Fußball, mal ganz anders gesehen

Der Harburger Flaneur ist nicht in WM-Stimmung. Warum auch?

Die Ansichten des Flaneurs zum Fußball sind, fachlich gesehen, von geringem Wert. Wer der „Centre forward“ ist, das weiß er. Der Ausdruck entstammt seiner Kindheit und seiner Heimat und ist möglicherweise heute überholt.
Schon beim „Offside“ (englisch für „Abseits“) ist er überfragt. Wohl erinnert er sich an die Definition des Spiels, die in England kursiert: „Es gibt einen Ball, um den zweimal elf Männer kämpfen, und am Ende gewinnt immer … Deutschland!“
Der Name Uwe Seeler sagt ihm – als loyalem Wahlhamburger – natürlich etwas. Allerdings stünde Herrn Seeler in seinem Alter, meint er, etwas weniger Medienpräsenz gut zu Gesicht. Ist er wirklich der einzige alte Fußballheld in unserer Stadt?
Die Finanzkapriolen des Herrn Hoeneß verursacht beim Flaneur eher Schadenfreude als Empörung. Ex-Nationalmannschaftsteammitglieder und heutige Fußballmanager sind nicht die besseren Menschen. Das hat uns der Fall eindrucksvoll bewiesen.
Allerdings wäre unser Flaneur nie auf die Idee gekommen, die Berechtigung des Fußballspiels in seiner moralischen Wirkung zu suchen. Es sei denn, dass die Frauen dieser Welt dankbar seien, da sie nicht als Einzige herhalten müssen für die Neutralisierung überschüssiger männlicher Hormone.
Verböte man die abendliche Fernsehübertragung wichtiger Fußballspiele, sähen wir einen merklichen Anstieg der Geburtenrate. Ebenso einen Anstieg der Anzahl von Männern mit behandlungsbedürftiger Depression. Denn nicht alle Männer haben Frauen, die jene Aufgabe übernehmen können oder wollen. Das Kapitel heißt „Fußball als Triebabfuhr“ und ist leidlich bekannt. Um es ehrlich geradeaus zu sagen, schläft der Flaneur 100 mal lieber mit seiner Freundin als er Fußball guckt. Schlafen die Fußballfanatiker mit ihren Frauen nach einem Spiel? Wäre eine Untersuchung wert. Nein, das Bedenken des Flaneurs bezüglich dem Fußball hat nichts mit dem Spiel an sich zu tun.
Hört er das Brüllen tausender Menschen im Fußballstadion, kommt ihm eine ungute, eine sehr ungute Erinnerung hoch.
Wo haben wir in der nicht allzu fernen Vergangenheit erlebt, dass Menschen ihr Selbst, ihre Individualität, ihr Ich – nennen Sie es, lieber Leser, wie Sie wollen – an der Kasse abgeben, um dann, in die Masse eintauchend, aus vollem Hals zu brüllen und zu schreien und rau zu singen?
Klar ist „Hell’s Bells“ nicht das „Horst-Wessel-Lied“, und der sympathische Herr Löw ist nicht ... Das ist kein Name, mit dem unser Flaneur seinen Laptop verseuchen möchte.
Es schaudert ihm, wenn er das Brüllen hört.
Zu Recht? Zu Unrecht?
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