Für einen Dollar klar sehen

Mit einer einfachen Biegeapparatur können Augenoptiker Ludger Hannemann und Freda Grünhagen in wenigen Minuten eine voll funktionsfähige, stabile Brille bauen. Foto: sl

Junger Heimfelder baut Gruppe auf, um die Ärmsten der Welt mit einer Brille zu versorgen

Von Sabine Langner. Vor Ludger Hannemann steht eine schlichte kleine Holzkiste. Darin liegen eine Handvoll kurzer Drahtstücke und eine Auswahl von Brillengläsern. Auf der Kiste befestigt ist eine sehr einfache Biege-Apparatur. Fertig ist das Zubehör, um eine voll funktionsfähige Brille zu bauen. Ein Dollar kostet so ein Modell in der Herstellung. Ein Dollar, der den Unterschied zwischen lernen und nicht lernen, zwischen verschwommenen Umrissen und klarem Durchblick ausmacht.

Im Urlaub in Thailand begann Hannemann zu helfen

Gelernt hat Augenoptiker Ludger Hannemann dies bei der weltweit tätigen Organisation „One Dollar Glasses“. Nach seiner Ausbildung und ein paar Jahren Berufserfahrung wollte der heute 28-Jährige eigentlich ein Jahr lang die Welt bereisen. „Ich war gerade in Thailand, als ich auf Facebook von der One-Dollar-Glasses-Aktion las“, erinnert sich der Heimfelder. „Statt weiter mein Geld auf der Reise zu verplempern, habe ich mir überlegt, zu helfen.“ Gesagt, getan. Der junge Mann packte seine Sachen, ließ sich in Deutschland die Technik zeigen und reiste für sechs Wochen nach Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt.
„Eine Brille ist für die meisten Menschen dort unerschwinglich“, sagt Ludger Hannemann. Durch Spendengelder finanziert die „One Dollar Glasses“-Organisation den Einkauf von Draht und Brillengläsern. Menschen wie Ludger Hannemann zeigen den Einheimischen, wie das Ausmessen von Augen funktioniert und wie man die Brillen herstellt. Dann werden Schulen und Märkte besucht, wo die Menschen einen Tageslohn für eine Brille zahlen. „So viel kann sich eigentlich jeder leisten und die Verkäufer haben durch den Verkauf der Brillen ein eigenes Auskommen. Oft sind das behinderte Menschen, die sonst nie einen Job bekommen“, erläutert Hannemann das Prinzip.
Am meisten hat ihn in Burkina Faso die Freude der Menschen beeindruckt. „Ich habe Kinder erlebt, die zum ersten Mal die Tafel klar erkennen konnten, ältere Menschen, die nach Jahren wieder ihre Welt klar sehen konnten.“
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