„Dürfen wir bei Ihnen drehen?“

Gesucht wurde eine urtümliche, ländliche Autowerkstatt - in Hamburg eine echte Seltenheit. Fündig wurde Karin Verbeek in St. Georg. Fotos: cvs
 
„Abgerissen“: Ein Blick in die Motivliste für „Banklady“. Etliche Locations waren kurz nach Besichtigung dem Erdboden gleichgemacht worden.

In Hamburg unterwegs mit Location-Scout Karin Verbeek.

Von Christopher von Savigny.
Karin Verbeek ist unterwegs, irgendwo in Winterhude. Langsam fährt sie durch eine Nebenstraße, während sie aufmerksam die stuckverzierten Häuserfronten betrachtet. Verbeek sucht Türen. Eine ganz bestimmte Tür: Alt soll sie aussehen und hübsch sowieso. „Wie bei einem englischen Reihenhaus“, sagt Verbeek und fährt rechts ran. Die Perspektive muss stimmen: Nicht zu viele Vorsprünge in der Fassade, damit die Kamera später die Nachbarhäuser mit drauf bekommen kann. Und nicht zu viel Grün. So will es der Regisseur, der auch ein bekannter Hamburger Schauspieler ist. Seinen Namen darf Verbeek nicht nennen, so steht es im Vertrag, den sie unterschrieben hat.

Ein schmucker Hauseingang für eine Begrüßungsszene wird gesucht – nicht zu weit weg vom nahe gelegenen Hauptdrehort. Karin Verbeek schiebt die schmiedeeiserne Gartentür auf, geht auf die Haustür zu und macht ein paar Fotos. Sie guckt nach links und rechts und kneift dabei die Augen zusammen. „Könnte gehen“, sagt sie zufrieden.

Karin Verbeek ist Location-Scout. Seit über 20 Jahren sucht sie geignete Drehorte für Film, Fernsehen und für Fotoproduktionen. Ein Job, für den es keine Ausbildung gibt. „Man muss einen Instinkt dafür haben, was passt“, sagt Verbeek, die eine Menge Berufserfahrung im Medienbereich vorweisen kann: Streetcasting, Modelbooking, Studiomanagement für einen Fotografen waren einige ihrer beruflichen Stationen. Irgendwann landete sie als Motivaufnahmeleiterin beim Film und entdeckte dabei ihre Begabung. „Ich bin als Quereinsteigerin zu meinem Beruf gekommen“, berichtet sie. Weil die Location-suche so gut ankam, machte sie sich selbstständig.

Schäbig oder cool?

Location-Scouts suchen Drehorte, die das gewisse Etwas haben: Fabriklofts, Garagen, Villen, Kneipen. „Zurzeit wollen die Filmemacher Orte, die authentisch wirken.“ Der Geschmack ändere sich allerdings schnell. „Mal heißt das Schlagwort ,shabby’ (Englisch für „heruntergekommen“, Anm. d. Red.), ein anders Mal vielleicht ,cool’.“ Ohne das richtige Gefühl für den passenden Drehort käme jedoch kein Location-Scout zurecht: „Manchmal suche ich tagelang“, sagt Verbeek. „Und dann stehe ich plötzlich davor und weiß: Das ist es!“

Location-Scouts suchen Drehorte, die das gewisse Etwas haben: Fabriklofts, Garagen, Villen, Kneipen. „Zurzeit wollen die Filmemacher Orte, die authentisch wirken.“ Der Geschmack ändere sich allerdings schnell. „Mal heißt das Schlagwort ,shabby’ (Englisch für „heruntergekommen“, Anm. d. Red.), ein anders Mal vielleicht ,cool’.“ Ohne das richtige Gefühl für den passenden Drehort käme jedoch kein Location-Scout zurecht: „Manchmal suche ich tagelang“, sagt Verbeek. „Und dann stehe ich plötzlich davor und weiß: Das ist es!“


Wettlauf mit den Abrissbaggern

Auch logistische Probleme müssen Motivsucher berück-sichtigen: Der beste Aufnahmeort ist wertlos, wenn das Equipment nicht aufgebaut werden kann, die Filmcrew zu wenig Platz hat oder schlichtweg die Genehmigung fehlt. „Eine Filmproduktion ist kein Kunstobjekt“, so Verbeek. „Das wird knallhart und geschäftsmäßig durchgezogen.“
Karin Verbeeks Ein-Frau-Unternehmen heißt Motivbuero. Ihre Schaltzentrale ist ein kleiner, gerade mal zehn Quadratmeter großer Büroraum in Stellingen, der mit Computern, Drucker und einem Schrank voller Aktenordner ziemlich ausgefüllt ist. Auf ihrem Server hat sie rund 6.000 Drehorte aus ganz Norddeutschland abgespeichert – bis zu 100 Fotos pro Motiv können abgerufen werden. Ihre Kunden kommen aus den Bereichen Film, Fernsehen und Werbung.
Kürzlich lief mit „Banklady“ wieder ein Film im Kino, für den Verbeek im Vorfeld gescoutet hatte. „Eine echte Herausforderung“ sei die Motivsuche gewesen, weil der Film in den 1960er Jahren spielte und in Hamburg kaum Häuser oder Straßenzüge mit entsprechendem Originalflair zu finden waren. Und wenn doch, machte ihr der Abrissbagger in einer sich rasant wandelnden Stadt einen Strich durch die Rechnung: So war die gecastete Werkstatt in Dulsberg wenige Wochen nach Besichtigung plötzlich verschwunden – ebenso wie die Garage auf St. Pauli. Schließlich wich das Filmteam nach Bremen aus, wo es noch Straßen mit dem gewünschten schiefen und krummen Kopfsteinpflaster gab.

16 Stunden auf Achse

Motivsucher müssen flexibel sein und gegebenfalls lange Arbeitszeiten in Kauf nehmen – 16-Stunden-Tage sind keine Ausnahme. Langeweile hat man nicht zu befürchten. „Ich mache einen Beruf, den ich gut kann und der mir viel Spaß bringt“, sagt Karin Verbeek. „Für mich ist es genau das Richtige!“

Drehorte: Für folgende Film- und Fernsehproduktionen hat Karin Verbeek in den vergangenen Jahren Drehorte in Hamburg gefunden:
„Spiegel-Affäre“ (ARD)
Tatort: „Die Ballade von Cenk und Valerie“ (ARD)
„Der perfekte Mann“ (UFA)
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