Ellernweg wurde für Kleingärten parzelliert. Jeder Siedler musste mindestens 400 qm Land hinzupachten, damit er ausreichend Kartoffeln, Kohl und Gemüse anbauen konnte, um sich und seine Kleintiere zu ernähren. Am 20. September 1932 wurde als Vorläufer der Siedlergemeinschaft der Gartenbauverein „Zum Fürstenmoor e.V.“ gegründet. Am 6. Dezember 1932 wurde die Siedlergemeinschaft „Am Radeland e.V.“ ins Vereinsregister eingetragen.
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