Der Fischer und seine Frau

Blick ins Fotoalbum: Gerne schauen sich Heinrich und Annegrete Fock die Bilder ihrer langen Ehe an. Foto: bk
 
Nur eine Woche Urlaub bekam der Soldat Heinrich Fock, um seine Braut Annegrete am 9. September 1941 zu heiraten. Foto: pr

Annegrete und Heinrich Fock sind seit mehr als 70 Jahren glücklich verheiratet

Von Annekatrin Buruck.
Fock, Heinrich, Seefischer, Aue-Hauptdeich 3 – so steht es noch immer im Telefonbuch von Finkenwerder. Doch das ist lange her. Inzwischen ist der Seefischer Heinrich Fock 90 Jahre alt, seine Frau Annegrete 88. Im September hat das Paar seinen 70. Hochzeitstag, die Gnadenhochzeit, gefeiert.
Beide sind echtes Finkenwerder Urgestein. Heinrich Fock wurde am 3. Januar 1921 in dem Haus am Aue-Hauptdeich geboren, „im Keller, zwischen den Tiden“, sagt er und muss lachen dabei. Seine Mutter starb früh, und so lebte Heinrich für sechs Jahre in Wedel, als der Vater wieder heiratete. Mit 15 kehrte er nach Finkenwerder zurück und begann, als Seefischer zu arbeiten.
Annegrete wurde am 5. November 1922 an der Müggenburg geboren, „dort, wo jetzt Fernseh-Scheffler ist, im Hinterhaus“, erzählt sie. Auch sie hat die Mutter früh verloren. Nach einem Umzug an den Norderdeich und dem Besuch der Westerschule ging sie ‚in Stellung’, wie es damals üblich war. „Eine Lehre konnte mein Vater nicht bezahlen“, sagt sie.
An die erste Begegnung mit Heinrich Fock erinnert sie sich noch genau. „Das war 1938 auf dem Gurkenball des Schrebergartens.“ Bald jedoch trennte der Krieg das junge Paar. Heinrich Fock wurde sofort am ersten Kriegstag samt Kutter zur Marine eingezogen. „Von heute auf morgen wurde ich Soldat.“ Das blieb er bis zum Schluss - als Minensucher in Elbe- und Wesermündung, in Nordafrika, Dänemark, Frankreich, im englischen Kanal, „insgesamt 14 Kommandos auf verschiedenen Schiffen und an Land“, wie sich Heinrich Fock erinnert.
1941 kündigte sich Sohn Uwe an: Das junge Paar wollte heiraten. „Aber wir konnten nicht zusammen kommen, denn Heinrich war noch nicht 21 Jahre alt“, sagt Annegrete. Der Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung ging zwischen Marine und Vormundschaftsgericht hin und her. Bis ihr Vater ein Machtwort sprach. „Ihr heiratet!“
Eine Woche Urlaub bekam der Bräutigam für die Hochzeit. „Freitags ist er gekommen, dienstags haben wir geheiratet und am nächsten Freitag musste er schon wieder fort“, weiß Annegrete Fock noch genau. Für die 50 Gäste hatte Heinrich kostbaren Bohnenkaffee aus Frankreich im Gepäck. „Den Kuchen mussten die Gäste allerdings selbst mitbringen“, erinnert sich Annegrete noch.
Gleich nach Kriegsende wurde Heinrich Fock aus der Marine entlassen und begann, wieder als Seefischer zu arbeiten. 1949 machte er sich mit seinem Kutter HF 526 ‚Niederelbe’ selbständig. 34 Jahre fuhr er rauf auf Nord- und Ostsee. An Bord hat er schon damals Schollen getrocknet, eine Finkenwerder Tradition, die er später an seinen Sohn Uwe weiterreichte. Bis heute gibt es am Aue-Hauptdeich, wo das Paar seit 1953 wieder lebt, in jedem Frühjahr „dreugt Fisch“.
Während ihr Mann auf See war, blieb Annegrete Fock zu Hause – 1946 wurde der zweite Sohn Heiner geboren. „Ab und zu habe ich meinen Mann an Bord besucht“, erzählt sie. Zu tun gab es aber auch auf Finkenwerder genug, vor allem bei den Sturmfluten, die Haus und Grundstück regelmäßig unter Wasser setzten. Dann kamen die Schweine und Hühner nach oben in den Schuppen, das Sofa auf den Tisch und das Bett an einen Haken unter die Decke. Erst der Bau des neuen Deiches nach der Flut von 1962 machte dem ein Ende.
1982 verkaufte Heinrich Fock seinen Kutter. Dennoch blieben seine Frau und er noch lange aktiv, sei es auf Reisen oder in der Familie, zu der neben den Schwiegertöchtern Anke und Gabi inzwischen auch zwei Enkel und drei Urenkel gehören
Nach der Gnadenhochzeitsfeier mit rund 40 Gästen hat das Jubiläumspaar das nächste Ziel ins Auge gefasst: Die Kronjuwelenhochzeit – nach 75 Jahren Ehe.
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