Ein Segen für Falken und Jagdhunde

Werner Grüzner mit seinem Falken Clair. Fotos: sd
 
Der musikalische Leiter der Hubertusmesse: Wolfgang Baumgärtner gab mit seinem Parforce-Horn den Ton an.

Alljährlich treffen sich Jäger im November zur Hubertusmesse.

Von Sabine Deh.
Draußen vor der Tür flackern an diesem verregneten Novemberabend neben einem steinernen Kreuz zwei Feuer in Eisenkörben. Drinnen in der Kirche riecht es nach verbranntem Holz, während Hunde von Menschen in Lodenmänteln zum Altar geführt werden. Selbst zwei Greifvögel werden in die kleine Kirche gebracht. Sie tragen einen Kopfschutz, sonst könnten sie sehen, wie Gerd Grant eine Träne über seinen Bart läuft.
Jedes Jahr im November wird im ganzen Land dem Heiligen Hubertus von Lüttich gedacht, dem Schutzheiligen der Jäger. Zum ersten Mal findet eine Hubertusmesse in Gerd Grants Jagdgebiet statt, der zur Einleitung einige Worte mit bebender Stimme gesprochen hat. „Mag sein, dass manchem meine Begrüßung etwas emotional erscheint, aber wir sind so glück-lich, dass heute die Elbmarsch Gastgeber einer Hubertusmesse sein darf“, so Grant, Leiter des Hegerings Elbufer.
In Jägerkreisen ist die Messe ein wichtiges Ritual. Hubertus, so geht die Legende, sei in seiner Jugend ein ziemlicher Heißsporn gewesen, der brutal und unbarmherzig Jagd auf die Tiere des Waldes machte. Erst spät erkannte Hubertus, dass alle Lebewesen Geschöpfe Gottes sind, um die sich ein Jäger hegend und pflegend zu kümmern hat. An diesen alten Ehrenkodex hält sich auch Gerd Grant, wenn er mit seinem Hund Unkas, einem freundlichen Deutsch Langhaar, in seinem Pacht-Revier auf die Jagd geht.
Die kleine St. Marien-Kirche im Elbmarsch-Dörfchen Drennhausen liegt nur einen Steinwurf von der Elbe entfernt und steht seit 1347 an dieser Stelle. Das aus Ziegelsteinen erbaute Kirchenschiff ist bis heute erhalten geblieben. Die Glocke im Turm trägt die Inschrift „Kommet, denn es ist alles bereit“ und markiert mit ihrem dunklen Ton den Beginn des Gottesdienstes.
Die kräftige Stimme von Pastorin Sarah Oltmanns ist bis in die letzte Reihe gut zu hören, als sie nach der musikalischen Einstimmung durch zwei Jagdhornbläsergruppen ihre Predigt hält. Die junge Frau mit dem schulterlangen blonden Haar steht in ihrem schwarzen Talar lächelnd vor dem Altar und breitet ihre Arme weit aus, als wolle sie die gesamte Gemeinde an ihr Herz drü-cken. Für ihre Predigt hat sie einen unkonventionellen Text gewählt.
Sie erzählt, wie ihre Freundin Angela in einer kalten Februarnacht nach Hause kam und grauenhafte Geräusche aus dem Garten ihrer Vermieterin vernahm. In der Annahme, dass es sich um ein verendendes Reh handelt, rief sie den örtlichen Jäger. Doch statt eines sterbenden Waldtieres traf dieser lediglich Angelas Vermieterin an, die in ihrem Wohnzimmer mit Kopfhörern auf den Ohren im Fernsehen „Mainz, wie es singt und lacht“ schaute und dabei lauthals lachte.
Nach ihrer Predigt spricht die Pastorin einen Segen für die anwesenden Menschen und Tiere, wie die Wanderfalken Lieschen und Clair und einen Habicht ohne Namen. „Den bekommt er erst nach seinem ersten erfolgreichen Einsatz bei einer Jagd“, verrät Werner Grüzner vom Hegering Winsen.
„Wenn alle Pastoren so amüsante Predigten halten würden, wären manche Gotteshäuser bestimmt voller“, raunt eine ältere Dame am Ausgang ihrer Begleiterin zu.
Dass die Kirche den Jägern ihren Segen gibt, wird von Tierschützern kritisiert. Der Deutsche Tierschutzbund forderte erst im Oktober öffentlich, dass sich die Kirchen „nicht länger in den Dienst des Tötens stellen dürften“. Sarah Oltmanns sieht solche Forderungen gelassen. „Eine Kirche sollte für alle offen sein“, findet die bodenständige Pastorin. Sie könne sich auch vorstellen, eine Messe für Vegetarier zu feiern. Statt Falken und Jagdhunden bekämen dann eben Obst und Gemüse den kirchlichen Segen.
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