Der sicherste Ort am Rande des Bürgerkriegs

Rinchen Dolker und Nilza Angmo am Flughafen Lehs, der eigentlich ein Militärsflughafen ist. Hier dürfen ab mittags nur noch Militärflugzeuge starten und landen. Foto: meret hoyer

Meret Hoyers vorletzte Kolumne aus dem Himalaya

Meret Hoyer, Ladakh

Während der morgendlichen Versammlung an der Mahabodhi Schule muss die Schulleiterin Dolma ihre Ansage unterbrechen, da zum dritten Mal an diesem Morgen ein Kampfjet in einer unglaublichen Lautstärke über den Campus fliegt. Sie wollte den Schülern viel Glück für ihre anstehenden Zwischenprüfungen wünschen.
Die Kampfjets sind auf dem Weg in den Nordwesten in Richtung zur indisch-pakistanischen Grenze in dem nördlichs-ten Bundesstaat Indiens, Jammu und Kaschmir. Dort herrscht momentan Bürgerkrieg zwischen der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung und der hinduistischen indischen Regierung. Einige Separatisten der Region möchten ein unabhängiges Land bilden, andere kämpfen für Kaschmir als pakistanischen Staat und wieder andere setzen sich dafür ein, dass Kashmir die „Krone Indiens“ bleibt. Wegen der Rebellen wird sowohl im pakistanischen als auch im indischen Teil Kaschmirs das Militär vermehrt eingesetzt. Es kommt ständig zu Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen.
Auch wenn der Mahabodhi Campus in Ladakh liegt und somit zu dem Bundesstaat Jammu und Kacshmir gehört, bekommt man hier wenig von dem Bürgerkrieg mit. Neue Ereignisse bei Ausschreitungen erfährt meine Familie in Deutschland deutlich vor mir, da funktionierendes Internet hier Glückssache ist. Wobei, Glückssache ist es nicht wirklich. Mir wurde erklärt, dass das Netz vom Staat abgeschaltet wird, um die Kommunikation und Absprachen der Rebellen zu erschweren. Später kann ich über das nicht immer funktionierende WLAN erfahren, dass die Lage wieder schlechter geworden ist.
Falls aber doch einmal etwas in dem friedlichen Ladakh passieren sollte, ist die Militärpräsenz bereits enorm groß. Behauptet wird, dass in den riesigen Militärcamps in den Bergen fast genausoviele Soldaten bereitstehen, wie es Einwohner gibt, also knappe 300.000.
Für die Schüler sind die Kampfjets nichts neues, keiner schaut mehr den schnellen, grauen Fliegern nach. Sie bedanken sich bei der Schulleiterin und gehen in ihre Klassen, um ihre Zwischenprüfung hinter sich zu bringen.
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