„Es war hart, alles zu verlieren“

Ob Wind, Schnee, Sonne oder Regen: Der obdachlose Jamaicaner Rosewell ist auf den Straßen Süderelbes unterwegs. Manchmal geht er in Läden, um sich aufzuwärmen. Sein sehnlichster Wunsch: eine Wohnung. Foto: KI
 
Bettina Maak

Der obdachlose Jamaicaner Rosewell sucht verzweifelt eine Wohnung

Karin Istel, Süderelbe

Kälte, Regen, Schnee, Eis – egal. Rosewell W. (Name der Redaktion bekannt) ist auf den Straßen Süderelbes unterwegs. Das schwarze Baseball-Cap tief in die Stirn gezogen, seine Habseligkeiten in die blaue Umhängetasche gestopft – so marschiert er bei jedem Wetter und zu jeder Uhrzeit durch die Straßen, während sein heller Mantel um ihn herumschlottert. Der 48-Jährige hat keine Wohnung, lebt auf der Straße. Und das nur, weil er bei der Beerdigung seines Vaters dabei sein wollte.
Die Katastrophe begann im September 2015. Sein Vater starb auf Jamaica. Rosewell überlegte nicht lange, packte einige Sachen aus seiner Hausbrucher Wohnung und stieg in den Flieger, um nach Hause zu kommen. „Ich wollte meinen Vater beerdigen und dann noch sechs Wochen bleiben“, sagt er in Jamaica-Englisch. Denn er kann nur einige Brocken Deutsch.
Was dann passierte, war tragisch. „Ich wollte etwas am Haus meiner Mutter reparieren und fiel von der Leiter“, erzählt er. „Und dann lag ich gute sechs Monate im Krankenhaus.“
Wieder gesund, flog er nach Deutschland zurück. „Meine Familie sammelte dafür.“
Wieder in Hausbruch stand er vor dem Nichts. Im Krankenhaus auf Jamaica hatte er um sein Leben gekämpft. Mietzahlungen für die Wohnung im fernen Hausbruch zu leisten, daran dachte in dieser Situation keiner aus der Familie. Die Miete blieb aus, der Vermieter räumte die Wohnung leer. „Es war so hart, alles zu verlieren“, sagt Rosewell mit leiser Stimme. „Jetzt schlafe ich meistens auf der Straße.“ In die Übernachtungsstätte Pik As will er nicht. Da ist es ihm zu dreckig und er hat Angst, bestohlen zu werden.
Seine Post kann sich Rosewell an das Herz As schicken lassen, vom Arbeitsamt bekommt er Hartz IV, und eine Aufenthaltsgenehmigung hat er auch bis 2018. Aber eine Wohnung, die hat er nicht. „Wir waren schon bei der Fachstelle für Wohnungsnotfälle, aber die konnten uns auch nicht helfen“, sagt seine Bekannte Karin H. (Name der Redaktion bekannt). „Wenn wir eine Wohnungsanzeige gesehen haben, hat Rosewell angerufen. Er sprach Englisch. Da winkten die Vermieter ab: Ich verstehe jetzt schon nichts. Das wird später schwieriger.“ 
Rosewells größter Wunsch: eine eigene Wohnung
Auch, wenn Rosewell sich für eine Wohnung vorstellte, klappte die Wohnungstür schnell wieder zu. „Rosewell ist Ausländer und dunkelhäutig. Manche Leute erschrecken sich“, sagt Freundin Karin.
Rosewell ist weiterhin auf den Straßen unterwegs. „Nur manchmal gehe ich in ein Kaufhaus, um mich aufzuwärmen.“ Wo er Ostern verbringen wird, weiß er noch nicht. Er hofft, dass ihn Freunde zum Essen einladen, er für eine Nacht zumindest auf einem Sessel in einer Wohnung schlafen kann. Rosewells größter Wunsch für das neue Jahr: „Eine eigene Wohnung!“

Das sagt das Bezirksamt Harburg

Sprecherin Bettina Maak: „Trotz der zahlreichen Wohnungsneubauten ist die Nachfrage nach Wohnraum in Hamburg nach wie vor immens. Im Bezirk Harburg ist es schwierig, Wohnungen für Familien zu finden, da der Bestand an großen Wohnungen gering ist. Der Bestand an preiswertem Wohnraum für Einzelpersonen ist deutlich besser. Dennoch ist der Weg aus der Obdachlosigkeit in eigenen Wohnraum schwierig.
Unterbringungsmöglichkeiten für obdachlose Einzelpersonen bieten das Pik As und das Winternotprogramm. Die Fachstelle für Wohnungsnotfälle bietet darüber hinaus Beratung an.“
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