Frau am Trecker

ruppenfoto auf dem Hänger: 15 Damen vom Landfrauenverein nahmen am Trecker-Workshop bei Lohnunternehmer Lars Witthöft in Drage teil. Witthöfts Mitarbeiter nahmen sich viel Zeit, um alle Fragen der Teilnehmerinnen zu beantworten. Fotos: sd
 
Fahrtraining: Diese Teilnehmerin stellt erst mal Sitz und Spiegel ein, bevor sie zu ihrer Jungfernfahrt mit dem Trecker aufbricht.

Landfrauen üben bei einem Workshop im Landkreis Harburg.

Von Sabine Deh.
Britta Meyn steckt mittendrin in der „Lektion Forke“, bei der sie einen stattlichen Heuballen übers Feld kutschieren muss. Sie sitzt zwei Meter hoch, zieht zwei Hänger und hat 14 Landfrauen im Rücken, die ihr die Daumen drücken. Die 45-Jährige lenkt, der Trecker fährt, und die Landfrauen klatschen, als der Strohballen sicher im Ziel landet,
Die Bäuerin leitet gemeinsam mit ihrem Mann einen Milchviehbetrieb mit 250 Holstein-Friesian-Kühen, doch um das Treckerfahren richtig üben zu können, nimmt sie am Landfrauen-Workshop „Not am Mann – Frau muss ran“ im Landkreis Harburg teil.
Der Name des Kurses ist praxisnah: Selbst wenn es hart auf hart kommt in der Landwirtschaft, werden Frauen auf dem Bock eines Treckers immer noch skeptisch von ihren Männern beäugt. Und wenn der Gatte unterwegs ist oder ein Mitarbeiter krank wird, bleibt für eine technische Einweisung oder ein Fahrtraining meist keine Zeit. Die 15 Plätze bei Fahrlehrer Lars Witthöft, ansonsten Lohnunternehmer in Drage, waren jedenfalls sehr schnell ausgebucht.
Anette Rabelen ist eine der zwischen 23 bis 61 Jahre alten Teilnehmerinnen, die endlich mal in Ruhe Trecker fahren wollen. Zu Hause geht das nicht. „Mein Mann sagt immer: Schatz, geh du mal lieber die Kühe melken“, sagt sie. Die Bäuerin mit der praktischen grauen Kurzhaarfrisur drückte ihrem Gatten am Morgen einfach einen Dosenöffner in Hand und einen Kuss auf die Wange, bevor sie sich vom heimischen Acker machte.
Der Deutsche Bauernverband schätzt, dass heute knapp 40 Prozent der in der Landwirtschaft Beschäftigten weiblich sind – mit steigender Tendenz. 91 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sind Familienbetriebe, in denen Frauen gleichberechtigte Mitunternehmer sind.
Doch beim Treckerfahren stößt die Gleichberechtigung auf dem Land immer noch an enge Grenzen. Fahrlehrer Lars Witthöft musste sich einiges anhören, als er einem Kollegen berichtete, demnächst Frauen im Umgang mit dem Trecker zu schulen. „Die gehören an den Herd oder ins Büro, aber doch nicht auf unsere Trecker“, appellierte dieser an Witthöfts Verstand. „Mit dieser überholten Einstellung habe ich wirklich nicht gerechnet“, wundert sich der 35-Jährige. Er hat das dann trotzdem durchgezogen. Mehr noch: Für den Kurs knöpfte er den Teilnehmerinnen keinen Cent ab und stellte drei seiner Mitarbeiter für die Schulung ab. Und die Teilnehmerinnen dürfen das Beste, was Witt-höfts Fuhrpark zu bieten hat, fahren: nagelneue PS-starke Landwirtschafts-Boliden wie den Fendt 820, „der Mercedes unter den Treckern“, und Modelle der Marke John Deere.
Witthöft ist nach Abschluss des Workshops begeistert von den Leistungen seiner Schülerinnen. „Alle haben echtes Talent im Umgang mit schweren Gerät gezeigt. Ich hatte schon Jungs auf dem Trecker, die sich deutlich ungeschickter angestellt haben“, lobt der Fachmann. Die Schadensbilanz am Ende des Tages: ein kaputtes Rücklicht. „Das ist aber ganz bestimmt bereits gestern bei einem Arbeitseinsatz kaputt gegangen“, versichert Lars Witthöft treuherzig.
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