Das Haus des Heimatdichters

Ganz am Ortsausgang von Finkenwerder – schräg gegenüber dem Airbuswerk – liegt das Elternhaus des Heimatdichters Johann Kinau, vielen besser bekannt als Gorch Fock. Fotos: bk
 
In der kleinen Küche im Keller des Gorch-Fock-Hauses zeigt Jutta Haag vom Vorstand der Heimatvereinigung, wie früher gekocht wurde.

Nach Gorch Fock ist das berühmte Segelschulschiff benannt.

Von Annekatrin Buruck, Es gibt ein Theodor-Storm-Haus und ein Klaus-Groth-Haus, warum soll es nicht auch ein Gorch-Fock-Haus geben?“ Das fragte sich Katherina Kinau, die Schwester des bekannten Heimatdichters Gorch Fock, der eigentlich Johann Kinau hieß. 1983, fünf Jahre vor ihrem Tod, überschrieb die alleinstehende Dame ihr Elternhaus am Neßdeich 6 der Heimatvereinigung Finkenwerder, mit der Auflage, das Erbe ihrer Familie zu bewahren. Nach aufwändiger Renovierung ist das kleine Haus schräg gegenüber dem Airbuswerk daher heute ein Museum.
Katherina Kinau verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Bodemannheim, „hatte aber immer noch einen Schlüssel“, weiß Werner Marquart, Finkenwerder Urgestein und die gute Seele des Gorch-Fock-Hauses. Viele hundert Besuchergruppen hat der 85-Jährige, der am liebsten Platt spricht, schon durch das 1880 erbaute Haus geführt – zwischen 800 und 1.200 Gäste pro Jahr. Dabei erzählt der gebürtige Finkenwerder aus dem Leben des Dichters und seiner Familie. Seine Frau Karin Marquart bewirtet die Besucher auf Wunsch mit Kaffee und Kuchen.
Werner Marquart, Ehrenvorsitzender der Heimatvereinigung, ist Fock und Familie verbunden: „Das habe ich einmal angefangen, das mache ich weiter, solange ich kann.“
Erst einmal klärt er über den Namen des Hauses auf, das in Finkenwerder „Kinau-Haus“ genannt wird, weil nicht nur der berühmte Namensgeber des Segelschulschiffs der Bundesmarine Schriftsteller war, sondern auch seine beiden Brüder Jakob und Rudolf.
Johann Kinau wurde als das älteste von sechs Kindern des Seefischers Heinrich Kinau und seiner Frau Metta am 22. August 1880 auf Finkenwerder geboren. „Eigentlich wollte er auch Seefischer werden“, weiß Werner Marquart, „aber dafür war er körperlich zu schwach.“ So machte er eine kaufmännische Ausbildung und entdeckte bald sein Talent für die Literatur. In rund 20 Büchern und Theaterstücken verarbeitete er seine Liebe zur Seefahrt.
Das Pseudonym Gorch Fock verwendete der Dichter, weil dieser Name viel bekannter war als Kinau. „Damals hießen die Leute auf Finkenwerder entweder Fock oder Mewes“, schmunzelte Werner Marquart. Im Alter von 35 Jahren ist Johann Kinau am 31. Mai 1916 in der Skagerak-Schlacht des Ersten Weltkriegs mit dem Kreuzer ‚Wiesbaden’ untergegangen. Er hinterließ seine Frau Elisabeth und die Kinder Adolf und Metta.
Dass die Erinnerung an Johann Kinau auf Finkenwerder bis heute so lebendig ist, liegt allerdings nicht nur an seinem literarischen Werk. „Im Dezember 1906 hat er zusammen mit Hinrich Wriede die Finkwarder Speeldeel gegründet – auf einem Fischkutter“, erzählt Werner Marquart. Die weit über Finkenwerder hinaus bekannte Folkloregruppe tritt sogar international als Botschafter der ehemaligen Elbinsel auf, wie erst kürzlich bei der Expo in Südkorea.
Bis heute leben Nachfahren der Familie Kinau auf Finkenwerder, darunter auch ein Enkel des Dichters. Außerdem erinnern die Gorch-Fock-Halle sowie ein Gedenkstein und ein Anker im Gorch-Fock-Park an den berühmten Finkenwerder. Und sein Elternhaus ist zum beliebten Treffpunkt für Freunde der plattdeutschen Sprache geworden.
Seit 1997 können Paare im Gorch-Fock-Haus heiraten. Die Trauung kostet nichts, eine Spende ist willkommen.
In dem rund 60 Quadratmeter kleinen Haus am Deich kann der Besucher die Welt der Finkenwerder Seefischer um die Jahrhundertwende kennen lernen. Ein kleines Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und eine Küche im Erdgeschoss sind im Stil des 19. Jahrhunderts eingerichtet, die Wände sind geschmückt mit alten Bildern und Fotos der Familie Kinau und der Seefahrt.
Das Gorch-Fock-Haus ist jeden ersten Donnerstag im Monat von 14 – 18 Uhr geöffnet. Besucher werden gebeten, sich bei Werner Marquart unter Tel. 742 6501 anzumelden.
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