Die Harmonie-Sänger von der Elbinsel

„Wir singen eben nicht immer nur ,Hoch auf dem gelben Wagen!’“: Seit 32 Jahren sorgt Dirigent Peter Schuldt für frischen Wind und musikalische Abwechslung in Finkenwerder. Fotos: bk
 
Detlev Robeni leitet als erster Vorsitzender die Geschicke der Liedertafel Harmonie.

Die Liedertafel aus Finkenwerder gibts seit 1865.

Von Annekatrin Buruck.
Als der Dirigent begann, Gymnastikübungen zu machen, stand einigen Sängern der Mund offen. „Haben wir vielleicht einen Turnlehrer angeheuert?“ fragten sie sich. So etwas hatte es in der Liedertafel Harmonie Finkenwärder von 1865 noch nicht gegeben. Peter Schuldt hat den zweitältesten Männerchor Hamburgs ordentlich aufgemischt mit seinen Lockerungs-, Atem- und Einsingübungen am Anfang jeder Probe, bei der alle nur Plattdeutsch reden, so wie es schon Generationen vor ihnen getan haben.
Der Männerchor aus Finkenwerder ist im Laufe der fast 150-jährigen Geschichte mit nur acht Dirigenten ausgekommen und Peter Schudt ist seit der Gymnastikepisode im März 1980 nun auch schon über 32 Jahre dabei. Das Repertoire umfasst heute rund 60 Lieder, es reicht von Klassik über Rock, Pop und Volksliedern – auf deutsch, englisch und platt – bis zu selbst geschriebenen Stücken. „Und wir machen alles aus dem Kopf, ohne Text- und Notenblätter“, ergänzt der Dirigent.
Ernst Dancker macht seit 1999 mit und nimmt für die wöchentlichen Übungsabende einen Anfahrtsweg von rund einer Stunde von der Elbgaustraße bis ins Übungslokal Finkenwerder Landungsbrücken in Kauf. „Die Harmonie ist ein Volltreffer“, sagt er. Das sehen auch andere so: Es gibt Mitglieder, die aus Sasel, Jesteburg oder sogar Garlstorf anreisen. Singen bedeutet für sie Entspannung und Gemeinschaftsgefühl.
Die meisten kennen sich seit Jahrzehnten. Oft liegt die Mitgliedschaft auch in der Familie: Ein Vorfahr von Mitglied Nico Peters ist sogar Gründungsmitglied gewesen. Fast alle Sangesbrüder sind über Bekannte zum Chor gestoßen. „Ich habe vor Urzeiten bei der Harmonie gekellnert“, sagt Robeni. Dirigent Peter Schuldt hat in seiner Jugend die Mitgliedsbeiträge kassiert.
Auf Finkenwerder ist die Harmonie dadurch viel mehr als ein Männerchor – sie ist eine Institution mit langer Geschichte.
Alles begann am 18. Oktober 1865. Liese Wriede und Heinrich Pahl feierten am Auedeich 24 ihre Verlobung. An der reich gedeckten Tafel kam man schnell in Stimmung, die Gäste stimmten ein fröhliches Lied an – die Liedertafel war geboren. „Den Begriff Gesangverein kannte man damals noch nicht“, erläutert Wilhelm Friedrich, Zweiter Vorsitzender des Vereins. „Man widmete sich an den Übungsabenden zunächst einem guten Essen an gemeinsamer Tafel und erst dann dem Gesang – daher Liedertafel.“
Friedrich ist Chronist des Männerchors. Er hat die handgeschriebenen Protokolle der Liedertafel auf seinem Computer abgetippt – insgesamt 520 DIN-A-4-Seiten. „Die Protokolle sind zum Teil noch in der deutschen Schrift verfasst, die zur Zeit der Gründung üblich war“, so Friedrich. Nun können auch jüngere Sangesbrüder von der Elbinsel lesen, wie es auf den Proben zuging, bevor es mit der Gymnastik begann.
42 aktive Sangesbrüder hat der Chor zur Zeit, noch einmal 43 passive Mitglieder kommen hinzu. ‚Dienstältester’ Sänger ist Werner Marquart. „Er ist 1949 eingetreten“, erzählt Detlev Robeni, Erster Vorsitzender des Vereins. Seit 1965 springt Marquardt zudem hin und wieder als Ersatzdirigent ein. „Auch fast alle anderen Posten hat Werner im Laufe der Zeit schon mal gehabt“, ergänzt Robeni. Ältester aktiver Sänger mit 87 Jahren ist Hans-Dietrich Kruse.
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