Druckfrisch bis zur Haustür

Ein gern gesehener Gast: Manfred Matthes mit Carmen Wagner Serlo, Mitarbeiterin im Friseursalon Goedrich. Fotos: cvs
 
Das Elbe Wochenblatt muss ganz rein, damit es nicht nass wird: Austräger Matthes nimmt es sehr genau.

Rund 600 Austräger bringen das Elbe Wochenblatt jede Woche zu unseren Lesern: Manfred Matthes ist einer der beliebtesten von ihnen.

Von Christopher von Savigny. Eine Stufe, noch eine und noch eine. Links das Geländer. Vorsichtig setzt Manfred Matthes seine Schritte, immer einen vor den anderen. „Hinfallen wäre nicht so gut“, sagt er. „Das kann ich mir in meinem Alter nicht mehr leisten.“
Manfred Matthes (78) ist Austräger des Elbe Wochenblatts, einer von rund 600, die jeden Mittwoch in Hamburgs Süden und Westen unterwegs sind. Sobald der Vertrieb die Zeitungen geliefert hat, das ist meist zwischen 7.30 und 8.30 Uhr morgens, setzt sich Matthes mit seinem Handwagen in Bewegung, um die Haushalte in seinem in Rönneburg und Wilstorf gelegenen Gebiet mit der druckfrischen Ausgabe zu versorgen. „Ich habe Glück, dass mein Bezirk gleich vor der Haustür liegt“, sagt er. „Andere Austräger müssen erst ein Stück fahren!“
In seinem Gebiet grüßt Matthes die Passanten, die ihn fast alle erkennen, mit einem Winken. Es freut ihn, wenn er auf seine kurzen Hosen angesprochen wird – insbesondere von Frauen. „Ich liebe alles Schöne“, sagt er, während er dabei mit den Augen zwinkert. Für einen Klönschnack ist auf seiner Tour immer Zeit. Einige Male schaut er seinen Nachbarn dabei ernst in die Augen, hebt die Stimme, bis er sie mit einer urkomischen Geschichte zum Lachen gebracht hat. Für einen guten Geschichtenerzähler wie Manfred Matthes ist seine Nachbarschaft die Bühne, auf der er sich wohlfühlt.
Seit zehn Jahren verteilt er das Elbe Wochenblatt, um seine Rente ein bisschen aufzubessern. Auch am Sonnabend ist Matthes unterwegs – mit dem Elbe Wochenblatt am Wochenende. Zeitungen austragen macht Spaß, findet der Rentner im Unruhestand. „Ich bin viel an der frischen Luft und tue gleichzeitig etwas für meine Gesundheit.“ Vor einigen Jahren hat ihm der „Herzonkel“, wie Matthes ihn nennt, eine neue Herzklappe eingesetzt. Seitdem fühlt sich der Harburger wieder richtig fit. „Ich hab' so viel Freude an meiner Arbeit – ich werde wohl nie damit aufhören!“
Mit seiner grauen Weste, die er eigens mit dem orangeroten Schriftzug des Harburger Wochenblatts hat bedrucken lassen, und seinem Sonnenhut in Deutschlandfarben ist Matthes eine auffällige Erscheinung. „Ich will ja, dass man mich erkennt“, sagt er und grinst. Zu großer Form läuft er bei Fußball-Welt- und Europameisterschaften auf, wenn er mit schwarz-rot-goldener Perücke verteilt. „Er ist immer gut gelaunt“, sagen die Leser des Elbe Wochenblatts, wenn sie ihn fotografieren und das Bild an die Redaktion schicken.
In den vergangenen zehn Jahren hat sich Matthes jeden Hauseingang eingeprägt, er kennt alle Bewohner, jede Stufe, und er weiß genau, wo er mit seinen knapp 80 Lenzen ein bisschen langsamer machen muss. Ist der Weg rutschig, zum Beispiel im Winter, spart er sich lieber ein paar Meter, packt das Elbe Wochenblatt in eine durchsichtige Plastiktüte und hängt sie an den Zaun. Ansonsten gilt grundsätzlich: Der Kunde ist König. Will heißen: Die Zeitung wird vollständig in den Briefkasten gesteckt, damit sie bei Regen nicht nass wird. Und natürlich wird kein Briefkasten, keine Zeitungsrolle und kein Gartenzaun ausgelassen – nie! Das sei er seinen Lesern schuldig, findet Matthes. „Guter Service ist das A und O in der heutigen Zeit!“
Die Bewohner seines Gebiets wissen, dass ihr Austräger sie niemals hängen lässt. „Ein sehr zuvorkommender, freundlicher Mensch“, findet Helga Skollik, die sich ihr Wochenblatt gleich auf der Straße aus dem Wagen holt.
Groß geworden ist Matthes in der „Veddeler Fischgaststätte“, die zunächst seine Eltern und bis vor wenigen Jahren sein Bruder führte. Für den kleinen Manfred hieß das: ab vier Uhr morgens Kartoffeln schälen. „Ich wurde früh rangenommen“, berichtet Matthes. Als Erwachsener arbeitete der in Rothenburgsort geborene Harburger als Gebäudereiniger und Lieferwagenfahrer. Inzwischen ist er zum vierten Mal verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. „Ich hab ne junge Frau“, sagt Matthes gerne. „Sie ist erst 76!“
Rund 750 Zeitungen muss Matthes verteilen – das dauert ungefähr bis mittags. Wenn er mit seinem Wägelchen („Mein Mercedes!“) beim Kiosk „P + G Backwaren“ in der Radickestraße vorbeikommt, kauft sich der Zeitungsmann gerne ein paar Stücke Apfelkuchen vom Vortag. „Weil der besonders lecker ist!“ Und manchmal – wie zum Beispiel heute – spendiert Mitarbeiterin Rosi einen Kaffee. „Du wurdest schon vermisst“, sagt sie. Matthes freut sich: „Habe ich dich heute schon umarmt?“, fragt Manfred Matthes zurück.
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