„Die Nachfrage ist nicht vorhanden“

Frauen, die gern in einem „männerfreien“ Hallenbad schwimmen möchten, müssen dafür nach Wilhelmsburg fahren. Im Hallenbad Süderelbe werden keine Schwimmzeiten nur für Frauen eingerichtet. Foto: fotolia

Bäderland Hamburg möchte im Hallenbad Süderelbe keine Zeiten
für Frauenschwimmen einrichten

Karin Istel, Neugraben
Für Babys und Kinder gibt es sie im Hallenbad Süderelbe, aber nicht für Mädchen und Frauen: besondere Schwimmzeiten. Wer als (junge) Frau das Schwimmbad nutzen möchten, ohne dass Männer anwesend sind, muss nach Wilhelmsburg oder sogar St. Pauli fahren. Warum ist das Frauenschwimmen dort, aber nicht in Neugraben möglich?

Warum soll es überhaupt Frauenschwimmen geben? Die meisten Frauen haben religiöse Gründe: Laut Koran sollen muslimische Frauen ihren Körper vor den Blicken der Männer bedecken. Sind nur Frauen im Schwimmbad, also auch kein männliches Badepersonal da, sind die Bekleidungsregeln etwas lockerer. Aber auch manche nicht-muslimische Frauen mögen es, „männerfrei“ zu schwimmen.

Wie viele Mädchen und Frauen möchten das Angebot nutzen? „Über den Daumen gepeilt, gehe ich von 50 Frauen und mehr aus. Dazu kommen noch ihre Kinder im Alter bis zu sieben Jahren. Der Bedarf ist riesengroß“, sagt Anne Bornholdt. Sie ist bei Bildung und Integration (BI) Hamburg tätig und gibt in Neuwiedenthal Kurse für Menschen mit Migrationshintergrund.„Einmal waren es an die 70 Frauen mit Kindern, die zum Frauenschwimmen ins Wilhelmsburger Hallenbad fuhren“, erinnert sie sich. „Wir fahren dorthin, weil es hier in Neugraben nichts gibt.“ Fahren fünf Personen gemeinsam, werden 11,80 Euro für die Gruppenkarte im HVV fällig.

Warum richtet Bäderland kein Frauenschwimmen im Hallenbad Süderelbe ein? Für Michael Dietel, Sprecher für Bäderland Hamburg, ist „die Nachfrage nicht vorhanden.“ Auf Deutsch: Seiner Meinung nach gibt es zu wenig Frauen, die das Angebot nutzen würden.
Ab 15, 16 Uhr, wenn auch die Frauen schwimmen würden, nutzen Sportvereine das Hallenbad. „Alle konkurrieren miteinander. Wir stellen die Wasserfläche den Gruppen zur Verfügung, die mehr Leute erreichen.“

In Wilhelmsburg gibt es besondere Schwimmzeiten für Frauen. Warum?Das Bad ist größer. Die Sportvereine trainieren in einem abgetrennten Hallenteil. „Es kommt zu keinem Konflikt zwischen Vereinen und der Öffentlichkeit“, so Dietel.
Indirekt räumt Bäderland einen Bedarf beim Frauenschwimmen aber ein: Statt ab Oktober können Frauen in diesem Jahr bereits ab September hier montags von 16 bis 20 Uhr „männerfrei“ schwimmen – und zwar bis April des nächsten Jahres statt wie bisher nur bis März.
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