Hamburger Kriminalfälle: Stichwort „Ann Kathrin"

200 Beamte ermittelten: So berichtete „Der Spiegel“ 1996 über den Entführungsfall.

Beispiellose Entführung: Wie Jan Philipp Reemstma verschleppt wurde

Waldemar Düse, Hamburg. Die riesige Villa in der Blankeneser Straße Krumdal ist eigentlich als Ort gedacht, sich in Gedanken und Projekte zu vertiefen. Ein Rückzugsort, kaum 100 Meter entfernt von der Villa, in der seine Frau, die Psychoanalytikerin Ann Kathrin Scheerer, wohnt. Hierhin zieht sich Jan Phlipp Reemtsma zurück, wenn er arbeitet. Auch an diesem 25. März 1996.
Kurz vor Mitternacht findet die Idylle ein jähes Ende. Der am 26. November 1962 in Bonn geborene Philologe und Sozialforscher, Multimillionär und Mäzen wird im Garten seiner Villa niedergeschlagen und verschleppt.
Als Scheerer ihren Mann telefonisch nicht erreichen kann und hinübergeht, findet sich im Garten ein in einer
Plastikhülle steckender, mit Schreibmaschine beschriebener Zettel, auf dem eine funktionsfähige Handgranate liegt. „Wir haben Herrn Reemtsma entführt“, ist dort zu lesen und: „Das Einschalten von Polizei und Presse bedeutet den Tod von Herrn Reemtsma.“ 20 Millionen Mark werden zunächst als Lösegeld gefordert. Eine bis heute in der deutschen Kriminalgeschichte beispiellose Entführung hat begonnen.
Scheerer wendet sich zunächst an einen Vertrauten, der in Frankfurt wiederum einen Vertrauten bei der Kripo einweiht. Es dauert nicht lange und Beamte des Hamburger Landeskriminalamts klopfen an. Unter strenger Geheimhaltung wird eine 200 Beamte umfassende Ermittlungsgruppe gebildet. Ein wochenlanges Katz-und-Maus-Spiel mit den Entführern beginnt.
Fünf Tage nach der Entführung der erste Brief mit einem Lebenszeichen Reemtsmas. Dann regelmäßiger Kontakt, auch telefonisch. Nachrichten auch über Kleinanzeigen in der „Morgenpost“, die unter dem Stichwort „Ann Kathrin“ veröffentlicht werden.
Als am frühen Morgen des 3. April an der A7 Richtung Hannover ein erster Versuch scheitert, das Lösegeld zu übergeben, weiß die Polizei immer noch nicht, mit wem sie es zu tun hat. Die Täter scheinen mittlerweile zu ahnen, dass die Polizei mitmischt. Erst am 13. April wird der Anwalt der Familie erneut zu einer Geldübergabe befohlen – diesmal nach Luxemburg.

Die Krimiserie:
In loser Folge stellt das Wochenblatt zum Wochenende ab sofort die spannendsten Kriminalfälle aus Hamburg vor. In der heutigen Ausgabe geht es um die Reemtsma-Entführung von 1996.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.