Ganz allein im Watt

Foto: adam schnabler/LKN.SH.

Wanderung mit Nationalpark–Watt- und Gästeführerin
Christine Dethleffsen von Nordstrand zur Hallig Südfall

Malte Keller/NT, Husum
Hinter dem Deich ist noch nicht Schluss, hinter dem Deich liegen das Wattenmeer und die wundersame Welt der Halligen – weltweit einzigartig. Diese Halligen sind kleine Flecken Land in der Nordsee im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Sie gehören allerdings nicht zum eigentlichen Schutzgebiet. Weit weg vom Rest der Welt und drum herum Naturschönheiten, die ihresgleichen suchen. Und das Watt selbst ist ein Raum des Wandels und des Übergangs; amphibisch – nicht mehr Land, noch nicht Meer.
Nationalpark-Watt- und Gästeführerin Christine Dethleffsen sammelt die Gruppe auf dem Deich von Fuhlehörn / Nordstrand. Sieben Kilometer weiter westlich schimmert die Hallig Südfall im Wattenmeer, das Ziel der heutigen Tour. Die Menschen marschieren dem ablaufenden Wasser hinterher. Links ist im Dunst die Halbinsel Eiderstedt zu erkennen. Zweieinhalb Stunden dauert der Gang über den Meeresboden – und führt entlang einer sagenhaften Siedlung, einst Rungholt genannt. Untergegangen in einer mörderischen Orkanflut vor sieben Jahrhunderten und noch heute seltsam lebendig, wenn man den Geschichten von Christine Dethleffsen lauscht.
Noch immer eilt das Wasser in den Prielen des Wattenmeeres der Nordsee mit seltsam starkem Zug hinterher, „…bei Flut steht das Wasser hier zwei Meter hoch.“ Es ist ein schaurig-schönes Gefühl, dort unterwegs zu sein, wo der Mensch eigentlich nicht hingehört. Eine Ödnis auf den ersten Blick, tatsächlich jedoch einer der produktivsten Lebensräume der Erde.
Christine Dethleffsen möchte auch das Kleine auf dieser Tour zeigen. Keine Frage, Robben und Seehunde sind schön und spektakulär, sind Sympathieträger, auch deshalb kommen Besucher in den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Und der Wattwurm, der Krebs? „…Sind genauso wichtig. Und sicher nicht weniger interessant. Ich möchte euch auf dieser Tour auch die so genannten Small Five zeigen, wir nennen sie so nach dem Vorbild der berühmten Big Five der Safaris.“
Sagt es und hebt was auf. Da wären: die Kleinen auf der großen Bühne – Krabbe und Krebs, Wattwurm und Wattschnecke, die Herzmuschel. Christine Dethleffsen erklärt, und das macht neugierig. „Ich möchte meine Gäste sensibilisieren für das vermeintlich Unspektakuläre. Alles ist interessant“ Ganz sicher ist es das, wenn Experten wie die Nationalpark-Partner hinführen. Sie sammelt die Gruppe kurz vor der Hallig eng zusammen. „So, und jetzt gehen wir hier schnell durch und trödeln nicht ´rum. In der Wiese leben Regenpfeifer und Seeschwalben – da müssen wir nicht unnötig stören.“ Und schließlich warten Gunda und Gonne Erichsen, die beiden Halligwarte und einzigen Bewohner, schon mit Kaffee und Kuchen.
Die Sommerabende an der Nordsee sind lang und die Gruppe macht sich auf den Heimweg. „Das ist meine liebste Zeit“, sagt Christine Dethleffsen, „alles wird ruhig im Watt und die Sonne zaubert ein sanftes, warmes Licht. Am schönsten sind die Wattführungen mit Sonnenuntergang – dann sind wir auch ganz allein im Watt.“ Ein tiefer Frieden, eine umarmende Stille. „Seid mal still und macht die Augen zu. Was hört ihr? Was riecht ihr?“ Es gibt nur eine Möglichkeit, dies herauszufinden: man muss hin in diesen großen, weiten Raum, sich öffnen und entdecken. (www.watt-wandern.de).
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