„Harburg braucht eine Schwimmhalle“

Obwohl das Wetter nicht mitspielte, wurden in der Harburger City eifrig Unterschriften für das Bürgerbegehren „Yes, We Swim“ gesammelt. Foto: kreller

Bürgerbegehren „Yes, We Swim“ gestartet – 3.486 Unterschriften werden gebraucht

Olaf Zimmermann, Harburg
In Harburg ist ein neues Bürgerbegehen gestartet. Die Initiative „Yes, We Swim“ möchte es für Kinder im Harburger Kerngebiet leichter machen, Schwimmen zu lernen und fordert deshalb den Bau einer Schwimmhalle.
„Als gebürtige Harburgerin, die in der damaligen Harburger Schwimmhalle am Harburger Rathaus noch für wenig Geld zum Schwimmen gehen konnte, möchte ich mich dafür einsetzen, dass Harburg wieder eine mindestens vergleichbare Schwimmhalle erhält – besser noch eine Schwimmhalle, in der sämtliche Abzeichen gemacht werden können“, erläutert Juliane Eisele, Lehrerin an der Katholischen Schule Harburg und Initiatorin des Bürgerbegehrens.
Hintergrund: Immer weniger Kinder im Vorschul- und Grundschulalter können richtig schwimmen. Juliane Eisele: „Das liegt an dem mangelnden Angebot an geeigneten Schwimmhallen und ist ein nicht haltbarer Zustand.“ Außerdem seien Schwimmkurse für Nichtschwimmer in Harburg und Umgebung „über Jahre ausgebucht.“
Das Freizeit- und Erholungsbad MidSommerland ist nach Einschätzung der Initiative zum Schwimmenlernen ungeeignet. Es fehlen unter anderem eine 25-Meter-Bahn und ein Sprungturm. „Umliegende Bäder sind schwerer erreichbar, überlastet oder nicht ausreichend ausgestattet“, so Juliane Eisele. „Allein der Anfahrtsweg für Harburger Schüler von der Schulklasse bis zur Tür einer Schwimmhalle im Umland würde mehr als 30 Minuten dauern. Deshalb wäre eine in Harburg befindliche Schwimmhalle allein auch schon vom Stundenplan-Zeit-Management lohnenswert und sinnvoll.“

Bäderland Hamburg betreibt in ganz Hamburg Freizeit- und Erlebnisbäder, Schwimmhallen und Freibäder, im Bezirk Harburg das MidSommerland am Außenmühlenteich. Im Elbe Wochenblatt-Interview nimmt ein Bäderland-Sprecher zum Thema „Schwimmen in Harburg“ Stellung.

Können Kinder im MidSommerland Schwimmen lernen? Selbstverständlich können Kinder das! Nach dem Modell der Pinguin-Schwimmschule wird Kindern fachkundig das Schwimmen beigebracht. Die Kinder lernen nach diesem Konzept sowohl im Rahmen des Schulschwimmens als auch über individuell belegbare Schwimmkurse im MidSommerland sicher schwimmen.

Gibt es entsprechende Angebote? Das MidSommerland bietet über den Individualschwimmunterricht im Jahr rund 130 Schwimmkurse an. 2016 waren es 129 Lernkurse, in denen 884 Kindern im Midsommerland erfolgreich sicher schwimmen gelernt haben.
Das von der Bäderland durchgeführte Schulschwimmangebot im MidSommerland umfasst pro Schuljahr über 400 Schulschwimmeinheiten. Im Schuljahr 2016/2017 waren es 432. Daran haben 1.260 Schulkinder erfolgreich teilgenommen. Aktuell schwimmen wöchentlich rund 630 Dritt- und Viertklässler im Rahmen des Schulschwimmens und rund 120 Kinder im Alter von vier und acht Jahren in Kursen der Pinguin-Schwimmschule im Midsommerland.

Sind diese Angebote „über Jahre“ ausgebucht? Es besteht für die Eltern jederzeit die Möglichkeit, ihre Kinder für die Individualkurse ohne Wartezeiten anzumelden. Die Schwimmkurse im MidSommerland sind nicht, wie von den Initiatoren des Bürgerbegehrens behauptet, „über Jahre" ausgebucht. Auch der Schwimmunterricht über die Belegungsplanung im Schulschwimmen ist für Kinder in diesem Einzugsgebiet auskömmlich und umfassend sichergestellt. Schwimmen lernen im MidSommerland ist also gut, ausreichend und qualifiziert möglich

Wo können Harburger Kinder sonst noch in der Nähe schwimmen lernen? Im Hallenbad Süderelbe und in der Schwimmhalle Inselpark in Wilhelmsburg. Insbesondere die Schwimmhalle Inselpark dient zusätzlich auch der Versorgung des Süderelbe-Raumes, hat Kapazitäten frei und ist verkehrlich gut zu erreichen.
In beiden Bädern stehen ebenfalls jederzeit kurzfristig Plätze in den von Bäderland angebotenen Anfängerschwimmkursen zur Verfügung. Das Schwimmkursangebot in diesen Bädern wird
zusätzlich durch Vereinsangebote angereichert und die Versorgung damit noch umfangreicher. Von „über Jahre" ausgebuchten Kursen kann damit auch in Harburg und Umgebung nicht die Rede sein.

Wie steht Bäderland zur Forderung der Initiative, im Harburger Kerngebiet eine zusätzliche Schwimmhalle (neben dem MidSommerland) zu errichten? Es gibt keinen Bedarf für eine zusätzliche Schwimmhalle in Harburg. Weder beim Schul- noch beim Vereinsschwimmen gibt es Kapazitätsengpässe.
Vollkommen losgelöst von der Bedarfsfrage sprechen die baulichen Gegebenheiten im MidSommerland gegen eine Erweiterungsoption um 25-Meter Schwimmflächen.
Über das gesamte Badgelände verlaufen große öffentliche Abwasserleitungen, die nicht ohne erheblichen Aufwand einfach verlegt werden könnten. Sie haben schon die damaligen Planungen des Neubaus des MidSommerlandes mit beeinflusst.

Verfahren
Das Bürgerbegehren „Yes, we Swim“ wurde der Harburger Verwaltung am 2. Oktober angezeigt. Es ist erfolgreich, wenn binnen sechs Monaten 3.486 Unterstützungsunterschriften gesammelt werden, das entspricht drei Prozent der zur Bezirksversammlung Harburg Wahlberechtigten. Wählen dürfen Deutsche und EU-Bürger, die mindestens 16 Jahre alt sind und ihren Hauptwohnsitz im Bezirk Harburg haben.Ist das Bürgerbegehren erfolgreich, muss die Bezirksversammlung (BV) darüber abstimmen. Falls die BV es ablehnt, können die Initiatoren ein Bürgerbegehren, eine Art Volksabstimmung im Bezirk, auf den Weg bringen. Ein erfolgreiches Bürgerbegehren entspricht einem
Beschluss der Bezirksversammlung. Selbst dadurch wäre der Bau einer Schwimmhalle noch keineswegs garantiert. Eine durch Bürgerentscheid zustande gekommene Entscheidung darf innerhalb von zwei Jahren nicht im
Wege von Bürgerbegehren und Bürgerentscheid geändert werden.
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