Die Künstler von Bostelbek

Aus Berlin nach Hamburg gekommen: Stan, 34. Fotos: Ulrike Schmidt

Legale Graffiti: Auf einer Flutschutzmauer am Seehafen ist auf 510 Metern eine gigantische „Hall Of Fame“ für Streetart entstanden

Von Ulrike Schmidt. Die Galerie am Bostelbeker Hauptdeich ändert sich jeden Tag. Einer, der für Veränderungen auf dem grauen Beton sorgt, ist Stan, 34. Er ist mit einigen Farbdosen und einer Leiter aus Berlin nach Hamburg gekommen und sprayt einen teuflisch grinsenden Smokingträger mit Stock und Zylinder auf die Flutschutzwand.
„Manche fahren in andere Städte um sich Sehenswürdigkeiten anzugucken, ich komme hierher um eine Wand zu bemalen und neue Leute kennenzulernen“, sagt Stan und nimmt einen Schluck von dem Tee, den er sich in einer Termoskanne mitgebracht hat. Wobei auch die zwischen Schienen und Seehafen gelegene Bostelbeker Flutschutzmauer mittlerweile eine Hamburger Sehenswürdigkeit sein dürfte.
Diese ganz legale Freiluft-Galerie gibt es seit Anfang des Jahres. Es ist Hamburgs größte Leinwand für Streetart: immerhin 510 Meter. Der Verein „GroßstadtRaum e.V.“ hat sich knapp vier Jahre für dieses Projekt stark gemacht. Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) hatte lange Bedenken, die dauerhafte Nutzungsberechtigung zu erteilen, da großflächige Malereien die Wartungsarbeiten erschweren könnten. Nun sieht die Behörde das Kunstprojekt als Feldversuch, ob Graffiti bei der Inspektion der Hochwasserschutzanlage wirklich stören.
An der „Hall of Fame“ darf sich jeder künstlerisch austoben, der zuvor eine „Genehmigung zur farblichen Umgestaltung am Bostelbeker Hauptdeich“ eingeholt hat. Die gibt es bei „Sprühkopf“, einem Graffiti-Fachgeschäft in der Nobléestraße gleich um die Ecke. Sprayer können sich dort eine Leiter leihen und selbst für sonntags ist ein Bereitschaftstelefon eingerichtet worden.
Wer ein Graffito sprayen möchte, wird um eine Spende gebeten, kann die Höhe des Betrags aber selbst bestimmen. Wer jedoch ohne die Genehmigung an die Mauer „taggt“ ris-kiert nach wie vor eine hohe Geldstrafe wegen Sachbeschädigung.
Die fünf Meter hohe Betonwand wurde seit Januar schon mehrmals übersprayt. Schnell hat sie sich über Hamburgs Grenzen hinaus einen Namen in der Szene gemacht. Stan aus Berlin, der sein Werk zufrieden betrachtet, ist nicht der einzige Künstler, der wegen der neuen Leinwand nach Hamburg gekommen ist.
Bisher ist die „farbliche Umgestaltung“ lediglich auf einem 255 Meter langen Teilstück, beidseitig der Hochwasserschutzanlage erlaubt. Insgesamt könnten 1.500 Meter einen neuen Anstrich erhalten. Es bleibt abzuwarten, ob in Zukunft noch mehr Fläche freigegeben wird. „Wäre doch cool“, sagt Stan, als er seine Leiter und die Sprühdosen zusammenpackt.

Hall Of Fame, Bostelbeker Hauptdeich, Genehmigung erhältlich bei
Sprühkopf
Nobléestraße 39
www.spruehkopf.de.tl
Mo-Fr 10-20 Uhr
Sa 9-20 Uhr
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