Hier gibt’s Hilfe für die ganze Familie

Irgendwann in den 1970er-Jahren: Beim Babykurs am Petersweg. Foto: fabi
 
Daria Wolf, Leiterin der Evangelischen Familienbildung Harburg

Evangelische Familienbildung Harburg feiert 50-jähriges Bestehen

Olaf Zimmermann, Harburg

Die Evangelische Familienbildung Harburg hilft Familien bei der Bewältigung des Alltags – seit 50 Jahren. Am Freitag, 23. Juni, wird das Jubiläum in der St. Johannis-Kirche gefeiert.
In den 1920er Jahren wurden deutschlandweit viele Mütterschulen gegründet, um Frauen Kenntnisse über Schwangerschaft, Geburt und Säuglingspflege zu vermitteln. 1959 entstand die erste Mütterschule Hamburgs in Eppendorf am Loogeplatz. Die Harburger Mütterschule nahm 1967 in Heimfeld, Petersweg 1a, ihren Betrieb auf.
In den 70er Jahren veränderte sich die Einstellung zur Arbeitsteilung in Familien. Nicht mehr nur die Mütter waren verantwortlich für Kinder, sondern auch die Väter wurden einbezogen. Die Mütterschulen wurden daher 1974 bundesweit in „Evangelische Familienbildungsstätten“ umbenannt. Seitdem bieten sie Lebenshilfe für alle Familienanghörige: Väter, Mütter, Großeltern, Kinder und alle Interessierte.
In der Heimfelder Familienbildungsstätte wurden die Räume bald zu klein. 1982 folgte ein Umzug in das neu errichtete Haus der Kirche in der Höler-twiete 5. Dort stehen 750 Quadratmeter auf zwei Etagen zur Verfügung, inklusive einer großen Lehrküche und einer kleinen Sporthalle im Untergeschoss.
Seit 2009 arbeiten alle Evangelischen Familienbildungsstätten in einem Verbund zusammen. Es gibt eine gemeinsame Homepage www.fbs-hamburg.de, ein einheitliches Design, gemeinsame Strukturen – und eine erneute Umbenennung in Evangelische Familienbildung (ohne –stätte). So soll verdeutlicht werden, dass die Veranstaltungen und Kurse auch in Kindergärten und Kirchengemeinden stattfinden.

„Die „FBS mobil“ erspart den Eltern lange Wege, weil sie dort ist, wo die Familien wohnen“, sagt Daria Wolf, die Leiterin der Familienbildung Harburg.
Richten sich die Angebote der Evangelische Familienbildung nur an Menschen mit christlichem Hintergrund? Daria Wolf: „Nein. Die Evangelische Familienbildung ist offen für Frauen, Männer und Kinder unabhängig von ihrer kulturellen, religiösen oder sozialen Herkunft.“
Verantwortlich für die Evangelische Familienbildung Harburg ist der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Hamburg-Ost. Er steuert rund 44 Prozent der benötigten Mittel bei, 14 Prozent trägt die Stadt Hamburg.
42 Prozent erwirtschaftet die Familienbildung selbst durch Teilnehmergebühren und Spenden.

Drei Fragen an Daria Wolf, Leiterin der Evangelischen
Familienbildung Harburg

Wie hat sich das Angebot der Familienbildung Harburg in den Jahren entwickelt?
In den Anfangsjahren gab es nur Kurse für Mütter. Ab Mitte der 1970er Jahre auch für Väter und Kinder. Heute werden Veranstaltungen für verschiedene Lebenssituationen (Familien mit Babys, mit Kindern, mit Jugendlichen…) angeboten. Früher wurde von Müttern und Vätern gesprochen, heute wollen wir die vielfältigen Familienformen in den Blick nehmen und sprechen von Familien oder Eltern (unabhängig vom Familienstand, sexueller Ausrichtung oder der Anzahl der Erwachsenen).

Wo liegt heute der Schwerpunkt? Seit 2014 werden kostenfreie Kita-Plätze für Kinder ab einem Jahr angeboten. Viele Eltern nutzen diese Möglichkeit und kommen vorher mit den kleinen Babys zu uns. Die Evangelische Familienbildung hat speziell für die Altersgruppe bis ein Jahr DELFI®-Kurse entwickelt. Eltern kommen schon zu uns, wenn das Baby sechs Wochen alt ist, tauschen sich aus, geben sich Tipps und verbringen eine intensive Zeit mit dem Baby. Die Gruppe bleibt zusammen, bis die Babys zwölf Monate alt sind.
Pro Woche haben wir 15 dieser Gruppen bei uns. Je acht Familien – also 120 Babys! Es ist gut, dass wir die Familien in dieser aufregenden Zeit unterstützen können, sie aus der Isolation zu Hause rausholen und die Eltern hier den Umgang mit ihrem Kind erlernen.
Außerdem möchten wir, dass auch Menschen mit Handicap zu uns kommen können. Daher arbeiten wir eng mit dem Treffpunkt Hölertwiete zusammen. Teilnehmergebühren können ermäßigt werden.

Was hat die Familienbildung Harburg noch vor?
Zeit für die Familie hat für die allermeisten Menschen Priorität. Doch leider müssen sich Familien immer noch beruflichen Zwängen unterwerfen. Wir setzen uns ein für eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten für Väter und Mütter und eine gesellschaftliche Aufwertung von Familienarbeit. Um noch mehr Veranstaltungen für Familien am Wochenende anzubieten, suchen wir Kursleiter, die zum Beispiel samstags mit Familien in den Wald gehen.
Außerdem ist uns die Integration der geflüchteten Familien ein dringendes Anliegen. Seit 2016 bieten wir Familienaktionen und Sport in mehreren Erstaufnahmen an. Seit diesem Jahr kommen außerdem Geflüchtete zum Kochen und Essen zu uns. Hier können sie ihre Rezepte weitergeben und gemeinsam mit Familien aus Harburg kochen und sich kennenlernen.

Entwicklung
1970: eine Leiterin, eine Verwaltungskraft, 19 Kursleitungen und 180 Kurse im Jahr.

1977: eine Leiterin, zwei
Verwaltungskräfte, 48 Kursleiterinnen und 300 Kurse im Jahr.

1983 (nach dem Umzug): eine Leiterin, eine pädagogische Mitarbeiterin (Hebamme) – beide in Vollzeit, zwei Verwaltungskräfte, 55 Kursleitungen und 430 Kurse im Jahr.

2017 sind es eine Leiterin, eine Ökotrophologin, zwei Verwaltungskräfte (alle in Teilzeit, insgesamt zwei Vollzeitstellen), 90 Kursleitungen und 500 Kurse und Veranstaltungen im Jahr für 5.500 Teilnehmer.

Evangelische Familienbildung Harburg
Hölertwiete 5
21073 Hamburg
Tel. 519 000 961
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