Endlich vorbei!

„Der Orangene Block bedankt sich für die moralische Unterstützung beim Aufräumen“, twitterte die Stadtreinigung Hamburg. Foto: Stadtreinigung hamburg
 
In Wilhelmsburg verlief eine Demonstration gegen G20 friedlich (Foto). Der Verkehr in den Hafen wurde leicht behindert. Auch bei der Demonstration „No one forgotten, nothing forgiven“, die am Sonntagnachmittag mit 700 Teilnehmern am Harburger Rathausplatz startete, gab es keine Randale. Foto: zand-vakili Die Persoenlichkeitsrechte der abgebildeten Personen sind moeglicherweise ungeklärt. Veroeffentlichung nur gegen Honorar und gesetzlicher Mehrwertsteuer Andre Zand-Vakili, Haselhain 13,21075 Hamburg Finanza

Meinung: Der G20-Gipfel in Hamburg – eine kleine Bilanz

Olaf Zimmermann, Hamburg.

Der „Orangene Block“ der Stadtreinigung hat sich längst an die Arbeit gemacht. Trümmer werden von Gehwegen auf die Straßen gekehrt, dann abtransportiert. Erste Spuren der Gewaltorgie sind beseitigt. Kaum vorstellbar, dass am Sonnabend nur wenige Kilometer entfernt rund 75.000 Menschen völlig gewaltfrei gegen den G20-Gipfel demonstriert haben, dass sogar die meisten der fast drei Dutzend Demonstrationen friedlich verliefen. Statt dessen wurde das Bild beherrscht von brennenden Barrikaden, abgefackelten Autos, Plünderungen, Horden von Gewalttätern, die durch die Straßen marodieren, von Wasserwerfern, von Polizisten im Dauereinsatz, von Gaffern mit ihren Handys. Wie konnte es so weit kommen?

Warum fand der Gipfel in Hamburg statt?
Angela Merkel hatte den Gipfel nach Deutschland geholt. Für die Ausrichtung kamen wegen der enormen logis-tischen Anforderungen nur Großstädte in Frage. Olaf Scholz stimmte der Anfrage der Kanzlerin zu.
Umfragen nach war eine deutliche Mehrheit der Hamburger gegen den G20-Gipfel in ihrer Stadt. Im Schanzenviertel dürfte die Ablehnung noch weitaus höher gewesen sein.

Haben die Verantwortlichen die Gefahren unterschätzt? „Seien Sie unbesorgt: Wir können die Sicherheit garantieren“, sagt Bürgermeister Scholz im Vorwege. Und Innensenator Andy Grote meinte: „Im Prinzip ist das ein Festival der Demokratie.“ Beide irrten, wie sich herausstellte. Dabei hatte die Polizei aus dem gesamten Bundesgebiet rund 20.000 Beamte, jede Menge Einsatzfahrzeuge und sogar Spezialeinheiten zusammengezogen.

Die Aufgaben der Polizei
Vorrangiges Ziel war es, den störungsfreien Ablauf des Gipfels zu gewährleisten. Unterkünfte der Staatschefs sowie deren Fahrten zu Veranstaltungsorten mussten geschützt, dazu der Verkehr abgesperrt werden. Große Einsatzkräfte sollten dann den friedlichen Verlauf der Demonstrationen garantieren.
Unterm Strich gab es sehr viele Anforderungen an die Polizei, aber nicht ausreichend Beamte. Dass Randalierer in kleineren Gruppen Steinewerfend und Autos anzündend durch die Stadt ziehen – wie am Freitagmorgen in Altona geschehen – , hatte offenbar niemand erwartet.

Das Vorgehen der Polizei
Anfangs wurde versucht, Übernachtungscamps zu verhindern, teilweise schien das Vorgehen mit Gerichtsentscheidungen zu kollidieren. Bei Demonstrationen sollten Vermummte schnell von anderen Demonstranten getrennt werden. Im genehmigten Übernachtungscamp haben nach Angaben der Polizei gewaltbereite Menschen Unterschupf gefunden.

Randale in der Schanze
Am Freitagabend tobten sich gewaltbereite Randalierer im Schanzenviertel aus, plünderten Geschäfte, warfen Scheiben ein und steckten Barrikaden in Brand. Die Polizei schauten dem Krawall lange Zeit tatenlos zu. Warum? Nach Angaben der Polizeiführung bestand für die Beamten Lebensgefahr, weil Gewalttäter Steine und Steinplatten von Dächern herunterwarfen. Erst von anderen Einsätzen abgezogene Spezialeinheiten konnten die Lage vor Ort entschärfen.

Krawall und Gewalt

Steine oder Molotowcocktails auf Menschen werfen, Piloten mit Lasern blenden, Autos anzünden, Scheiben einschmeißen, Läden plündern – das alles sind durch nichts gerechtfertigte Straftaten. Wer sich hier nicht distanziert, stellt sich bewusst außerhalb der Gesellschaft.

Selfie vor der Barrikade
An jeder Ecke standen mit Handys ausgestattete Gaffer und filmten die Krawalle. Nicht selten wurden auch Steinwürfe auf Polizisten bejubelt und ‘Ganz Hamburg hasst die Polizei’ skandiert: einfach nur peinlich und außerdem falsch.

Wer ersetzt die Schäden?
Bundesregierung und Senat haben Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe zugesagt. „Niemand soll auf erlittenen Schäden sitzen bleiben“, versprach Bürgermeister Olaf Scholz.

Und was hat der Gipfel gebracht? Am Ende stand das übliche Abschlusskommunique, ein für alle Seiten gesichtswahrender Kompromiss. Daneben hatten die mächtigen Staats- und Regierungschefs die Chance, miteinander über die Probleme der Welt zu reden. Und daran mangelt es, wie alle wissen, nicht.
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