Der jüngste Zirkus der Stadt

Beeindruckend: Lara (11) balanciert auf einer rollenden Gummikugel, die mehr als halb so groß ist wie sie selbst. Foto: cvs
 
Die Übungen am Trapez (im Bild: Jan, 11 Jahre alt) gehören zu den anspruchsvolleren Zirkusnummern. Foto: pr

Der Kinderzirkus „Abrax Kadabrax“ will keine Artisten ausbilden, sondern Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung fördern.

Von Christopher von Savigny. Noch ein wenig wackelig kniet Mariella (8) auf der roten Laufkugel, die aussieht wie ein riesiger Hüpfball – nur ohne die Griffe zum Festhalten. „Mach' den Rücken gerade“, sagt Zirkus-pädagogin Laura Stefanidis und lobt ihre Schülerin, die das anspruchsvolle Turngerät heute erst zum zweiten Mal ausprobiert. „Das klappt ja schon ganz prima!“ Wenn man richtig gut ist, kann man auf der Kugel durch die Manege laufen und dabei auch noch Kunststücke machen. Auch bei Mariella wird es bestimmt nicht mehr lange dauern: Ganz langsam richtet das Mädchen ihren Oberkörper auf, bis sie schließlich steht – ganz ohne fremde Hilfe.
Im Zirkuszelt von „Abrax Kadabrax“ im Osdorfer Born übt sich eine Gruppe von Kindern im Alter von sieben bis 14 Jahren im Jonglieren und Balancieren. Einige haben sich bunte Bänder – so genannte „Pois“ – geschnappt und lassen diese effektvoll durch die Luft wirbeln. Andere probieren sich in der Teller-Jonglage oder tänzeln mit weit ausgebreiteten Armen über ein dickes Drahtseil, das in Kniehöhe über dem Fußboden aufgespannt ist. Seit fast 20 Jahren bietet der Kinderzirkus „Abrax Kadabrax“ Nachmittagskurse für Kinder und Jugendliche an. Vor fünf Jahren ist das Projekt aus Othmarschen weggezogen und hat sein Zelt auf der Wiese neben dem Bürgerhaus Bornheide aufgeschlagen. „Der Zirkus Abrax Kadabrax bildet keine Artisten aus“, sagt Standortleiter Dennis von Salis. „Es geht darum, den Kindern durch ihre Teilnahme die Möglichkeit zu geben, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Und sie sollen natürlich Spaß an den Übungen haben!“
Einmal in der Woche, montags oder dienstags, treffen sich die Gruppen, um für jeweils eineinhalb Stunden in die magische Welt des Zirkus' einzutauchen. Trainiert werden auch anspruchsvollere Nummern, wie etwa am Trapez. Höhepunkt ist immer die Phase kurz vor den Sommerferien, wenn die Nachwuchsartisten ihr Können vor Publikum präsentieren dürfen.
Der jährliche Kulturfesttag im Osdorfer Born ist so ein Termin, auf den regelmäßig alle hinfiebern. Dabei wird keine lose Abfolge von Kunststücken gezeigt, sondern eine zusammenhängende Show mit Geschichten, die sich die Kinder selbst ausgedacht haben. „Zirkus macht unheimlich viel Spaß“, hat von Salis festgestellt. „Und es stärkt auch das Gemeinschaftsgefühl, zum Beispiel, wenn sich die Teilnehmer zu einer Pyramide aufeinanderstellen. Das sind so Erlebnisse, die nimmt man mit fürs Leben!“

„Arme ausstrecken und mit den Augen ein Ziel suchen!“

Den Kindern ist die Begeisterung anzumerken: „Das Kugellaufen macht mir am meisten Spaß, weil man da viel größer ist, als alle anderen“, erzählt Alissa (10), die jetzt seit einem Jahr dabei ist und auch auf dem Seil keine schlechte Figur macht. Ihr Tipp für den gelungenen Draht-seilakt: „Arme ausstrecken und mit den Augen ein festes Ziel suchen!“ Sophie (10) hat zwar erst vor einem Monat angefangen, kann aber schon was am Trapez vormachen. Angst vor der Höhe? „Nö“, sagt Sophie und lacht. „Ich habe vorher schon mal einen Kurs in der Schule gemacht.“ Die meisten Kinder kommen aus der unmittelbaren Umgebung. „Ich hoffe darauf, dass sich mein Sohn körperlich weiterentwickelt“, sagt Sabrina Awe, Mutter von Julien (8). „Gerade was Gleichgewichtssinn und Körperbeherrschung angeht. Da ist er noch nicht so weit wie andere Kinder seines Alters.“
Neben den offenen Nachmittagsangeboten unterhält der Zirkus mehrere Kooperationen mit Schulen und Kitas im Hamburger Westen. Ganz neu im Programm ist eine zirkuspädagogische Fortbildung für Erwachsene. Für ihr langjähriges Engagement haben die Zirkusverantwortlichen schon etliche Preise gewonnen – zuletzt den Bildungspreis der Ergo-Stiftung 2014. Offizieller Träger ist das Jugendpfarramt der Nordkirche.
Der Zirkus Abrax Kadabrax erhält keine Dauerförderung, sondern muss sich den Betrieb zum Teil selbst finanzieren. Zu dem Zweck wurde ein „Eventbereich“ mit Zirkuscafé und Zeltvermietung, etwa für Kindergeburtstage, eingerichtet.

Zirkus

Abrax Kadabrax
Interessierten Kindern und Jugendlichen bietet der Zirkus Abrax Kadabrax noch bis einschließlich Mitte April ein kostenloses Probetraining an. Kontakt und Infos: www.abraxkadabrax.de
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