Die hohe Kunst der Mülltrennung

Der Harburger Flaneur nimmt am Entsorgungswettlauf teil.

Entsorgungskunde. Dieses Schulfach wird nur in Deutschland gelehrt. In anderen Ländern ist es gänzlich unbekannt. Schüler, die durchfallen, werden nicht zum Abitur zugelassen.
Entsorgungswettlauf. Mit diesem Begriff bezeichnen wir die Sportart, die darin besteht, zu zeigen, dass man früher als alle anderen seine Mülltonne auf die Straße stellen kann. Einsamer Rekordhalter ist Herr M. aus Hausbruch. Er stellt seine Tonne hin, sobald die Stadtreinigung die vorherige Abholung durchgeführt hat. Gefragt von unserem Reporter, warum, antwortete M.; „Ich bin herzkrank. Der Gedanke, ich könnte sterben, ohne meine Tonne hingestellt zu haben, ist mir unerträglich. Die Tonne hinzustellen ist erste Bürgerpflicht!“
Entsorgungsfarbenlehre. Diese zu beherrschen gehört in der Tat zu den ersten Bürgerpflichten. Hier ein kurzen Überblick, insofern wir sie verstanden haben:
Schwarz. Früher in den guten alten Zeiten gab es nur eine schwarze Tonne. Wir schmissen alles da hinein. Die Tonne hat das geduldig ertragen. Jetzt allerdings fühlt sie sich brüskiert, denn für vielen Abfall ist sie nicht mehr gut genug.
Blau. Ja, die sieht richtig hübsch aus. Ist leider ein beliebtes Ziel der ungezügelten männlichen Jugend, denn, da nur Papier und Pappe da hineingehören, ist der Inhalt leicht zu entzünden. Wir haben der Stadtreinigung den Vorschlag gemacht, sie sollte jeder blauen Tonne mit einem Feuerlöscher ausstatten. Sie ist nicht darauf eingegangen.
Gelb. Auch hübsch, obwohl leicht zu verschmutzen. Eine Glosse des Flaneurs ist einfach zu kurz, um vollständig aufzulisten, was in die gelbe Tonne gehört. Allerdings hat man in den Augen der Hamburger Stadtreinigung, wenn man die gelbe Tonne fachgerecht verwendet, einen Doktortitel in Mülltrennung verdient.
Ich zitiere aus dem vergnüglichen Büchlein, das ich kos-tenlos zugestellt bekommen habe, „Alles über Abfall, Recycling und Sauberkeit in Hamburg“: „Wer neben ... seiner blauen Papiertonne noch die gelbe Hamburger Wertstofftonne stehen hat ... ist ein
vorbildlicher Abfalltrenner“. Wenn das nicht eine willkommene Neuerung ist: Eine Behörde lobt die Bürger unserer Stadt! Selbstverständlich wird der Flaneur seinen Müll nun noch fleißiger trennen!

Kolumne: Regelmäßig schreibt der Harburger Flaneur im Elbe Wochenblatt am Wochenende. Unserem Spaziergänger fällt einiges auf: In dieser Woche berichtet er über das für Haushalte in Deutschland äußerst wichtige Thema
der punktgenauen Müll-trennung.
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1 Kommentar
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 12.04.2014 | 12:17  
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