Die Lehre des Lebens

Kolumne: Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. Nach Urteil des Flaneurs ist die Lehre des Lebens die: „Man kann nicht alles verstehen.“ Männer können Frauen nicht verstehen. Und genau so wenig können Frauen Männer verstehen. Eltern können ihre Kinder nicht verstehen und für Kinder sind ihre Eltern ein Rätsel. Wir Alten können die Jugend nicht verstehen, und die Jugend uns auch nicht.
Nicht zu reden von den noch größeren Rätseln. Wer von uns versteht, warum wir hier auf der Erde sind, oder wohin wir gehen, wenn wir sterben?
Dem Flaneur sind Menschen verdächtig, die angeben, all dies zu verstehen. Viel lieber sind ihm diejenigen, die genauso ratlos sind wie er.
Wie kommt er denn durchs Leben, wenn für ihn alles so fragwürdig ist? Erstaunlicherweise ganz gut!
Er kann sich sein eigenes Mittagessen kochen und seine Klamotten waschen und bügeln. Er kann Briefe schreiben, um die Freundschaft seiner weit entfernten Freunde zu erhalten. Er kann sich immer sinnvoll beschäftigen. Und die Zuneigung seiner jüngsten Tochter hat er nicht verspielt.
Keine schlechte Bilanz, findet er, auch wenn er nicht soviel versteht.
Manchmal denkt er, es steht vielleicht uns Menschen gar nicht zu, die Anderen zu verstehen. Möglich ist es, dass es den Reiz des Lebens ausmacht, keine Antworten zu haben und trotzdem weiter zu leben.
Waren all die großen Denker und Religionsstifter auf der falschen Spur, als sie sich so viel Mühe gaben, Lösungen der Lebensrätsel anzubieten? Auf jeden Fall sagen sie Harburgs Flaneur wenig.
Und so läuft er durch die Harburg Arcaden und das Phoenix-Center und bestaunt die vielen Menschen. die gewiss so unsicher wie er selber, trotz allem ihre Besorgungen machen. Wir sind eine große Bruderschaft der Unwissenden! Und das findet er irgendwie tröstlich.
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