Freunde

Kolumne: Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. Viele Freunde hier in Harburg hat der Flaneur nicht. Wie sollte er? Erstens er ist ein Ausländer, ein Zugezogener. Zweitens wohnt er erst seit 2006 in Harburg, und die Harburger brauchen bekanntlich viel, viel länger, um mit einem Mann warm zu werden.
Es ist, wie es ist.
Freunde braucht der Mensch trotzdem.
Abhilfe gibt es. Lachen Sie nicht, lieber Leser. Not macht erfinderisch.
Einen sehr guten, lieben Freund hat er ganz nah bei sich. Er ist bei ihm sogar, während er diesen Text in seinen alten Computer tippt. Es ist (ich sagte Ihnen, Sie sollten nicht lachen) der Marienkäfer, der seinen Schreibtisch bewohnt.
Sie bezweifeln, dass man freundschaftliche Gefühle für einen Marienkäfer entwickeln kann? Man kann.
Dieser Marienkäfer ist ein schönes Tier. Er kommt und er geht, und den Flaneur scheint er nicht sonderlich zu beachten. Aber er hätte längst einen anderer Harburger Schreibtisch als seinen Wohnsitz auswählen können. Das hat er nicht getan. Er fühlt sich hier offensichtlich wohl.
Nur mit der Kommunikation hapert es. Deutsch und Englisch beherrscht unser Flaneur wohl. Die Marienkäfersprache leider noch nicht.
Das ist nur eine Frage der Zeit. Menschen kommunizieren mühelos mit Hunden und mit Pferden. Warum nicht mit einem so niedlichen, sympathischen Tierchen wie dem Ladybird (wie der M. auf Englisch heißt)?
Freunde sind auch einige seiner Bücher und einige seiner CDs. Immer wieder staunt er, dass Virginia Woolf und Bach sich herablassen, in sein Zimmer zu kommen, um ihm Gesellschaft zu leisten. Er kann auf du und du sein mit einigen der größten Geister, die je gelebt haben! Wir machen uns zu selten klar, wie erstaunlich das ist.
Sie sind auch alleine? Dann legen Sie Ihre Lieblingsmusik auf (auch wenn Sie Leonard Cohen Bach vorziehen) oder lesen Sie ein Lieblingsbuch (auch wenn Sie Konsalik Virginia Woolf vorziehen) – und Sie sind es für kurze Zeit nicht mehr.
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