Das schlimme Zeitspiel der Deutschen BKK

Klaus Pervoelz kämpft gegen seine Krankenkasse. Foto: mg

Sozialgericht gibt Klaus Pervoelz (76) Recht, der seit 13 Monaten um Ersatz für einen kaputt gegangenen Stuhl mit Aufstehhilfe kämpfen muss

Was Klaus Pervoelz mit seiner Krankenkasse, der Deutschen BKK, erlebt, ist schwer zu glauben. Seit März 2015 versucht der 76-Jährige einen Ersatz für einen kaputt gegangenen so genannten Arthrodesenstuhl mit elektrischer Aufstehfunktion zu bekommen. Ein solcher Stuhl war ihm 2001 von der Hamburg Münchener Ersatzkasse noch ohne Probleme bewilligt worden. Bis vors Sozialgericht musste Pervoelz ziehen (das Elbe Wochenblatt berichtete). Dort bekam er nun am 17. Juni in einer Eilentscheidung recht: die Sozialrichter verdonnerten die Deutsche BKK dazu, ihn sofort mit dem 5.731 Euro teuren Stuhl zu versorgen.
Ihre Ablehnung hatte die Deutsche BKK zuvor mit wirtschaftliche Erwägungen und damit begründet, sie müsse sorgfältig mit dem Geld der Versicherten umgehen. Pervoelz stellt das in Frage. Er ist fassungslos, „dass sich die Kasse lieber verklagen lässt und nun wahrscheinlich viel mehr Anwalts- und Gerichtskosten zahlen muss, als der Stuhl überhaupt kostet“.
Auffällig für die Richter: Wieviel Zeit sich die Kasse ließ, um über den Antrag des an Arthrose in beiden Knien leidenden Pervoelz zu entscheiden, der beim Aufstehen auf die Hilfe seiner schwerbehinderten Frau angewiesen ist. Statt innerhalb der gesetzlich vorgesehenen drei Wochen brauchte die Kasse für ihre Ablehnung mehr als drei Monate.

Gutachten und Gerichtsverfahren


Dabei wäre eine Entscheidung einfach gewesen, finden die Sozialrichter: Der Arthrodesenstuhl gehört zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen und war vom behandelnden Arzt verordnet worden.
„Wir sind Ihr Partner in allen Lebenslagen“, heißt es auf der Website der Deutschen BKK. Übertrieben partnerschaftlich ging sie mit ihrem Versicherten allerdings nicht um: Sie schaltete stattdessen die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) ein.
Diesem Gutachten sei deutlich zu entnehmen, dass Pervoelz „in seiner Fähigkeit selbstständig aufzustehen beeinträchtigt sei und derzeitig nicht hinreichend versorgt sei“, fassen die Richter die Ergebnisse der Gutachten in ihrem Beschluss zusammen. Im Klartext: Anstatt dem Versicherten wenigsten dann zu helfen, wurde also weiter auf Zeit gespielt.
Und die Hängepartie geht weiter: Die Deutsche BKK hat gegenüber dem Elbe Wochenblatt angekündigt, gegen den Beschluss des Sozialgerichts im Eilverfahren Beschwerde beim Landessozialgericht einzulegen. Solange das Verfahren vor dem Landessozialgericht läuft, bekommt Klaus Pervoelz den Arthrodesenstuhl also immer noch nicht. Zur Höhe der dadurch entstehenden Gerichts- und Anwaltskosten wollte sich die Sprecherin der Kasse nicht äußern.
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