„Es ist schwofiger geworden“

Das heutige Team mit Evelyn Hädrich-Hörmann (M.). Auf dem Foto fehlen Michaela Milkereit, Jennifer Blaas und Julia Veigel. Fotos: Evelyn Hädrich-Hörmann

Eine Harburger Institution: 70 Jahre Tanzschule Hädrich

Von Andreas Tsilis. Lüneburg im Oktober 1945: Es sind bewegte Zeiten, in denen die Dresdener Traute und Gerd Hädrich ihre Tanzschule eröffnen. Beide hatten sich in den Wirren des Krieges verloren, in dem Kleinstädtchen an der Illmenau starteten sie nun ihren Neuanfang – er, der ehemalige Soldat und Banker, und sie, die Schallplatten-Verkäuferin und Übersetzerin.
Das eigene Wohnzimmer in der Kefersteinstraße 2 wird zum Tanzsalon, mit fünf Tanzpaaren geht es los. Die Kursgebühr besteht aus Schinken, Zigaretten, Wurst und Briketts. „Es gab ja nichts anderes“, sagt Tochter Evelyn Hädrich-Hörmann. Ein englischer Major verschafft ihnen ein Technikbuch über „Gesellschaftstanz“. Der „englische Stil“ war damals tonangebend,
Hädrichs konnten nun auch sehr anspruchsvolle Figuren bis zum Turniertanz unterrichten und wurden norddeutsche Meister. 1951 erfolgte der kurzzeitige Umzug ins Harburger Logenhaus, 1953 entstand in der Paul-Gerhard-Straße 12 ein Tanzinstitut mit Barbetrieb und großer Tanzfläche, gebaut hatte Unternehmer Hans Puhst. Der Mietvertrag wurde für 99 Jahre geschlossen.
In den 1960er bis 1980ern entwickelte sich eine neuartige Tanzkultur, Cha-Cha-Cha, Rumba,
Jive wurden „entdeckt“ und massentauglich choreografiert. Auslöser dafür war Gerd Hädrichs 1964 entwickeltes „Welttanzprogramm“, mit dem er Ordnung in die Grundschritte bei Standard- und Lateinamerika-Tänzen brachte. „Das machte meinen Vater weltberühmt“, sagt Hädrich-Hörmann.
1971 erhält er den „Oscar der Tanzwelt“. Ab Mitte der 80er-Jahre platzt die Tanzschule aus allen Nähten. Gerd Hädrich schreibt Bücher, moderiert, erhält das Bundesverdienstkreuz und trainiert internationale Spitzenpaare.
Seit 1989 leitet Tochter Evelyn das Unternehmen, auch sie trainierte Deutsche, Europa- und Weltmeister. Solotänze wie Hip-Hop oder Jazz-Dance eroberten damals das Parkett – heute sind es Zumba und Fitness, die viele bewegen. Der Gesellschaftstanz aber habe sich nicht verändert, sagt Hädrich-Hörmann. „Es ist nur schwofiger geworden.“
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