Grand Hotel Elysee

Kolumne: Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. Was ist ein Luxushotel? Was hat ein armer Flaneur dort zu suchen?
Zu der ersten Frage wäre zu sagen, dass ein Luxushotel ein Biotop ist, ein besonderes Ambiente, eine Welt für sich.
Zu der zweiten, dass, obwohl er immer arm war, arm ist und immer arm sein wird, ist der Flaneur in seinem sehr wechselvollen Leben doch viel herumgekommen in der Welt. Unter anderem in Luxushotels, wo, unverschämter Schnorrer der er ist, andere die für ihn nicht unerhebliche Rechnungen beglichen haben.
Seine treuen Leser werden nicht vergessen haben, dass er am 10. Mai letzten Jahres hier über „Hamburgs schönstes Kunstwerk“, die große Henry Moore Plastik „Female Reclining Figure“, auf der Moorweide nahe dem Dammtor-Bahnhof, geschrieben hat. Immer wieder pilgert er dahin. So auch letzten Dienstag. Er traute seinen Augen nicht: Lauter kleine Kinder klettern über Henry Moore rüber und freuen sich, wie H.M. sich gewiss auch selber darüber gefreut hätte.
Die junge Betreuerin sagt ihm, das seien die Kinder des Betriebskindergartens des Grand Hotels Elysee. Er erzählt ihr von dem Artikel, aber vergisst zu fragen, an wen er die kleine Sendung adressieren soll.
So befindet er sich an der Rezeption. Wie freundlich wird er behandelt! (Er zieht sich immer anständig an. Niemand kann wissen, was für ein armen Schlucker er ist. Zwei Nächte hier kosten so viel wie er in einem ganzen Monat verdient.) Er bekommt die nötige Information. Seine Neugier ist geweckt. Er fragt weiter.
Die junge Frau an der Rezeption spricht von „ihrem“ Hotel, als ob es wirklich „ihr“ Hotel wäre. Bemerkenswert. Er fragt nach. In der Tat fühlen sich die Angestellten wie Mitglieder einer großen Familie und werden von der Direktion auch so behandelt.
So kontaktiert er Frau A.K., die für Public Relations zuständig ist und mit der er – wie angenehm – Englisch reden kann. Sie ist ebenso von ihrem Hotel begeistert.
Was ist hier los? Nehmen die alle Drogen, dass sie so freundlich über „ihr“ Hotel reden? Angestellte, die über ihren Betrieb nur Gutes zu berichten haben! Das kann es in unserer Welt nicht geben. Das Hotel Elysee ist alles Mögliche. Unter anderem eine Insel der Seligen.
Und die Hoteleinrichtung? Großzügig, zurückhaltend, geschmackvoll.
Aber überzeugen Sie sich selber, liebe Leser. Mit 39 Euro sind Sie dabei. Und zwar beim Sonntagsbrunch von zwölf bis 15 Uhr.
Und wissen Sie was, dieses verdammte Hotel hat sogar eine Piano-Bar! I kid you not. Eine Piano-Bar so wie unser Flaneur sie vom Zeppelin in Stuttgart und von dem wundervollen Dorchester in London und von einem sehr vornehmen Hotel in München, dessen Namen er vergessen hat, schon kennt.
Vielleicht ist die Welt doch nicht dabei unterzugehen.
Jetzt braucht unser Flaneur nur eine vermögende Freundin, die ihn morgen um 13 Uhr zum Brunch ins Hotel Grand Elysee einlädt (mögen es und die schöne Frau K. lange, lange leben!) Diskrete Angebote aus der weiblichen Leserschaft bitte an die Redaktion des Elbe Wochenblatts am Wochenende.
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