Die Schatten, die Geschichten erzählen

Die „Schatten der Vergangenheit“ gehören zum Storytels-Projekt: Janet Hesse und Dirk Bunte schufen Schattenbilder, mit denen die Gäste historische Szenen am Ort des Geschehens – hier der dämmrige Blick auf die „Düne“ – nacherleben können. Foto: pr
 
„Mid Century“-Stil: Im Aparthotel „Helgoländer Klassik“ wohnt man mit stylishem Mobiliar und oft auch mit Meerblick. Foto: pr

Nicht nur günstig Einkaufen: Helgoländer Hoteliers
bieten mit „Storytels“ Geschichte und Wohnkultur

Gaby Pöpleu, Helgoland

Helgoland erfindet sich neu: Die Hochseeinsel – 70 Kilometer vor der Elbmündung auf hoher See gelegen – will weg vom Image als reines Einkaufsparadies. Denn die Shopping-Touristen kommen vor allem im Sommer. Findige Hoteliers haben sich deshalb auf das reiche kulturelle und historische Erbe der Insel besonnen. Ein Ergebnis sind sechs „Storytels“ – Hotels, die Geschichten erzählen.
Frühere Pizzeria wird zum Literaturhotel
Den Anfang als Themenhotel machte das „Hotel auf den Hummerklippen“, benannt nach dem ersten Kinderbuch „Der Leuchtturm auf den Hummerklippen“ des berühmtesten Sohnes der Insel, James Krüss. Zunächst Pizzeria, war es früher komplett für die Mitarbeiter von Off-Shore-Windkraftunternehmen vermietet. Die Einnahmen aus diesen „guten“ Jahren investierten viele Helgoländer Hoteliers in den zeitgemäßen Umbau ihrer Häuser, so auch die Besitzer des „Hummerklippen“-Hotels: Heute dreht sich hier alles um Literatur: Die Räume sind nach Autoren benannt, im Speisesaal gibt’s ein Bücherregal für die Gäste und überall genug Ruhe für die nötige Konzentration. Denn „viele kommen auch zum Schreiben hier her“, sagt Hotelier Detlev Rickmers. Die Zimmer sind darfürvorbereitetet. Es gibt genug Platz für Bücher, Papier, Laptop.
„Wir haben uns gefragt, was die Menschen – außer einzukaufen – an Helgoland mögen“, sagt der gebürtige Helgoländer Rickmers. Das Thema in seinem Hotel „Rickmers Insulaner“: Geschichte. Im Hotelgarten findet sich noch ein Stollen im Fels. Er war Teil der „Festung Helgoland“, zu der Kaiser Wilhelm II die Insel Anfang des 20. Jahrhunderts ausbauen ließ. „Ich habe hier als Kind gespielt, ich wusste, dass er da sein muss“, erzählt Rickmers. Er legte das historische Bauwerk frei, machte es Touristen zugänglich.
Geschichte, Fotografie, Design und Architektur
Puristisch-einfaches nordisches Design bietet das Garni-Haus „Road Weeter“. „Wir folgen damit den Bauhaus-Grundsätzen. Wir bieten aber nordische Einfachheit“, sagt Hotelbesitzer Till Uterharck. Auch im schlichten „Haus Felseneck“ ist weniger mehr. „Hier wohnen gern Fotografen und Naturliebhabern“, sagt Rickmers. Nicht zuletzt wohl wegen der schönen Dachterasse: Panoramablick über die Inselnatur ist inklusive.
Überhaupt die Architektur: Typische Bauhaus-Elemente kann man im Helgoländer Baustil überall entdecken: Die 32 Grad Dachneigung, viel Licht und Luft durch große Fenster sind dort überall zu finden, nicht „Helgoländer Schuhkartons“, wie der Spiegel einst schrieb.
Auch im relativ neuen Hotel „Helgoländer Klassik“ geht’s um Design: Hier leben die 1950er und 1960er Jahre auf. „Zu Anfang haben das manche nicht verstanden, dachten, wir hätten einfach alte Möbel aufgestellt“, schmunzelt Rickmers, „Doch die Gebrauchsstücke wie Betten sind nagelneue Nachbauten. Anderes wurde detailgetreu aufgearbeitet.“ Und wer die 1950er mag, aber lieber im Appartement wohnt, mietet sich eines der „Klassik Appartements“ mit Kitchenette im Schrank ein paar Häuser weiter.
❱❱ www.storytels.com

Helgoland
1.400 Einwohner
2.000 Urlauberbetten
zirka ein Quadratkilometer Fläche
61 Meter hohe Steilküste
Geologie: Buntsandsteinfelsen
Milde Hochseeklima entsteht durch den Golfstrom. Die Insel gehört formal zum schleswig-holsteinischenKreis Pinneberg.

Helgoland Touristik
(im Rathaus)
Lung Wai 28
27498 Helgoland
Tel. 04725/ 813 70
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