Geboren in Harburg, ermordet in Kaufbeuren

Seit Anfang August erhätlich: Das Buch über die Biographien hinter den Stolpersteinen in Harburg und Wilhelmsburg. Foto: pr

Das Buch „Stolpersteine in Harburg und Wilhelmsburg“ erzählt die Geschichte hinter den Biographien.

Die Messingplatten mit den Namen und Lebensdaten verraten schon einiges über die Schicksale, lassen aber auch Fragen offen. 180 Stolpersteine hat der Kölner Künstler Gunter Demnig in den letzten Jahren im Bezirk Harburg und in Wilhelmsburg für die mehr als 300 Opfer des Nationalsozialismus geschaffen. Ihre Lebensgeschichten wurden jetzt von Barbara Günther, Margret Markert, Hans-Joachim Meyer und Klaus Möller in dem Buch „Stolpersteine in Hamburg-Harburg und Hamburg-Wilhelmsburg – Biographische Spurensuche“ nachgezeichnet.
Einer von ihnen ist Helmut Wichert aus Harburg, dessen Stolperstein vor dem Haus Grumbrechtstraße 42 eingelassen ist. Er starb mit 30 Jahren am 28. Oktober 1943 in Kaufbeuren. 1916 war der Junge zunächst in Harburg getauft, und 13 Jahre später in eine Heil- und Pflegeanstalt in Rotenburg/Wümme eingewiesen worden. Seine Hoffnung, in diesem Haus der Inneren Mission Zuflucht zu finden, erfüllte sich nicht. Die nationalsozialistische „Euthanasiepolitik“, das Pro-gramm zur massenweisen Tötung körperlich und geistig kranker Menschen, kannte keine Ausnahmen. Mehr als die Hälfte der Bewohner dieser kirchlichen Einrichtung wurde Opfer dieses Massenmords. „Die Fürsorge, auf die sie angewiesen waren, … war keine mehr, sondern verkehrte sich in ihr Gegenteil“, so lautete das selbstkritische Fazit Theo Christiansens vom Kirchenkreis Hamburg-Ost, als er am 12. Juni den Stolperstein für Helmut Wichert einweihte.
Am 7. Oktober 1941 wurde der junge Mann aus angeblich kriegswichtigen Gründen von Rotenburg, wo er lange in der Schneiderei gearbeitet hatte, in die entlegene „Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren“ verlegt. Direktor dieser Klinik war Dr. Valentin Falthauser, der von Anfang an maßgeblich in das NS- Mordprogramm eingebunden war.
Nach dem offiziellen Stopp der Gasmorde im August 1941 wurden die Patientinnen und Patienten in Kaufbeuren durch Nahrungsmittelentzug, unterlassene medizinische Behandlung und Überdosierung von Medikamenten getötet. Unter diesen Umständen hatte auch Helmut Wichert keine Chance.

„Stolpersteine in Hamburg-Harburg und Hamburg-Wilhelmsburg – Biographische Spurensuche“ ist für eine Bestellpauschale von drei Euro in der Hamburger Landeszentrale für politische Bildung, Dammtorwall 1, 20354 Hamburg, erhältlich. (Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag 13.30 bis 18 Uhr, freitags 13.30 bis 16.30 Uhr)
Übersicht im Internet http://stolpersteine-online.com
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