Großes Kino aus dem Gelenkbus

„Die Leute haben Angst, dass Wilhelmsburg bald nur noch für die Reichen ist“: Joseph „Kofi“ Bowers Ohene-Mantey hört am Steuer der Linie 13 genau hin. Fotos und Grafik: Hirn und Wanst GmbH

Der Dokumentarfilm „Die Wilde 13“ wird in Wilhelmsburg gefeiert – am morgigen Sonntag ist er im NDR-Fernsehen zu sehen.

Peter Falke kann gar nicht anders. Er holt einige Freunde auf die Bühne der Rialto Lichtspiele, damit auch sie einen langen Applaus bekommen. Sie alle sind im Dokumentarfilm „Die Wilde 13“ zu sehen, der am Montag im ausverkauften Saal des Rialto seine Wilhelmsburg-Premiere feierte. Als Falke Fragen zum Film beantwortet, hat er denselben trockenen Schnack, wie auf den Schiffstouren, die er seit Jahren organisiert. Vor Falkes Haus in Kirchdorf liegt eine Bushaltestelle der Linie 13, die Wilhelmsburg von Nord nach Süd durchquert, und die dem Film den Namen gegeben hat.
Am morgigen Sonntag läuft „Die Wilde 13“ im NDR-Fernsehen. Vormittags, genauer um 11.30 Uhr, wobei rätselhaft bleibt, warum die Programmplaner keinen besseren Sendeplatz gefunden haben. Der Film von Kerstin Schaefer und Paul Spengemann hätte es verdient. Ihnen gelingt ein einfühlsames Porträt des Stadtteils, wie man es lange nicht gesehen hat. Drei Monate haben die Filmemacher dafür im Bus verbracht. Am ersten Drehtag „brauchten wir Tabletten gegen Reisekrankheit, später wurde es besser“, sagt Produzent Marco Antonio Reyes Loredo.
Den Hut, genauer die HVV-Dienstmütze, im Gelenkbus hat Joseph „Kofi“ Bowers Ohene-Mantey auf. „Ich war der erste schwarze Busfahrer auf der Linie 13“, sagt er. Im Film sieht man, wie der smarte Kofi nachts Liegestütze im Fahrgastraum macht, bevor er seine nächste Tour fährt.
Ein regelmäßiger Fahrgast ist Baris Kilic, der bei seinem allein erziehenden Vater im Korallusviertel lebt. Das Filmteam durfte die Kilics beim Beten filmen. In einem Raum, der in Ermangelung einer Moschee im Erdgeschoss eines Hochhauses liegt. Weil nicht genug Platz für die Gläubigen ist, breiten einige ihre Gebetsteppiche vor dem Haus aus.
Die Kreativen, die in Wilhelmsburg Freiräume gefunden haben, werden im Film durch Mathias Lintl (Soulkitchen Halle) und Julie Nagel (Fotografin) repräsentiert. Momentan versucht Lintl die Soulkitchen Halle mit einer Unterschriftenaktion vor dem Abriss zu retten. In einer Filmszene macht er eine Versteigerung, damit Geld für das Veranstaltungszentrum zusammenkommt.
„Die Wilde 13“ zeigt einen Stadtteil im Umbruch, der sich seit den Dreharbeiten im letzten Jahr, noch einmal stark verändert hat. Möglicherweise kommt der Film demnächst in einer Bühnenversion ins Thalia Theater, sagt Reyes Loredo. Und der NDR könne sich eine Fortsetzung vorstellen, in der Kofi seinen Gelenkbus nach überstandener Bauausstellung über die Elbinsel fährt.

Fernsehtipp: „Die Wilde 13“ im NDR-Fernsehen am morgigen Sonntag, 13. Oktober, um 11.30 Uhr (Wiederholung am Donnerstag, 17. Oktober, um 0 Uhr.)
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