Haus 16 in Harburg: So helfen die Seelenärzte

Der Harburger Flaneur über den Umgang mit „psychisch Kranken“.

Psychisch krank“, das hat immer noch einen bösen Klang. Dabei werden immer mehr Menschen „psychisch krank“. Immer mehr von uns kommen in Berührung mit diesen unheimlichen Krankheiten, sei es, dass wir selber eine solche Krankheit bekommen – Depression, Angststörung, Psychose –, sei es, dass wir einen Freund oder einen Verwandten haben, der psychisch erkrankt.
Machen wir uns klar: Wäre das vor 80 Jahren passiert, hätte man uns in eine Anstalt gesteckt. Möglicherweise wären wir am Bett „fixiert“ worden. Wären wir vor 60 Jahren so erkrankt, erwartete uns höchstwahrscheinlich der Genickschuss.
Die Zeiten sind humaner geworden. Und in Harburg wird viel getan, um solchen Kranken zu helfen. Nehmen wir zum Beispiel die psychiatrische Ambulanz in der Asklepios Klinik. Hier bekommen der Kranke und seine Angehörigen unkompliziert Rat und kompetente Hilfe. Es steht eine Batterie von Medikamenten zur Verfügung. Gewiss können Psychopharmaka missbraucht werden. Aber richtig angewendet sind sie eine starke Waffe bei der Behandlung vieler Leiden, die bis vor kurzem unbehandelbar, ja in Grunde genommen unheilbar waren – starke Psychosen etwa, oder die manische Depression.
Kann sich der Kranke nicht länger in seiner familiären Umgebung halten, so kann er im Haus 16 des Krankenhauses stationär aufgenommen werden. Die psychiatrischen Stationen haben nichts mehr mit den alten Anstalten gemeinsam. Helle, freundliche, saubere Krankenzimmer, geschultes Personal, viele therapeutische Angebote, es hat sich eine Menge zum Besseren gewendet.
Vielleicht bekommt der Kranke den Chef zu Gesicht, kein Oberaufseher, sondern ein Chefarzt, der, immer braun gebrannt (gehört ihm etwa eine Insel in der Karibik?), wie ein gutmütiger Onkel wirkt – und dabei ein renommierter Psychiater ist.
Sein „Second-in-Command“ ist ein kluger Kopf, der ein Buch verfasst hat, das sich folgenden Titels rühmt: „Die Logik des Verrücktseins“! Ebenfalls, wie sein Chef, ein erfahrener Seelenarzt, der über ein großes Wissen um die Wirkungsweisen der unzähligen Psychopharmaka verfügt.
Damit ist der Umfang der Versorgung nicht erschöpft. Wenn sich der Zustand des Patienten so weit bessert, dass er entlassen werden kann, braucht er oft weitere Unterstützung. Dann kommen die Betreuungseinrichtungen zum Zug (die Hansebetreuung in der Wattenbergstraße, zum Beispiel). Ein Sozialpädagoge besucht den Genesenden regelmäßig in seiner häuslichen Umgebung. Sie sprechen ein- oder zweimal in der Woche miteinander. Er oder sie hilft bei alltäglichen Dingen wie Kochen, Freizeitgestaltung und dabei, soziale Kontakte wiederzubeleben oder neu zu knüpfen. Außerdem gibt es Hilfe bei Behördengängen und im Umgang mit der Krankenkasse. Lebenspraktische Unterstützung also.
Man kann die Menschlichkeit einer Gesellschaft unter anderem daran messen, wie sie mit ihren psychisch Erkrankten umgeht. Gewiss ist bei uns südlich der Elbe der Idealzustand noch nicht erreicht. Aber wir sind auf dem richtigen Weg.

Kolumne: Regelmäßig schreibt der Harburger Flaneur im Elbe Wochenblatt am Wochenende. Unserem Spaziergänger fällt einiges auf: In dieser Woche berichtet er über den Umgang mit psychisch Kranken
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Andreas Steffes aus Harburg | 22.06.2014 | 11:58  
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