Die große Fruchtvermessung

Erntezeit: Die Apfelbäume im Alten Land werden in diesen Tagen ihre schwere Last los. Fotos: Savigny
 
Wenn die Äpfel baden gehen : Das Wasser ist allerdings nicht zum Waschen da, sondern dient lediglich als Transportmittel für die neue Ernte.

Bei Elbe-Obst in Neuenfelde werden jährlich 180.000 Tonnen Äpfel sortiert und verpackt

Von Christopher von Savigny. Tausende rotbackiger Äpfel der Sorte Elstar fallen in ein Wasserbad, schwimmen ein paar Meter weit und landen anschließend auf einem Transportband, wo sie trocken geföhnt werden. Ein hochmoderner Apparat wiegt das Obst und fotografiert es von allen Seiten, bevor die knackige Fracht erneut ins Wasser plumpst. Am Ende einer insgesamt mehrere 100 Meter langen Transport-kette wird das Obst nach Größe sortiert in riesigen Körben gesammelt.

Seit August läuft im Alten Land die Apfelernte. In der 4.000 Quadratmeter großen Halle von Elbe-Obst in Neuenfelde herrscht jetzt Hochbetrieb. Das Auswählen und Verpacken der geernteten Früchte ist ein Hightech-Job: Kameras und Waagen teilen die Ware in Größenklassen ein, computergesteuerte Hebevorrichtungen und Greifarme befördern das Obst an den richtigen Platz. Kaum ein Mensch ist zu sehen in der Sortierstation von Elbe-Obst, dem größten Weiterverarbeitungsbetrieb für Äpfel im Alten Land. Lediglich zwei Arbeiter stehen an einem Laufband, um per Hand die Äpfel mit den auffälligsten Mängeln herauszuklauben. Wobei von „Mängeln“ eigentlich kaum die Rede sein kann: Aussortiert wird lediglich das Obst, das nicht der offiziellen Norm entspricht. Eine Delle hier, ein wenig Apfelrost oder -schorf dort genügen, um die Frucht in den Container mit dem Mostobst wandern zu lassen. „Den Handel interessiert nur, ob der Apfel gut aussieht“, sagt Jens Podbielski, Leiter der Sortierstation Neuenfelde. „Der Geschmack ist ihm eigentlich egal!“ Dann hält er kurz inne. „Schlimm, oder?“, fragt er.
Von September bis Mai wird bei Elbe-Obst sortiert. Bei 180.000 Tonnen liegt die Jahresmenge an Äpfeln. Ein Teil davon geht als Rohware an die Händler, der Rest wird vor Ort verpackt und an Supermärkte verkauft. Durchschnittlich 30 Prozent des Obstes landet als Ausschussware in Mostbetrieben und Schnapsbrennereien.

Was nicht verarbeitet werden kann, hält „Winterschlaf“

Alles, was nicht sofort verarbeitet werden kann, kommt in den Kühlraum, wo die Äpfel bei drei bis vier Grad Celsius in eine Art Winterschlaf versetzt werden. „Narkoseschlaf“, sagt Podbielski dazu. Weil man den Äpfeln auch den Sauerstoff entziehen muss, damit sie nicht atmen können. Denn niedrige Temperaturen alleine verlängern die Haltbarkeit der Äpfel nur um etwa zwei bis drei Monate. Senkt man auch noch den Sauerstoffgehalt im Lagerraum auf rund 1,5 Prozent ab (normale Atemluft hat etwa 21 Prozent), ergibt sich eine Lagerdauer von bis zu zehn Monaten. Das reicht, um die Äpfel auch im nächsten Frühjahr noch durch die Sortieranlage schicken zu können.

Wer hätte das gedacht: 2014 war ein gutes Apfeljahr

17 Apfelsorten werden bei Elbe-Obst sortiert und verpackt, die Palette reicht von „Braeburn“ bis „Rubens“. Fünf Prozent davon haben das Biosiegel, der Rest kommt aus integriertem Anbau. Das bedeutet, dass chemische Pflanzenschutzmittel nur im Notfall und in Maßen eingesetzt werden dürfen. Ganz Deutschland (und auch Europa) schätzt die Qualität der Äpfel aus dem
Alten Land: Durch das milde, maritime Klima entwickeln die Früchte eine dünne Schale und ein ausgewogenes Zucker-Säure-Verhältnis.

„2014 war ein gutes Jahr“, sagt Jens Anderson, Marketingleiter bei Elbe-Obst. „Kein Frost, keine langen Regenperioden, viel Sonnenschein.“ Sprich: Viel Ertrag, der aber auch die Preise purzeln lässt. „Ideal wäre natürlich: Hohe Ernte und hohe Preise“, sagt Anderson. „So etwas habe ich allerdings noch nicht erlebt.“

Altländer Apfeltage

Von September bis November veranstalten die Obstbauern im Gebiet Süderelbe ihre „Altländer Apfeltage“: Auf dem Programm stehen ein Kunsthandwerkermarkt, ein Apfelfest, Führungen, Schnapsverkostungen und eine Obsthofrallye. Den Höhepunkt der Apfeltage bildet der „Tag des offenen Hofes“ am Sonnabend und Sonntag, 13. und 14. September: Dann öffnen einige der schönsten Obsthöfe ihre Pforten für Besucher. Infos:
www.mein-altesland.de
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