„Der Krieg ist nicht vorbei, er ist woanders“

Recherche für den nächsten Film: „Das aktuelle Projekt ist immer das spannendste Projekt“, versichert Helmke Kaufner. Foto: bs

Helmke Kaufner ist Mitbegründerin der Geschichtswerkstatt Finkenwerder

Von Bent Szameitat. Wenn Helmke Kaufner etwas sagt, hat sie vorher überlegt, was sie mit dem Gesprochenen ausdrücken will. „Der Krieg ist nicht vorbei, er ist nur woanders“, sagt die Mitbegründerin der Finkenwerder Geschichtswerkstatt, um zu erklären, wieso die Ereignisse aus zwei Weltkriegen auf der alten Elbinsel nicht vergessen werden.
Dass die zierliche 70-Jährige eine robuste Kämpferin sein kann, wissen ihre Nachbarn aus Finkenwerder schon länger.
Momentan setzt sich Kaufner dafür ein, dass auch für 35 russischen Kriegsgefangenen, die im Zweiten Weltkrieg zur Zwangsarbeit auf Finkenwerder rekrutiert wurden, ein Gedenkstein auf dem Friedhof an der St. Nikolai-
Kirche aufgestellt wird. „Von den Anwohnern wurde unsere Idee auf einer ersten Infoveranstaltung gut aufgenommen“, freut sie sich.

Erinnern an die Zwangsarbeiter auf Finkenwerder

Als das Ortsamt Finkenwerder aufgelöst wurde, fiel der Geschichtswerkstatt eine Liste in mit den Namen der Zwangsarbeiter in die Hände. Einige von ihnen starben an Entkräftung, andere an Infektionen oder Krankheit. Ihre Leichen wurden in einem namenlosen Grab in einer Ecke des örtlichen Gottesackers verscharrt und erst viele Jahre später auf den Ohlsdorfer Friedhof umgebettet.
Helmke Kaufner hofft, „dass wir auch junge Menschen für Geschichtsaufarbeitung in Finkenwerder begeistern können". Bei ihr wurde das Interesse als junges Mädchen geweckt. Seitdem sie das „Tagebuch der Anne Frank“ gelesen hat, lässt sie das Thema Krieg nicht mehr los.
Beruflich ist sie Filmemacherin, mit ihrem Ehemann Peter Ende gründete sie Ende der 1960er-Jahre die Firma Cinedesign. Anfans stellte sie ihren Wunsch zu studieren zurück und arbeitete als Postbeamtin. Erst als das Unternehmen finanziell auf sicheren Beinen stand studierte sie Sozialökonomie, bevor sie in Vollzeit einstieg. Das Paar hat sich auf Naturfilme sowie auf maritime Themen spezialisiert und Dokumentationen gedreht wie „Feuerschiffe“ oder „Zwischen Haff und Ostsee“. Er steht hinter der Kamera, sie schreibt das Drehbuch und übernimmt die Regie.
Als die Kaufners 1973 mit Filmfirma, Katze und einem alten Elb-Ever nach Finkenwerder zogen wurden sie mit offenen Armen aufgenommen. Die neuen Nachbarn fragten nur höflich: „Mökt ihr dor Pornos?

Info

Für ihre Aufklärungsarbeit gegen das Vergessen wurden Helmke Kaufner und ihre Mitstreiter vom „Finkenwerder Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft des KZ Neuengamme“ vom Auschwitz-Komitee mit dem Hans-
Frankenthal-Preis geehrt.
Kontakt unter Tel. 742 79 92.
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