Die Bierbrauer von Harburg

Steuert und überwacht den Brauvorgang: Philipp Genz.
 
Campusperle-Mitarbeiter der TU Harburg: Der „harte Kern“ besteht aus rund 15 Aktiven.

„Campusperle“: TUHH-Studenten produzieren seit neun Jahren ihren eigenen Gerstensaft.

Von Christopher von Savigny. Wenn sich Lars Fischer und seine Kommilitonen alle paar Wochen sonnabends im „Technikum“, der Versuchshalle der Technischen Universität Harburg (TUHH), zum gemeinsamen Kochen treffen, dann wissen sie nie so ganz genau, was am Ende dabei herauskommt – und vor allem, wie es schmecken wird: Süß? Herb? Bitter? Würzig? „Das Experimentieren macht einen großen Teil des Reizes aus“, sagt Fischer.
Gekocht, oder besser gesagt, gebraut wird Bier in sämtlichen Variationen: Pils, Dunkel, Weizen, Dunkelbock, Weizenbock – im Grunde alles, worauf die Studenten Lust haben. Vor mittlerweile neun Jahren hat sich die Gruppe bierbegeisterter junger Leute zusammengefunden. Damals wurde noch mit Würstchenkocher und Stoffwindeln gebraut – inzwischen verfügt die Gruppe mit dem Namen „Campusperle“ über ein beinahe professionelles Sudhaus. Dieses besteht im Wesentlichen aus einer Sudpfanne, in der die Maische angesetzt und gekocht wird, und aus einem Läuterbottich, der zum Abfiltern dient. Die selbst gebaute Anlage reicht aus, um 50 bis 80 Liter allerfeinster „Campusperle“ herzustellen.
Gebraut wird heute Rotbier – eine Spezialität, die eine rötlich-braune Färbung aufweist und die fruchtig-sauer schmecken soll. Dafür braucht man einen speziellen Grundstoff: karamellisiertes Malz. Mit Wasser angesetzt ergibt das geschrotete Getreide eine dicke Pampe, die bei rund 50 Grad in der Sudpfanne vor sich hin blubbert. Während des „Einmaischens“ haben die Studenten – auch drei Doktoranden und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter sind darunter – nichts weiter zu tun, als zu warten. Zeit für Fachgespräche: Welcher Gerstensaft ist als nächstes dran? Ein kräftiges, tiefschwarzes Stout vielleicht oder das würzige „Indian Pale Ale“ – derzeit das Lieblingsbier von Kellermeister Lars Fischer, weil es so „fruchtig“ schmeckt. An der Wand hängt ein Zettel, auf dem die TUHH-Brauer die Ergebnisse ihrer Bemühungen aufgelistet haben: „Ganz passabel“ lautet das Urteil für das selbstgebraute „Vierkorn“, dagegen ist die Sorte „Amber“ leider „zu süß und zu leicht“ geraten. Die Studenten sind selbstkritisch: Das Bier, das ausschließlich bei Univeranstaltungen ausgeschenkt wird, soll schließlich allen schmecken.
Es folgt der zweite Teil des Kochvorgangs, wobei eine weitere wichtige Zutat ins Spiel kommt: Hopfen. Etwa 20 Sorten davon lagern im Kühlschrank der „Campusperle“, manche duften so stark, dass man sich regelrecht benebelt fühlt. Beim „Würzekochen“ ist Fingerspitzengefühl gefragt: Je mehr Hopfen, desto kräftiger und haltbarer wird das Gebräu – aber auch bitterer.
Hat der Sud genug gekocht, werden die nicht gelösten Hopfenbestandteile und das ausgefallene Eiweiß abgetrennt. Eine Woche etwa dauert die Gärung unter Zusatz von Hefe. Mindestens vier weitere Wochen die Nachgärung und Reifung im Kühlhaus. Auch hier können die Bierbrauer nochmal Einfluss nehmen: Liegt die Temperatur bei 18 Grad, entsteht ein „obergäriges“ Bier (z. B. Weizen), ist es nur zehn Grad kalt, nennt man die Reifung „untergärig“ (z. B. Pils). Dafür braucht man jeweils spezielle Hefekulturen.
Längst hat sich die „Campusperle“ von der einfachen Studenten-AG zur „Braugemeinschaft“ gemausert, bietet Praktika für Studenten der Verfahrenstechnik an und veranstaltet einmal pro Jahr einen internationalen Brauwettbewerb. Dort werden mitunter sehr lustige Kreationen eingereicht – Bier mit Schokoladen- oder mit Austernaroma zum Beispiel.
Auch die Harburger sind gerne erfinderisch: Letztens haben sie ein Lakritzbier angesetzt – Ergebnis noch offen. Als nächstes steht ein „Weihnachtsbier“ mit Kardamom, Zimt und Nelken auf dem Plan. Bierbrauen ist einfach spannend, finden die Studenten. „Wenn man ein paarmal selbst gebrautes Bier getrunken hat, schmecken die gekauften Sachen nur noch langweilig!“
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