Es knirscht und knackt

Grenzgebiet Elbbrücke: Im Hafen sind die Eisbrecher der Hamburg Port Authority im Einsatz. Fotos: sd
 
Am Überwinterungshafen: Von diesem Liegeplatz aus starten die Eisbrecher elbaufwärts.

Unterwegs auf der Elbe mit dem Eisbrecher „Büffel“

Von Sabine Deh.
Manchmal hilft nur noch boxen, weiß Peter Voss (62) aus langjähriger Erfahrung. „Also Anlauf nehmen und mit Schmackes gegen die Barrieren fahren“, sagt der Maschinist des Eisbrechers „Büffel“. Wenn das Eigengewicht des Schiffs alleine nicht ausreicht, um die Eismassen zu zerkleinern, wird der Stampfhammer zur Unterstützung zugeschaltet: zwei Räder mit zentnerschweren Gewichten, die in entgegengesetzte Richtung rotieren. Wenn die Gewichte gleichzeitig oben oder unten stehen, wird der Bug entweder in die Höhe gerissen oder auf das Eis gestampft. „Dem Titanic-Eisberg hätten wir auch mit Hilfe unserer Stampfanlage wahrscheinlich nichts entgegensetzen können“, befürchtet Kapitän Michael Kropat (41). Dem Eisvorkommen auf der Elbe fühlt sich die Mannschaft der „Büffel“ allerdings gewachsen.
Insgesamt acht Eisbrecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg (WSA) sind bis auf weiteres in Harburg stationiert. Die meisten tragen Namen aus dem Tierreich: „Keiler“, „Widder“, „Stier“, „Elch“ und „Wisent“ sind darunter. Und eben die „Büffel“, das 32 Meter lange, knapp neun Meter breite Flaggschiff. Tagsüber fahren sechs Eisbrecher nebeneinander stromaufwärts und knacken die Eisdecke auf. Zwei weitere Schiffe folgen und halten die Schollen in Bewegung, damit sie vom ablaufenden Wasser in Richtung Nordsee geschwemmt werden.
Jeden Winter beginnt alles mit Eisbildung auf dem Grund der Elbe und dem sogenannten Randeis in den Buhnenfeldern. Das Grundeis schwimmt nach oben und trifft auf abbrechendes Randeis. Es bilden sich runde Treibeisschollen. Wenn es ganz dick kommt, wie 1996, setzen sich die Eisschollen übereinander und werden bis zu zwei Metern dick. Die Schiffe müssen sich dann durchboxen. Aber das wird in diesem Winter dank des einsetzenden Tauwetters nicht mehr passieren.
Die Elbe zwischen Magdeburg und Hamburg ist zu Beginn des Einsatzes noch komplett für die Schifffahrt gesperrt. Steuermann Thorsten Pätow (41) bläst ein schneidender Wind ins Gesicht, als er vor dem Ablegen der „Büffel“ mit klammen Fingern die Schiffstampen löst. Elegant setzt sich die WSA-Flotte von Geest-hacht aus in Richtung Hamburg in Bewegung. Mit ruhiger Hand steuert Kapitän Michael Kropat über den bereits zu rund 85 Prozent mit Eisschollen bedeckten Fluss. Es knirscht und knackt, als sich der Bug des Schiffes seinen Weg durch das Treibeis bahnt. Kein Problem für die beiden insgesamt 1.200 PS starken Dieselmotoren, die im Bauch des Schiffes, das 1987 in Berlin vom Stapel lief, arbeiten.
Einsatzleiter Andreas Schulz hat diese wichtige Mission genau vorbereitet. Der Eisaufbruch auf der Elbe diene der schnellstmöglichen Wiederaufnahme der Schifffahrt, aber auch der „Verhinderung von Schäden an Ufern und Gebäuden durch unkontrolliert abgehendes Eishochwasser“, sagt der 43-Jährige, der den Einsatz von der Brücke der „Büffel“ aus koordiniert.
Eigentlich hatte niemand mehr mit einem derart späten Wintereinbruch gerechnet. Daher blieb Schultz nicht viel Zeit, die Besatzung für die acht Eisbrecher zusammen zu stellen. Alle Schiffe haben Proviant für eine Woche an Bord. „Dosenfutter und Tütensuppen sind nicht dabei, bei uns wird frisch gekocht“, lacht Maschinist Voss, dessen Vater Robert noch auf einem Dampfeisbrecher auf der Elbe gefahren ist. Auf dem Herd in der Kombüse verbreitet ein Topf, in dem er aus Fleischknochen und Gemüse eine Brühe zubereitet, einen köstlichen Duft. Eine bewährte Tradition an Bord des Eisbrechers „Büffel“: „Am ersten Einsatztag verwöhnt uns Peter immer mit seinem berühmten Bohneneintopf“, lobt Steuermann Pätow den Aushilfs-Smutje. Nach dem Abendessen vertreiben sich die Männer die Zeit an Bord meist mit Klönen oder kloppen eine Runde Skat.
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