Heiße Eisen auf zarter Haut

Mit dem Heiße-Eisen-Katalog aus Metall: Uwe Schemeitat, der die Dessous selber schmiedet. Fotos: sd/pr

Aus einem kleinen Dorf in der Elbmarsch kommen ganz spezielle Dessous. Die Wochenblatt Reportage

Von Sabine Deh, Drage. Es ist 16 Uhr und Uwe Schemeitat ist gerade erst aufgestanden. Bis in die frühen Morgenstunden hat er Fotos für einen Kalender gemacht. Die Damen trugen heiße Dessous aus reinstem Edelstahl, die Schemeitat selber herstellt.
Seine Werkstatt liegt mitten in der Elbmarsch, wo Schafe auf den Deichen grasen. „Ich biete alles was das Herz begehrt“, sagt Schemeitat, der von allen „Schemie“ genannt wird. Der schlaksige 50-jährige Diplom-Ingenieur mit Schlosser-Ausbildung hat auch silberne Suspensorien für Herren mit einem ausgefallen Geschmack im Angebot sowie Bein- und Armstulpen, Kettenhemden, Ritterrüstungen und Deko-Schwerter.
Die Dessous entstehen in Handarbeit und haben daher ihren Preis. Ein BH ist nicht unter 250 Euro zu haben. Eine Korsage gibt es nicht unter 700 Euro. Sind diese Dessous überhaupt tragbar? „Auf jeden Fall“, versichert Schemies Frau Anja und deutet auf die abgerundeten Kanten der Metall-Unterwäsche. Da würde nichts zwicken oder kratzen, außerdem sähen diese Klamotten angezogen ganz schön sexy aus. Und wie pflegt man diese Wäsche? „Mit Stahlfix“, verrät der Experte.
Bis Ende der 1980er Jahre hatte Uwe Schemeitat ein Konstruktionsbüro. Dort fertigte er technische Zeichnungen für Firmen aus ganz Deutschland an. Mit der Wende verlor er immer mehr Kunden an billigere Zulieferer aus dem Osten. Als seine Firma kurz vor der Pleite stand, hatte er ausgerechnet an einem Heiligabend die rettende Idee. Beim Zappen blieb er in einem Police-Academy-Film hängen, in dem sich zwei Polizeianwärterinnen für ein Umweltfest ein Kostüm aus Bierdosen bastelten.
Noch in dieser Nacht hat er „den ersten BH aus Metall für meine Frau gedengelt“. Die hielt ihren Gatten beim Anblick dieser Weihnachtsüberraschung zunächst für verrückt. Aber er hatte den richtigen Riecher: In den folgenden Jahren erwiesen sich die Edelstahl-Dessous als Verkaufsschlager.
Der Schmied brachte seine Spezial-Unterwäsche auf Sex-Messen, Harley-Days, Rockfes-tivals und über das Internet an den Mann bzw. an die Frau.
Darüber hinaus war „Schemie“ ein gefragter Gast in Talk-Shows, Verona Feldbusch zeigte in „Peep“ einen Film über seine Arbeit, genau wie Lilo Wanders in ihrer Sendung „Wahre Liebe“. Der Laden brummte. Über seine Website www.heisse-eisen.de trudelten Bestellungen aus der ganzen Welt in Drage ein. Aufgrund seiner Medienpräsenz wussten in der Zwischenzeit auch die Nachbarn was „Schemie“ in seiner Werkstatt so trieb. Er rechnete mit dem Schlimmsten. Aber statt mit dem Finger auf ihn zu zeigen, wurde er auf der Straße fortan besonders freundlich gegrüßt.
Seit einigen Jahren allerdings stagniert das Geschäft mit den heißen Eisen. „Die Amerikaner wollen seit dem 11. September 2001 nur noch Keuschheitsgürtel kaufen“, klagt Schemeitat. Diesen Wunsch kann er ihnen nicht erfüllen, denn diese Stü-cke müssten der Trägerin direkt auf den Leib geschneidert werden, sonst würden sie nicht richtig sitzen.
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