„Das ist ein AMG, Digga!“

Tobias Hänsch, Leiter der Kontrollgruppe „Autoposer“, zeigt, wo bei dem Porsche Panamera der Mittelschalldämpfer entfernt wurde. Foto: kreller

Polizei gründet Kontrollgruppe „Autoposer“

Niels Kreller, Hamburg-Süd
„Hab ich so gekauft“ oder „Das ist AMG, Digga!“ Das hören die Polizeibeamten der Kontrollgruppe „Autoposer“ in Hamburg nicht selten von ihren „Kunden“. Die Kunden, das sind diejenigen, die ihre Autos illegal „tunen“ – röhrender Auspuff, mehr PS unter der Haube, tiefergelegt. Und die dann mit einer Lautstärke wie ein startender Düsenjet durch Hamburg cruisen oder sich illegale Rennen à la „The Fast And The Furious“ auf den Straßen liefern.
Seit gut zwei Monaten sind neun Beamte der Hamburger Polizei aktiv gegen die Tuner-szene. Sie alle haben sich freiwillig zur Kontrollgruppe gemeldet. Über 20 illegal getunte Fahrzeuge haben sie seitdem stillgelegt. Wie einen Porsche Panamera, dem der Mittelschalldämpfer entfernt wurde, und der nun mit 124,5 Dezibel statt eingetragenen 72 röhrt – lauter als ein startender Düsenjet. Oder einen Ford Mustang, der statt 400 jetzt 700 PS unter der Haube hat. Erstaunt ist Tobias Hänsch, Leiter der Kontrollgruppe, darüber, wie billig die Tuner bei den oftmals mehr als 100.000 Euro teuren Autos vorgehen: „Beispielsweise schneiden sie einfach Löcher in die Rohre.“
Während diese beiden Modelle eher zum Bereich des „Lärmposings“ gehören, ist der Audi TT, den die Polizei in ihrem Lager rumstehen hat, für illegale Rennen aufbereitet: 475 PS bringt er jetzt auf die Straße statt eingetragene 220. „Kann der was?“ hat der Besitzer noch stolz als Aufkleber auf dem Heck stehen.
„Wir haben eine Mischlage aus Lärm und zu viel Geschwindigkeit“, erläutert Tobias Hänsch die Lage. „Dieses ziemlich egoistische und rücksichtslose Verhalten stellt eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer dar.“ Denn auch der Lärm ist gesundheitsschädlich.
Fotografiert werden sollen die Beamten der Kontrollgruppe möglichst nicht. „Wir wollen so lange wie möglich konspirativ vorgehen“, erläutert Hänsch. Für die Kontrollen ist die Gruppe mit Spezialmitteln ausgerüstet. Da ist zum Beispiel eine Endoskop-Kamera, mit der die Beamten selbst unter die tiefergelegten Fahrzeuge schauen können. Oder UV-Leuchten, mit denen sich gefälschte Papiere erkennen lassen.
Damit sind sie an den Hot-spots der Szene unterwegs: Ein solcher ist für die „Lärmposer“ getreu dem Motto „Sehen und gesehen werden“ – die Alster. Für die Raser sind es beispielsweise die Bundesstraße 5, der Elbtunnel oder die Vollhöfner Weiden. „Wir sind 24 Stunden im Dienst. Das ist unsere Botschaft an unsere ‘Kunden’“, so Hänsch.
Unterstützung bekommen die Hamburger Tunerjäger auch vom Gesetzgeber: Am Freitag trat der geänderte Paragraf 315d des Strafgesetzbuches in Kraft, der die Durchführung und die Teilnahme an einem Autorennen mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bewehrt. Wer bei einem solchen Rennen Menschenleben gefährdet oder gar den Tod eines Menschen verursacht, kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen.
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